Maḥfūẓ Nagīb

(1911 – 2006), ägypt. Prosa-­Schriftsteller, Autor zahlreicher Romane, Sammlungen von Kurzgeschichten und Filmdrehbücher. M. studierte 1930 – 1934 in Kairo Philosophie und arbeitete anschließend bis zu seiner Pensionierung (1971) als Angestellter bei verschiedenen Behörden des ägypt. Staates, seit Ende der 1950 er Jahre v. a. in höheren Kultur-­Ämtern, später auch z. B. in der Feuilleton-­Redaktion der Tageszeitung al-­Ahrām sowie in vielen Ehrenämtern. Nach den im Alten Ägypten spielenden ersten Romanen trat M. seit den 1940 er Jahren mit Erzählwerken hervor, in denen er sich mit den Umbrüchen in der zeitgenöss. ägypt. Gesellschaft und speziell den städtischen Mittelschichten beschäftigt. Insbesondere für diese sozialrealist. Texte, darunter auch eine große Roman-­Trilogie (1956 – 1957), wurde M. als erster arab. Schriftsteller 1988 mit dem Nobel-­Preis für Literatur geehrt. Vom späteren Werk, in welchem sich M. religiösen, existentialist. und philosoph. Fragen widmet, ist über Ägypten hinaus wohl nur Awlād ḥāritnā («Die Kinder unseres Viertels») bekannter geworden – v. a., weil diese religionsphilosoph. Allegorie dem Autor den Vorwurf der Blasphemie (sie wurde 1959 nach ersten Andrucken verboten und konnte seither nur außerhalb Ägyptens erscheinen) und zuletzt (Okt. 1994) sogar den Anschlag eines Islamisten auf sein Leben eintrug. Ein Großteil des erzähler. Werkes liegt inzwischen auch in deutscher Übersetzung vor.

Literatur:
Fähndrich, H.: Nagib Machfus, 1991.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Stephan Guth, Universität Oslo, Islamwissenschaft, Orientalische Philologie, Begriffsgeschichte


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.



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