Rap

Gesangstechnik, die im Hip-­Hop verwendet wird. Hip-­Hop, in den USA unter den sozial marginalisierten Schichten als musikal. Ausdruckskraft derer entstanden, die von den geltenden Werten ­eines Systems abweichen oder zur Seite gedrängt werden, wurde in Deutschland seit den 1980 er Jahren für Angehörige der sog. zweiten Generation von Einwanderern zum Mittel, ihre Identität zu formen und zu begreifen. Die Texte handeln von Rassismus und Gewalt, teilweise im Kampf gegen einen Staat, der ihnen Rechte vorenthält, aber auch von individuellen Themen. Gerappt wird auf Deutsch, Englisch und Türkisch, wie von der türk. Vorzeige-­Rapperin Aziza A. und Gruppen, bei denen viele Namen auf ein zunehmendes Selbstbewusstsein dieser Generation deuten, wie ­«Islamic Force» aus Berlin, die Pioniere des «Oriental Hip-­Hop», «Kanaks with Brain», «Sons of Gastarbeita» u. a. Von Deutschland aus wanderte der türkische Rap nach Istanbul. Rap im Nahen Osten hat erst durch die arabischen Aufstände 2011 in der breiten ­Öffentlichkeit Aufmerksamkeit erfahren, doch war Rap nur eine Musikform von vielen, die die Ereignisse begleiteten und formten. Rap startete Ende der 1990 er Jahre im Nahen Osten; stark beteiligt waren daran palästinensische Jugendliche. Zu unterscheiden ist zwischen Rappern, deren Texte überwiegend persönlich und politisch sind, und solchen Künstlern, die ihre Musik als Ausdruck einer dezidiert muslimischen Identität begreifen oder religiöse Themen in den Vordergrund stellen. Einige Künstler vermeiden den Begriff Hip-­Hop mit seinen umfassenderen kulturellen Bezügen und bevorzugen, sich als Rapper zu bezeichnen. Sie verweisen auf verbale arabische Kunstformen wie Dichterwettstreite und Formen der Volkspoesie, die auf ähnlichen Prinzipien fußen: kompetitiver Charakter, improvisierend, rhythmusbetont.

Literatur:
Gonzalez-­Quijano, Y: «Rap, an Art of the Revolution or a Revolution in Art?», in v. Hees, S./N. v. Maltzahn und I. Weinrich (Hg.): Inverted Worlds: Cultural Motion in the Arab Region. doi: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/orient-­institut-­studies/2 – 2013. – Solomon, Th.: «Hardcore Muslims: Islamic Themes in Turkish Rap in Diaspora and in the Homeland», Yearbook for Traditional Music 38 (2006), 59 – 78.

Autor/Autorinnen:
Dr. Ines Weinrich, Universität Bochum, Arabistik und Islamkunde


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.



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