Massenmedien

Sammelbezeichnung für Presse, Rundfunk und Fernsehen, im weiteren Sinne auch für Bücher, CDs, Videos und Internet, also für Mittel (= Medien), mit denen Nachrichten und Unterhaltung in Schrift, Ton und Bild zu einem breiten Publikum kommen.
Den Massenmedien Presse, Hörfunk, Fernsehen und Internet ist in der Demokratie eine wichtige Aufgabe zugedacht. Sie sollen umfassende, sachgerechte und verständliche Informationen liefern, damit die Bürger sich eine politische Meinung bilden und sachkundig an politischen Entscheidungen mitwirken können. Dazu garantiert das Grundgesetz den Medien die Freiheit der Berichterstattung und verbietet jede Zensur [Art. 5 GG].

Im Alltagsgeschäft spielen jedoch auch noch andere Gesichtspunkte eine wesentliche Rolle. Die vielen einzelnen Zeitungs-, Radio- und Fernsehunternehmen stehen in harter Konkurrenz zueinander und müssen zunächst einmal alle Geld verdienen, um weiter existieren zu können. (Ausnahme: ARD und ZDF, die sich weithin aus gesetzlich festgelegten Zwangsbeiträgen aller Besitzer von Radio- und Fernsehapparaten finanzieren.) Haupteinnahmequelle ist die Werbung, als Anzeigen in der Presse und als Werbespots in Hörfunk und Fernsehen. Für diese Werbung kann ein Medienunternehmen desto höhere Preise erzielen, je höher die Verkaufsziffern seiner Zeitung oder Zeitschrift bzw. die Einschaltquoten seines Radio- oder Fernsehsenders sind. Wer aber hohe Verkaufsziffern oder hohe Einschaltquoten erreichen will, kann es sich nicht leisten, einfach nur trockene Informationen zu liefern. Er muss zugleich auch unterhalten, Neugier wecken, ständig Aufmerksamkeit erregen - und dazu seine Nachrichten entsprechend auswählen.

Aus der Fülle der Meldungen, die täglich über Ereignisse in aller Welt anfallen, muss - schon aus Platzgründen in der Zeitung und aus Zeitgründen bei Radio/Fernsehen - ohnehin ständig ausgewählt werden. Welche Ereignisse lohnen es, als Nachricht weitergegeben zu werden? Dazu gibt es bei den Profis Auswahlgesichtspunkte: Ist das Ereignis neu, steht es dem hiesigen Leser/Hörer/Seher nahe, besitzt es eine gewisse allgemeine Tragweite, ist es sensationell, dramatisch oder kurios, sind Prominente beteiligt, werden Gefühle angesprochen, kommt sex and crime ins Spiel, was sich immer gut verkaufen lässt? Danach entscheiden jeweils Journalistinnen und Journalisten, was weitergegeben wird und was nicht. Die Auswahl beginnt schon beim Reporter direkt vor Ort und setzt sich in der Nachrichtenagentur fort, wo die Ereignismeldungen gesammelt und dann an Zeitungen, Radio und Fernsehen weiterverkauft werden. In der einzelnen Zeitung, im einzelnen Fernsehsender entscheiden dann noch einmal Journalisten, was aus dem Angebot der Nachrichtenagenturen ausgewählt wird. Was schließlich in den Massenmedien erscheint, bildet also nicht die Wirklichkeit ab, sondern ist ein ausgewähltes, hergestelltes Bild von ihr. Journalistinnen und Journalisten haben es zusammengesetzt.

Auch Bilder im Fernsehen, die viele für besonders vertrauenswürdig halten, zeigen immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit, den nämlich, den ein Reporter ausgesucht hat. Dabei weiß jeder Journalist aus Erfahrung, dass "schlechte" Nachrichten beim Publikum besser ankommen als "gute". Die Schlagzeile "Alle Kernkraftwerke in Deutschland liefen gestern störungsfrei" erregt niemanden, das Gegenteil schon eher. So entsteht leicht der Eindruck, dass Massenmedien ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit produzieren, bei dem Negativnachrichten überwiegen. Weitere Vorwürfe: Zum Zwecke der Absatzförderung werden Skandale herbeigeredet, Hysterie verbreitet und dabei komplizierte Sachverhalte unzulässig vereinfacht.

Für eine seriöse Berichterstattung gelten zumindest zwei Grundsätze: 1. Der Journalist muss sorgfältig geprüft haben, ob das, was er als Nachricht weitergibt, überhaupt stimmt. 2. Der Journalist muss trennen zwischen der Nachricht und seiner Meinung dazu. Die Meinung gehört in einen getrennten Kommentar, aber die Meldung über ein Ereignis, auch wenn es dem Journalisten nicht passt, sollte so objektiv wie möglich erfolgen. Vor möglicher Manipulation seiner Meinung durch Massenmedien schützt sich übrigens derjenige am besten, der bei der Vielfalt der miteinander konkurrierenden Medienerzeugnisse nicht nur eines, sondern mehrere nutzt.


Quelle: Thurich, Eckart: pocket politik. Demokratie in Deutschland. überarb. Neuaufl. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2011.



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