Abrüstung

A. bezeichnet alle Maßnahmen, die geeignet sind, die vorhandenen militärischen Machtmittel (Soldaten, Waffen, Ausrüstung) zu kontrollieren (Rüstungskontrolle) und teilweise bzw. vollständig abzuschaffen (Abrüstung i. e. S.), um damit zur Verminderung der internationalen Kriegsgefahr bzw. zur Verhinderung militärischer Konflikte beizutragen. Obwohl es bereits früh, v. a. nach den Kriegen mit Massenvernichtungswaffen, umfangreiche A.-Bemühungen gab (z. B. die Haager Friedenskonferenzen 1899 und 1907, die Vereinbarungen der Völkerbundsatzung 1919, die A.-Konferenz des Völkerbundes 1932/34), konnten Phasen dramatischer Aufrüstung nicht verhindert werden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und mit der Entwicklung von Atomwaffen, welche die Selbstvernichtung der gesamten Menschheit befürchten ließen, wurden einige wichtige internationale und bilaterale Verträge abgeschlossen (z. B. die Atomteststoppabkommen 1963 und 1976, der Atomwaffensperrvertrag von 1970, das Verbot bakteriologischer und chemischer Waffen 1972), die allerdings die massive Aufrüstung während des sog. Kalten Krieges und der Ost-West-Auseinandersetzungen nicht hemmen konnten. In einer Serie von Verhandlungen zwischen NATO und Warschauer Pakt (z. B. den MBFR-Verhandlungen zur beiderseitig ausgewogenen Truppenreduzierung seit 1973) bzw. in bilateralen Verträgen (SALT I 1972) und Verhandlungen zwischen den USA und der UdSSR (z. B. zur Begrenzung bzw. Reduzierung der strategischen Atomwaffen SALT II seit 1973 und START seit 1982) wurde ebenfalls versucht, auf friedlichem Wege A.-Prozesse einzuleiten. In nennenswertem Umfang und mit Aussicht auf Dauerhaftigkeit wurden A.-Schritte erstmals im Zuge der ideologischen Öffnung und politisch-ökonomischen Transformation des ehemaligen Ostblocks möglich. Beginnend mit der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) 1973 in Helsinki und der Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen in Europa (KVAE) 1984 in Stockholm und weiteren KSZE-Nachfolgeverhandlungen wurden die Grundlagen für eine europäische Sicherheitsordnung gelegt. Nach dem Ende des Warschauer Paktes haben sich die A.-Bemühungen weitgehend auf die Bühne der Vereinten Nationen (UN) verlagert.

Siehe auch:
Haager Abkommen/Haager Konventionen
Völkerbund
Weltkrieg
bilateral/Bilateralismus
Vertrag
Atomwaffensperrvertrag
Verhandlung
NATO (Nordatlantikpakt)
Warschauer Pakt
Ostblock/Ostblockstaaten
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE)
Vereinte Nationen (UN)
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)

Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2018. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.



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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 35–37/2014)

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