Arbeitszeit

Arbeitszeitgesetz

allg. die Zeit, die für die – gegen Entgelt verrichtete – Tätigkeit zur Herstellung, zum Verkauf oder zum Vertrieb von Gütern und Dienstleistungen verwendet wird. I. e. S. wird Arbeitszeit oft nur auf die Erwerbstätigkeit abhängig Beschäftigter bezogen. Insofern lässt sich die Arbeitszeit definieren als diejenige Zeit, in der ein Arbeitnehmer aufgrund eines Arbeitsvertrags für einen Arbeitgeber gegen Bezahlung arbeitet, wobei diese Arbeit hinsichtlich ihrer täglichen, wöchentlichen und jährlichen Dauer, ihres täglichen Beginns und Endes, ihrer Unterbrechungen durch Pausen und Urlaub nach Maßgabe entsprechender gesetzlicher Schutzbestimmungen durch Arbeitsvertrag, Tarifvertrag und Betriebsvereinbarung geregelt ist. Bei Arbeitszeitregelungen hat der Betriebsrat ein erzwingbares Mitbestimmungsrecht. Einfluss auf die Lage der Arbeitszeit haben ferner die Regelungen zum Ladenschluss.

Grundlegende Arbeitsschutzbestimmungen enthalten das am 1. 7. 1994 in Kraft getretene Gesetz zur Vereinheitlichung und Flexibilisierung des Arbeitszeitrechts vom 6. 6. 1994 (Arbeitszeitrechtsgesetz, ArbZRG), das in ihm enthaltene Arbeitszeitgesetz (ArbZG) sowie das Mutterschutzgesetz, das Jugendschutzgesetz und das SGB IX.
Die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen zur Arbeitszeit legen folgende Mindeststandards fest:
Tägliche Arbeitszeit: Die tägliche Arbeitszeit darf werktäglich 8 Stunden nicht überschreiten (Pausen werden nicht mitgerechnet); eine Ausdehnung bis zu 10 Stunden ist möglich, wenn innerhalb eines Ausgleichszeitraums von 6 Monaten der werktägliche Durchschnitt von 8 Stunden nicht überschritten wird. Werktage sind auch die Samstage, das Gesetz legt also den Rahmen einer 48-Stunden-Woche fest. Tarifvertraglich kann auf einen Ausgleichszeitraum verzichtet werden, wenn werktäglich an höchstens 60 Tagen pro Jahr 10 Stunden gearbeitet wird.
Pausen: Ruhepausen müssen im Voraus festgelegt werden. Die Mindestdauer der Ruhepausen beträgt: bei einer Arbeitszeit zwischen 6 und 9 Stunden 30 Minuten, bei einer Arbeitszeit über 9 Stunden 45 Minuten. Die Ruhepausen können in Abschnitte von je 15 Minuten geteilt werden; Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen können in Schicht- und Verkehrsbetrieben Kurzpausen anderer Aufteilung vorsehen. Länger als 6 Stunden darf niemand ohne Pausen beschäftigt werden.
Ruhezeiten: Zwischen der Beendigung der täglichen Arbeit und der Aufnahme der folgenden müssen mindestens 11 Stunden Ruhezeit liegen. Die Ruhezeit ist um zwei Stunden abkürzbar, wenn die Art der Arbeit dies erfordert und die Kürzung innerhalb eines bestimmten Zeitraums ausgeglichen wird. In bestimmten Einrichtungen (Krankenhäusern, Gaststätten, Verkehrsbetrieben, Landwirtschaft) ist sie um bis zu eine Stunde verkürzbar, wenn innerhalb eines Monats ein Ausgleich erfolgt.


Das Arbeitszeitgesetz regelt den öffentlich-rechtlichen Arbeitsschutz; es gilt grundsätzlich für alle Arbeitnehmer in sämtlichen Beschäftigungszweigen. Es legt die gesetzliche Höchstarbeitszeit fest und regelt den Frauenarbeitsschutz nach dem Grundsatz der Gleichbehandlung von Frauen und Männern neu (Anpassung an EG-Richtlinien). Beschäftigungsverbote und -beschränkungen für Frauen wurden weitgehend aufgehoben und das Nachtarbeitsverbot für Arbeiterinnen wurde durch einheitliche Schutzvorschriften für alle Nachtarbeitnehmer ersetzt. Durch Anpassung der Vorschriften über die Arbeitsruhe an Sonn- und Feiertagen an die technische und soziale Entwicklung eröffnet das Gesetz neue Möglichkeiten für Sonn- und Feiertagsarbeit (Feiertage, Sonn- und Feiertagsruhe). Mindestens 15 Sonntage im Jahr müssen beschäftigungsfrei bleiben. Hinsichtlich der Pausen zwischen zwei Arbeitstagen, der Ruhezeit, bestimmt das ArbZG, dass diese mindestens elf Stunden betragen muss (im Gaststätten- und Beherbergungswesen u. a. Bereichen zehn Stunden, soweit ein Ausgleich in der gesetzlich vorgesehenen Art erfolgt). Bedeutung hat das ArbZG besonders in Bereichen, für die keine Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen existieren. Vom Geltungsbereich des ArbZG ausgenommen sind u. a. Seeschifffahrt (dort gelten jeweils besondere Arbeitszeitschutzgesetze), leitende Angestellte im Sinne des § 5 Abs. 3 Betriebsverfassungsgesetz und Leiter von öffentlichen Dienststellen.

Arten der Arbeitszeit : Nach dem Umfang der vertraglich zu erfüllenden Arbeitsstunden wird zwischen der Vollzeit- und der Teilzeitarbeit (Teilzeitbeschäftigung) unterschieden.

Überstunden sowie Kurzarbeit betreffen zwar auch die Dauer der Arbeitszeit , allerdings handelt es sich hier nicht um bestimmte Modelle zur Regelung der Arbeitszeit , sondern um Anpassungsreaktionen auf die Auftragslage des Unternehmens. Die Arbeitszeit hat die Form der Schichtarbeit, wenn die Arbeitszeit in täglich oder wöchentlich wechselnde Tagesabschnitte fällt. In den letzten Jahren hat sich die gleitende Arbeitszeit oder Gleitzeitarbeit durchgesetzt.


Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.



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