Fahrlässigkeit

leichte F., (normale F.);, grobe F., konkrete F., unbewusste F., bewusste F.

1) Zivilrecht: neben dem Vorsatz eine Form des Verschuldens. Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr (im Sinne von Interaktion) erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt (§ 276 BGB). Welche Sorgfalt erforderlich ist, bestimmt sich nach dem allgemeinen Verkehrsbedürfnis, insbesondere nach der konkreten Situation und nach den objektiven Fähigkeiten des betreffenden Verkehrskreises, z. B. der jeweiligen Berufs-, Alters- oder Bildungsgruppe des Handelnden (objektivierter Fahrlässigkeitsmaßstab). Man unterscheidet drei Grade von F.: leichte F. (normale F.); grobe F. (ungewöhnlich grobe Sorgfaltspflichtverletzung, deren Vermeidung jedem hätte einleuchten müssen); konkrete F. (Verletzung der in eigenen Angelegenheiten üblichen Sorgfalt, lateinisch Diligentia quam in suis). Im Allg. haftet der Schuldner sowohl für leichte als auch für grobe F. Im Gegensatz zur Haftung für Vorsatz kann die Haftung für F., häufig durch allgemeine Geschäftsbedingungen, vertraglich ausgeschlossen werden. – 2) Strafrecht: Der strafrechtliche Fahrlässigkeitsbegriff stellt sowohl auf die Person des Täters als auch auf ein objektives Maß ab. Danach handelt fahrlässig, wer die objektiv erforderliche und ihm auch persönlich mögliche und zumutbare Sorgfalt außer Acht lässt und deshalb pflichtwidrig nicht voraussieht, dass er das in einem strafrechtlichen Tatbestand geschützte Rechtsgut verletzen könnte (unbewusste F., Negligentia), oder, obwohl er dies voraussieht, pflichtwidrig darauf vertraut, dass der tatbestandsmäßige Erfolg nicht eintreten werde (bewusste F., Luxuria). In zahlreichen Fällen stellt das Gesetz auch auf Leichtfertigkeit ab (z. B. §§ 138 Abs. 3, 177 Abs. 3, 251, 345 Abs. 2 StGB); darunter ist grobe F. zu verstehen. Die grobe F. ist meist, aber nicht notwendigerweise, bewusste Fahrlässigkeit.

Die fahrlässige Begehungsweise ist nur dann strafrechtlich relevant, wenn das Gesetz fahrlässiges Handeln ausdrücklich mit Strafe bedroht (§ 15 StGB).


Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.



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