Hauptverhandlung

im Strafprozess wesentlicher Teil des Hauptverfahrens. Die H. gegen erwachsene Angeklagte ist öffentlich und mündlich. Sie findet in ununterbrochener körperlicher und geistiger (Schlafen ist ein absoluter Revisionsgrund) Gegenwart der Richter und Schöffen statt. Staatsanwalt, Verteidiger und Protokollführer dürfen wechseln (§§ 226, 227 StPO). Auch der Angeklagte muss grundsätzlich anwesend sein (§§ 230, 231 StPO). Doch gibt es von dieser Regel viele Ausnahmen (§§ 231 a ff., 247 StPO), z. B. die Entfernung des Angeklagten wegen ordnungswidrigen Benehmens oder zum Schutz eines Zeugen (Abwesenheit).

Die H. beginnt mit dem Aufruf der Sache, sodann wird der Angeklagte über seine persönlichen Verhältnisse vernommen; es folgen die Verlesung des Anklagesatzes (Anklageschrift) durch den Staatsanwalt, die Vernehmung des Angeklagten zur Sache sowie die Beweisaufnahme durch Vernehmung von Zeugen und Sachverständigen, Urkundenverlesungen und Augenscheinseinnahmen (§§ 243, 244 StPO). Die Leitung der Verhandlung, die Vernehmung des Angeklagten und die Beweisaufnahme werden von dem Vorsitzenden des Gerichts (§ 238 StPO) vorgenommen. Auf die Beweisaufnahme folgen die Schlussvorträge (Plädoyers) des Staatsanwalts und des Verteidigers; dem Angeklagten gebührt das letzte Wort (§ 258 StPO). Die H. schließt nach der geheimen Beratung und Abstimmung des Gerichts (§§ 192–197 Gerichtsverfassungsgesetz) mit der Verkündung des Urteils (§ 268 StPO), das auf dem Inbegriff der in der H. geschöpften Überzeugung des Gerichts beruht (Grundsatz der Unmittelbarkeit der H.). Eine Unterbrechung oder Aussetzung der H. ist nur eingeschränkt zulässig.

Die H. gegen jugendliche (14–17 Jahre) Angeklagte ist immer nicht öffentlich (§ 48 Jugendgerichtsgesetz, JGG). Die Vernehmung zur Person sollte i. d. R. bei jugendlichen und ihnen gleichgestellten heranwachsenden Tätern (18–21 Jahre: § 105 JGG) aus erzieherischen Gründen erst nach Klärung der Schuldfrage gegen Ende der H. stattfinden.


Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.



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