Jugendstrafe

Schädliche Neigungen, Schwere der Schuld

die gegenüber Jugendlichen oder Heranwachsenden verhängte, erzieherisch ausgestaltete Freiheitsentziehung in besonderen Jugendstrafanstalten. Sie ist die einzige Kriminalstrafe des Jugendstrafrechts (§§ 17 ff. Jugendgerichtsgesetz, JGG) und wird nur in den Fällen verhängt, in denen beim Angeklagten sogenannte schädliche Neigungen zu erkennen sind oder wegen der Schwere der Schuld Erziehungsmaßregeln und Zuchtmittel zur Erziehung nicht ausreichen. Schädliche Neigungen werden definiert als Mängel, die ohne längere Gesamterziehung die Gefahr der Begehung weiterer solcher Straftaten in sich bergen, die nicht nur gemeinlästig sind oder den Charakter von Bagatelltaten haben. Dieser Begriff wird weithin als zu unbestimmt und pädagogisch kontraproduktiv bezeichnet. Die Schwere der Schuld ist bei jüngeren Tätern primär aus den subjektiven und persönlichkeitsbegründenden Beziehungen des Täters zu seiner Tat und weniger aus deren äußerer Schwere (Tatfolgen) zu entnehmen. Die J. wird in das Strafregister eingetragen. Das Mindestmaß beträgt sechs Monate, das Höchstmaß fünf, bei schweren Verbrechen zehn Jahre.

J. bis zu einer Dauer von zwei Jahren setzt das Gericht zur Bewährung aus, wenn zu erwarten steht, dass sich der Täter schon die Verurteilung zur Warnung dienen lässt. Die Bewährungszeit (mindestens zwei, höchstens drei Jahre; spätere Verkürzung auf ein Jahr bzw. Verlängerung auf vier Jahre möglich) bestimmt das Gericht; dieses soll dem Jugendlichen (Heranwachsenden) erzieherisch wirkende Auflagen (Bewährungsauflagen) für die Dauer der Bewährungszeit machen. Im Gegensatz zum Erwachsenenstrafrecht hat der Richter für den Verurteilten immer einen Bewährungshelfer zu bestellen. Das Gericht kann von der Verhängung einer J. überhaupt absehen, wenn trotz erwiesener und im Urteil festgestellter Schuld des Jugendlichen (Heranwachsenden) nicht mit Sicherheit beurteilt werden kann, ob dessen schädliche Neigungen eine J. erforderlich machen oder mildere Mittel ausreichen (sogenannter Schuldspruch nach § 27 JGG); in diesem Falle setzt es die Entscheidung über die Verhängung der J. für eine von ihm zu bestimmende Bewährungszeit (bis zu zwei Jahren) aus. Ergibt sich während dieser Zeit, dass aufgrund schädlicher Neigungen eine J. unverzichtbar ist, so wird diese in einer neuen Hauptverhandlung verhängt; andernfalls wird der ursprüngliche Schuldspruch getilgt. Ebenfalls häufig anzutreffen ist die sogenannte Vorbewährung nach § 57 JGG, bei der die Entscheidung über die Strafaussetzung zur Bewährung nicht im Urteil ergeht, sondern einem späteren Beschluss vorbehalten bleibt. In der Zwischenzeit hat der Verurteilte Gelegenheit, sich durch Wohlverhalten und durch Erfüllung von Auflagen und Weisungen die Strafaussetzung zu verdienen.


Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.



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