Kinder- und Jugendhilfe

Bezeichnung für die staatlichen und sonstigen öffentlichen Maßnahmen zur sozialen Förderung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Am 1. 1. 1991 hat das Gesetz zur Neuordnung des Kinder- und Jugendhilferechts vom 26. 7. 1990 (Kurzbezeichnung Kinder- und Jugendhilfegesetz) das Jugendwohlfahrtsgesetz von 1922 abgelöst. Es ist als 8. Buch in das Sozialgesetzbuch (SGB VIII, Neufassung vom 14. 12. 2006) eingearbeitet und bildet die Rechtsgrundlage für die Tätigkeit der Jugendämter und Landesjugendämter sowie für deren Zusammenarbeit mit den Verbänden und nicht staatlichen Organisationen (Träger der freien Jugendhilfe).

Zentrales Anliegen des Gesetzes ist es, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung umfassend zu fördern und jungen Erwachsenen bei der Stärkung von Eigenverantwortlichkeit und Selbstständigkeit zu helfen. Leistungen der Jugendhilfe sollen die Erziehung in der Familie unterstützen und ergänzen. Mit einem präventiven Angebot soll Kindern, Jugendlichen und Eltern nicht nur dann geholfen werden, wenn die Erziehung in der Familie ernsthaft gefährdet ist, sondern fachlich kompetente Beratungsangebote sollen schon vor dem Notfall gegeben werden.

Hauptansatz des Kinder- und Jugendhilferechts ist die rechtliche Fixierung eines neuen Verständnisses von Jugendhilfe. Dabei orientiert sich das differenzierte Leistungs- und Aufgabenspektrum an den unterschiedlichen Lebens- und Erziehungssituationen von Kindern, Jugendlichen und Eltern. K.- u. J. wird als eine präventiv angelegte, von den Hilfesuchenden gewünschte und mitgestaltete soziale Dienstleistung verstanden. Das Kinder- und Jugendhilferecht umfasst differenzierte Leistungen für die Jugend- und Jugendsozialarbeit, den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz, die Förderung der Erziehung in der Familie, die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen ( Rechtsanspruch auf Tagesstättenplatz ab 1. 8. 2013; Erziehungshilfen). Den klassischen Erziehungshilfen – Unterbringung im Heim oder in einer Pflegefamilie – werden gleichrangig ambulante und teilstationäre Hilfen zur Seite gestellt. Eingriffe in die Familie treten in den Hintergrund. Die Autonomie der Hilfesuchenden soll gestärkt, ihre eigenständigen Möglichkeiten zur Hilfe und Selbsthilfe sollen aktiviert werden. Andere Aufgaben der K.- u. J. sind die Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen in Notfällen, die Mitwirkung in Verfahren vor dem Vormundschafts- und Familiengericht sowie vor dem Jugendgericht, Beratung und Unterstützung von Pflegern und Vormündern.

Neben den sozialpädagogischen Innovationen bestätigt das Kinder- und Jugendhilferecht Grundprinzipien deutscher Jugendhilfe: Diese gehört wie auch die Sozialhilfe traditionell zu den Aufgaben kommunaler Selbstverwaltung. Das bedeutet, auf der »öffentlichen« Seite werden die Aufgaben der K.- u. J. hauptsächlich von den Jugendämtern bei den Kreisen und kreisfreien Städten wahrgenommen. Planende und koordinierende Funktionen kommen den Landesjugendämtern zu. Des Weiteren soll durch das Gesetz die partnerschaftliche Zusammenarbeit von öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe gestärkt werden. Die Träger der freien Jugendhilfe sind breit gestreut, von zahlreichen örtlichen Selbsthilfegruppen über die Vereine bis hin zu den Kirchen und bundesweit organisierten Jugend- und Wohlfahrtsverbänden.


Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.



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