Menschenhandel

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung oder die Verfügungsfreiheit einer Person über Einsatz und Verwertung ihrer Arbeitskraft und über ihr Vermögen.

Durch das 37. Strafrechtsänderungsgesetz vom 11. 2. 2005 wurde die Strafbarkeit des Menschenhandels neu geregelt. Das Gesetz unterscheidet zwischen dem Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung (§ 232 StGB) und dem Menschenhandel zum Zwecke der Ausbeutung der Arbeitskraft (§ 233 StGB). Für beide Tatbestände gilt verfolgungserleichternd das Weltrechtsprinzip des § 6 Abs. 4 StGB.

Nach § 232 Abs. 1 macht sich strafbar, wer eine andere Person unter Ausnutzung einer Zwangslage oder ihrer Hilflosigkeit, die mit ihrem Aufenthalt in einem fremden Land verbunden ist, dazu bringt, der Prostitution nachzugehen oder sexuelle Handlungen, durch die sie ausgebeutet wird, vorzunehmen oder an sich vornehmen zu lassen. Erfasst werden zudem Handlungen im Rahmen sogenannter Peepshows und ähnlicher Veranstaltungen sowie die menschenverachtende Vermarktung im Heiratshandel. Die Tat wird als Verbrechen mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren geahndet, wenn das Opfer der Tat ein Kind ist, das Opfer schwer misshandelt oder in Todesgefahr gebracht wird oder wenn der Täter gewerbs- oder bandenmäßig handelt.

Nach § 233 Abs. 1 macht sich strafbar, wer eine andere Person unter Ausnutzung ihrer Zwangslage oder Hilflosigkeit, die mit ihrem Aufenthalt in einem fremden Land verbunden ist, in Leibeigenschaft, Sklaverei, Schuldknechtschaft oder in ausbeuterische Beschäftigung bringt. Auch hier sieht der Grundtatbestand Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren vor.


Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.




 

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