Sexualdelikte

Sittlichkeitsdelikte

die im 13. Abschnitt des StGB (§§ 174–184g) behandelten Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Geschütztes Rechtsgut ist nicht mehr die allg. Sittlichkeit, sondern die Freiheit der Entscheidung über die geschlechtliche Betätigung sowie die ungestörte sexuelle Entwicklung junger Menschen und der Schutz vor schwerwiegenden sexuellen Belästigungen.

Wesentliche Veränderungen in diesem Bereich des Strafrechts erfolgten durch das 33. Strafrechtsänderungsgesetz vom 1. 7. 1997, durch das die Tatbestände der sexuellen Gewaltkriminalität (Vergewaltigung) von Grund auf reformiert wurden. Ferner hat das Gesetz zur Bekämpfung von S. und anderen gefährlichen Straftaten vom 26. 1. 1998 den Schutz der Kinder vor S. und vor Rückfalltätern verbessert. Hierzu sieht es u. a. vor: die stärkere Berücksichtigung des Sicherheitsinteresses der Allgemeinheit bei der Entscheidung über die Strafaussetzung zur Bewährung, die Anordnung der Sicherungsverwahrung unter bestimmten Voraussetzungen bereits nach der ersten Wiederholungstat, die verstärkte Nutzung von therapeutischen Mitteln, die Verlängerung von Tilgungsfristen im Bundeszentralregister. Ferner wurden u. a. die Strafrahmen bei verschiedenen S. erhöht.

Mit Strafe sind v. a. bedroht: sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen (§ 174), Gefangenen, Kranken und Hilfsbedürftigen in Einrichtungen (§ 174 a), unter Ausnutzung einer Amtsstellung (§ 174 b) sowie eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses (§ 174 c), sexueller Missbrauch von Kindern (§§ 176, 176 a, b), sexuelle Nötigung, Vergewaltigung (§§ 177 f.), sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen (§ 179), Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger (§ 180), Ausbeutung von Prostituierten (§ 180 a), Zuhälterei (§ 181 a), sexueller Missbrauch von Jugendlichen (§ 182), exhibitionistische Handlungen (§ 183), Erregung öffentlichen Ärgernisses (§ 183 a), Verbreitung, Erwerb und Besitz tier-, kinder- und jugendpornografischer Schriften und Darbietungen (§§ 184a–d) sowie die Ausübung verbotener oder jugendgefährdender Prostitution (§§ 184 e, f).


Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.




 

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