Unfallversicherung

gesetzliche Unfallversicherung, Pflegegeld, Verletztengeld, berufsfördernden Leistungen zur Rehabilitation, Leistungen zur sozialen Rehabilitation, (Verletztenrente).

Unfallversicherung: Was ist ein Wegeunfall?
Ein Unfall auf dem Weg zur Arbeit oder von der Arbeit nach Hause wird als Wegeunfall bezeichnet, für den die gesetzliche Unfallversicherung grundsätzlich einsteht.
Streitigkeiten kommen immer dann auf, wenn ein verunglückter Arbeitnehmer von der Route abgewichen ist oder den Weg unterbrochen hat. Für die Anerkennung eines Wegeunfalls gibt es eine Reihe von Rahmenbedingungen. So ist eine Unterbrechung für private Zwecke gestattet, sofern der Halt nicht länger als drei Minuten dauert: Ein Stopp an einem Kiosk oder an einem Zigarettenautomaten ist also möglich. Wird die Zeitgrenze überschritten, so erkennt die Versicherung den Unfall weder als Wege- noch als Arbeitsunfall an. Bei einem Umweg, der in Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht, also etwa der Beschaffung von Arbeitsmaterialien, Ausrüstung oder auf Anordnung des Arbeitgebers, bleibt der Versicherungsschutz ebenso erhalten wie beim Abholen von Kollegen zur Bildung einer Fahrgemeinschaft.

UnfallversicherungUnfallversicherung
Zweig der Sozialversicherung mit der Aufgabe, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten sowie arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten, nach einer Schädigung die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Versicherten wiederherzustellen (Rehabilitation), ihn bzw. seine Hinterbliebenen finanziell zu entschädigen. Rechtliche Grundlage ist das SGB VII vom 7. 8. 1996.

Träger der U. sind die gewerblichen und landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften zuzüglich der See-Berufsgenossenschaft, der Bund, die Eisenbahn-Unfallkasse, die Unfallkasse Post und Telekom, die Unfallkassen der Länder, Gemeinde-Unfallversicherungsverbände und Unfallkassen der Gemeinden, die Feuerwehr-Unfallkassen, die gemeinsamen Unfallkassen für den Landes- und den kommunalen Bereich. Kraft Gesetzes versichert sind nach § 2 SGB VII alle aufgrund eines Arbeits-, Dienst- oder Ausbildungsverhältnisses Beschäftigten, landwirtschaftliche Unternehmer, Studenten, Schüler, Kinder in Kindergärten u. a.

Leistungen der U. werden gewährt, wenn ein Schaden durch Arbeitsunfall oder einen Wegeunfall entstanden ist bzw. eine Berufskrankheit vorliegt; sie werden unterteilt in Heilbehandlung einschließlich Leistungen der medizinischen Rehabilitation, in berufsfördernde, soziale und ergänzende Leistungen zur Rehabilitation, Leistungen bei Pflegebedürftigkeit sowie Geldleistungen. Leistungen zur Heilbehandlung und zur Rehabilitation haben Vorrang vor Rente. Bei Hilflosigkeit des Verletzten wird Pflegegeld gezahlt, eine Pflegekraft gestellt oder Heimpflege gewährt. Verletztengeld wird insbesondere erbracht, wenn der Versicherte infolge eines Versicherungsfalls arbeitsunfähig ist (Arbeitsunfähigkeit im Sinne der Krankenversicherung) oder wegen der Heilbehandlung keine ganztägige Erwerbstätigkeit ausüben kann und unmittelbar vor der Arbeitsunfähigkeit oder der Heilbehandlung Anspruch auf Arbeitsentgelt, Krankengeld, Arbeitslosengeld u. a. hatte (§ 45 SGB VII). Berechnet wird das Verletztengeld ähnlich wie das Krankengeld.

Die berufsfördernden Leistungen zur Rehabilitation (§§ 35 SGB VII i. V. m. 26 ff. SGB IX) umfassen Maßnahmen zur Wiedergewinnung der Fähigkeit, den bisherigen Beruf weiter auszuüben, ggf. die Ausbildung für einen anderen Beruf sowie Hilfe zur Erlangung einer neuen Arbeitsstelle. Während der berufsfördernden Leistungen nach § 33 ff. SGB IX erhält der Versicherte Übergangsgeld. Leistungen zur sozialen Rehabilitation umfassen Kfz-Hilfe, Wohnungshilfe, Beratung und Betreuung, Haushaltshilfe, Reisekosten u. a. (§§ 39 ff. SGB VII). Die wichtigste Form der Entschädigungsleistungen ist die Rente (Verletztenrente). Sie beträgt jährlich zwei Drittel des Jahresarbeitsverdienstes, wenn der Verletzte seine Erwerbsfähigkeit verloren hat (Vollrente). Daneben gibt es die Teilrente, die gemäß dem Grad der Erwerbsminderung die Vollrente reduziert.

Bei Tod durch Arbeitsunfall oder Berufskrankheit haben Hinterbliebene (u. U. auch Eltern) Anspruch auf Sterbegeld, Erstattung der Überführungskosten, Hinterbliebenenrenten (§§ 63 ff. SGB VII), Beihilfe und Waisenrente. Die Witwen- und die Witwerrente beträgt grundsätzlich jährlich 30 % des Jahresarbeitsverdienstes. Sie erhöht sich auf 40 %, wenn die Witwe bzw. der Witwer mindestens 47 Jahre alt ist oder mindestens ein waisenrentenberechtigtes Kind erzieht oder berufs- oder erwerbsunfähig ist. Die Waisenrente beträgt jährlich 20 %, bei Vollwaisen 30 % des Jahresarbeitsverdienstes. Sie wird bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, in besonderen Fällen (z. B. bei Schul- oder Berufsausbildung) bis zum vollendeten 27. Lebensjahr gewährt.

Finanzierung: Die U. wird im Umlageverfahren durch Arbeitgeberbeiträge finanziert.


Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.



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