Einheitswert

ein steuerlicher Wert, der einheitlich bei mehreren Steuern als Bemessungsgrundlage dient (v. a. bei der Grundsteuer) und der von den Finanzämtern gesondert festgesetzt und dem Steuerpflichtigen durch Einheitswertbescheid mitgeteilt wird. Einheitswerte werden nach den Bewertungsmaßstäben des Bewertungsgesetzes (BewG) für Grundbesitz (d. h. land- und forstwirtschaftliche Betriebe, Grundstücke und Betriebsgrundstücke) im Bedarfsfall festgestellt, andernfalls im Abstand von je 6 Jahren (§ 21 BewG). Das Finanzamt übersendet ein entsprechendes Formular zur Angabe zum Grundstück. Je nach Art des Grundstücks und ggf. darauf errichteter Gebäudeform kommen verschiedene Verfahrensansätze zum Tragen. Bei bebauten Grundstücken erfolgt die Bewertung nach dem Ertragswertverfahren. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern wird das sog. Sachwertverfahren zugrunde gelegt.

Für Zwecke der Erbschaftsteuer erfolgt die Ermittlung des Wertes von Grundbesitz nach gesonderten Regeln (§§ 138 ff. BewG): a) Bei unbebauten Grundstücken werden die Bodenrichtwerte zugrunde gelegt, die von den Gutachterausschüssen der Gemeinden und Kreise zum 1. 1. 1996 ermittelt wurden; diese Werte werden pauschal um 20 % gekürzt. b) Der Wert bebauter Grundstücke wird grundsätzlich in einem Ertragswertverfahren berechnet: Anzusetzen ist das 12,5-Fache der im Durchschnitt der letzten drei Jahre erzielten Jahresnettokaltmiete. Wird das Grundstück selbst genutzt oder an Angehörige vermietet, tritt an die Stelle der tatsächlichen die übliche Miete vergleichbarer Grundstücke. Für jedes Jahr seit Bezugsfertigkeit ist eine Alterswertminderung von 0,5 % (höchstens 25 %) abzuziehen. Bei Wohnungsgrundstücken mit maximal zwei Wohnungen wird das 1,2-Fache des Ertragswerts angesetzt. Mindestens ist als Grundstückswert der Wert anzusetzen, den das Grundstück als unbebautes Grundstück hätte.

Für land- und forstwirtschaftliche Betriebe gilt ein vereinfachtes Ertragswertverfahren. Neue Grundbesitzwerte werden im Gegensatz zur alten Einheitsbewertung nicht flächendeckend festgestellt, sondern nur dann, wenn sie in einem Erbschaftsteuerfall benötigt werden (sogenannte Bedarfsbewertung).


Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.



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