Deutschland in Daten - Zeitreihen zur Historischen Statistik.

Aufbau und Inhalt


28.1.2016
Alles in allem wurden im Rahmen der Publikation 120 Tabellen mit insgesamt 1 073 Zeitreihen zu 22 verschiedenen Themen für Deutschland in den verschiedenen Grenzen von frühestens 1834, der Gründung des Zollvereins, bis spätestens 2012 zusammengestellt.

Deutschland: Gebietsveränderungen.Deutschland: Gebietsveränderungen. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Für alle Themen wurde ein einheitliches formales Schema vorgegeben: Es sollten nach Möglichkeit pro Kapitel rund 50 Zeitreihen, gebündelt in vier bis sechs Tabellen, zusammengestellt werden, die die statistische Grundlage für das jeweilige Thema bilden. Ausgewählte Reihen daraus werden, teilweise einzeln, teilweise in Kombination mit anderen, grafisch dargestellt. Der Anhang jedes Kapitels gibt einen kompakten Überblick über die Datengrundlage, schließlich werden Hinweise zu weiterführender Literatur gegeben. Inhaltlich war angesichts der Fülle des vorhandenen Materials eine konzeptionelle Einschränkung geboten. Um das Unterfangen bei endlichen Ressourcen handhabbar zu machen, beschränkten sich die Bemühungen auf die Zusammenstellung 1. publizierter Daten und 2. ohne regionale Differenzierung. Dabei sollten verstreut vorhandene historische Zeitreihen identifiziert, zusammengestellt und bei vertretbarem Aufwand ergänzt bzw. aktualisiert werden. Es sollten die "bestmöglichen" bzw. "wichtigsten" Zeitreihen für Deutschland zusammengestellt werden, und zwar nur solche, für die zumindest theoretisch für den gesamten Zeitraum von 1834 bis 2012 Werte vorhanden sein können.

Nun muss man sich zu Recht fragen, ob es bei allen Veränderungen, die Deutschland in den vergangenen 180 Jahren kennzeichnen, überhaupt eine "Identität des Erkenntnisobjektes" [1] gab. Besonders deutlich wird dies angesichts der vier Jahrzehnte währenden Teilung Deutschlands in zwei souveräne Staaten. Die Frage, wie die DDR im Rahmen einer Historischen Statistik von Deutschland zu behandeln ist, führt zu einem Dilemma. Nun, da sie für eine derartige Publikation ja erstmals "Geschichte ist", muss man sich diese Frage aber stellen. Sowohl ihr Vorhandensein als paralleler Staat mit einem völlig unterschiedlichen politischen System als auch ihr Fehlen in einer Sicht, die die Bundesrepublik als die eigentliche Traditionslinie einer "deutschen" Wirtschafts- und Sozialgeschichte sieht, müssen in geeigneter Form berücksichtigt werden. Insbesondere den einzelnen Autoren oblag es, für ihr Thema zu beurteilen, inwieweit sich die Statistik der DDR in das Gefüge einer Historischen Statistik von Deutschland sinnvoll eingliedern lässt, oder ob es hier noch weiterer Forschung bedarf und diese einer eventuellen Neuauflage vorbehalten bleibt. Ziel sollte es aber nicht sein, eigene DDR-Statistiken zu präsentieren, sondern zu den vorhandenen Reihen zusätzlich passende DDR-Daten bereitzustellen. Da hier erstmals der Versuch unternommen wird, diese Statistiken in lange Reihen einzugliedern, wurde dem Band ein Querschnittskapitel zur DDR-Statistik vorangestellt.

Dabei war die deutsche Teilung nicht die einzige gravierende Gebietsveränderung im Beobachtungszeitraum. Die Größenordnungen zeigen sich bereits bei Betrachtung der grundlegendsten Statistik überhaupt, der Bevölkerungszahl: 1834 lebten auf dem Gebiet des Deutschen Zollvereins etwa 23,8 Millionen Menschen.[2] Allein durch die Gebietserweiterungen bis 1866 kamen 4,6 Millionen hinzu. 1866 lebten auf dem Gebiet des Zollvereins bereits 31,4 Millionen und im Jahr der Reichsgründung 1871 war dort die Bevölkerung auf 37,3 Millionen gewachsen. Durch die Gebietserweiterungen im Zuge der Reichsgründung wuchs die Bevölkerung um weitere 10 Prozent, auf insgesamt 41 Millionen. Das Ergebnis des Ersten Weltkrieges war, dass – neben etwa 3 Millionen getöteten Soldaten, Zivilistinnen und Zivilisten – Gebiete mit 7 Millionen Menschen nun nicht mehr zu Deutschland gehörten. Aus diesen Gebieten migrierten in den Folgejahren rund eine Million Personen in das Reich. Trotz eines kontinuierlichen natürlichen Bevölkerungszuwachses (zwischen 1834 und 1913 jährlich etwa 1,2 Prozent im Durchschnitt) verringerte sich die deutsche Bevölkerung durch Krieg und Gebietsverlust von 67,8 Millionen im Jahr 1914 auf 62,9 Millionen im Jahr 1919 (Rückgang um 7,2 Prozent). Der Zweite Weltkrieg hatte noch schwerwiegendere Auswirkungen auf Gebietsgröße und Bevölkerungszahl. 7 Millionen Deutsche – Soldaten, Zivilistinnen und Zivilisten – starben. Im Osten musste Deutschland Gebiete abtreten, in denen bei Kriegsbeginn 1939 etwa 9,6 Millionen Menschen gelebt hatten. Während die Bevölkerung Deutschlands im Reich 1937 67,8 Millionen Menschen zählte, verteilte sie sich 1946 auf 18,1 Millionen Menschen in der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR und 45,3 Millionen Personen auf dem Gebiet der späteren Bundesrepublik.

Es gibt kein Patentrezept, wie mit diesen Schwierigkeiten generell umzugehen ist. Um der Besonderheit der territorialen und politischen Veränderungen zunächst einmal formal Rechnung zu tragen (inhaltlich stand den Autoren ihre Gewichtung weitgehend frei), wurden die Daten in vier große Bereiche untergliedert. In jeder Tabelle werden vier politische/geografische Einheiten unterschieden, für die Werte aufgenommen wurden:

A Zollverein/Deutsches Reich (1834 –1945)
B Bundesrepublik Deutschland (1949 –1989)
C DDR (1949 –1989)
D Deutschland seit der Wiedervereinigung (ab 1990)

Die Angaben der Jahreszahlen sind dabei nur als Orientierung zu verstehen. Es ist durchaus möglich, dass Reihen etwa für das Gebiet der alten Bundesrepublik oder die neuen Bundesländer nach 1990 fortgeschrieben werden oder gesamtdeutsche Daten vor 1990 vorlagen bzw. rekonstruiert wurden. Konstituierend für den Aufbau der Tabellen ist, dass für die vier Gebietseinheiten stets dieselben "Variablen" verwendet wurden. Es gibt also keine Änderungen in den Bezeichnungen für die einzelnen Abschnitte von 1834 bis 2012. Im Rahmen dieser Publikation wurden ausschließlich solche Zeitreihen aufgenommen bzw. zusammengestellt, bei denen eine durchgehende Bezeichnung zu rechtfertigen war. Für jede Reihe wurden, soweit möglich, Werte für jedes Jahr erhoben. Um den Band nicht zu überfrachten, wurden in den Tabellen aber nur ausgewählte Jahre wiedergegeben. Die Auswahl der Jahre oblag dabei den jeweiligen Autoren. Bei den grafischen Darstellungen wurden alle vorhandenen Werte der abgebildeten Reihen berücksichtigt.

Für eine nicht unerhebliche Anzahl von Zeitreihen konnten Zahlen für die DDR Aufnahme finden. Zu der hier verwendeten "gesamtdeutschen" Sicht inkompatible Statistiken für die DDR wurden nur in besonderen Ausnahmefällen berücksichtigt und aufgenommen, wenn es dennoch konzeptionell geboten schien. Dies war der Fall bei der Sozialversicherung, den Berufstätigen in der Industrie, beim Tourismus, im Handwerk und in der Bauwirtschaft sowie bei der Zahlungsbilanz.

Ebenso oblag es den Autoren zu entscheiden, ob im jeweiligen Zusammenhang nominale oder reale Preisangaben sowie absolute oder relative Größen ("pro Kopf") sinnvoll waren. Welche Daten wurden konkret verwendet? Grundlage war zunächst die Publikation "Bevölkerung und Wirtschaft" des Statistischen Bundesamtes.[3] Diese basiert überwiegend auf den Ergebnissen amtlicher Erhebungen, die aus den offiziellen Publikationen des Statistischen Reichs- und Bundesamtes (Jahrbücher, Fachserien) zusammengetragen wurden, bei einzelnen Themen ergänzt um Statistiken weiterer amtlicher oder "quasiamtlicher" Stellen. Da deren Erscheinen über vier Jahrzehnte zurückliegt und verschiedene Themen gar nicht behandelt wurden (z.B. Umwelt, Kultur, Freizeit, Sport) bzw. mehrere Themen nur mit sehr kurzen Zeitreihen Aufnahme fanden, bestand der erste Schritt darin, aus diesem Bestand Reihen auszuwählen, zu verlängern, gegebenenfalls um Daten zur DDR zu ergänzen und zu überlegen, welche weiteren Reihen und Themen hinzugefügt werden können. Insgesamt wurde in 12 der 22 Kapitel in unterschiedlichem Umfang Gebrauch von "Bevölkerung und Wirtschaft" gemacht. Ergänzend wurden rund 500 weitere Fachserien, Sonderpublikationen und Jahrbücher der Statistischen Ämter sowie verschiedener weiterer Behörden, Vereine und Verbände verwendet. Eine große Hilfe war dabei die Zeitreihen-Datenbank "histat", die in vielen Fällen Ausgangspunkt für weitere Recherchen war. Weil es trotz aller Kritik am Werk von Walther G. Hoffmann bislang für die von ihm bearbeitete Periode (1850 –1959) oder zumindest von Teilperioden davon keine Alternative gibt, wurden in 8 Kapiteln dessen Daten verwendet, und zwar in den Kapiteln Arbeit und Einkommen, Bauen und Wohnen, Finanzen und Steuern, Geld und Kredit, Handel, Landwirtschaft, Preise sowie Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen. Die "Datenhandbücher zur Bildungsgeschichte" sowie die "Quellen und Forschungen zur historischen Statistik" wurden bei der Aufnahme systematisch berücksichtigt. Auf die Daten von Flora wurde mit einer Ausnahme nicht zurückgegriffen. Die restlichen Daten entstammen mehreren Dutzend Spezialpublikationen, ganz überwiegend neueren Datums.

Nahezu alle Reihen weisen Daten für die (alte) Bundesrepublik auf, 80 Prozent der Reihen Daten für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, gut die Hälfte Daten für das 19. Jahrhundert, letztere freilich mit Lücken und/oder erst gegen Ende des Jahrhunderts einsetzend. Immerhin 110 Reihen beginnen vor der Mitte des 19. Jahrhunderts. Für rund ein Drittel der Reihen (mit Unterschieden in den Kapiteln) konnten auch DDR-Daten erhoben werden.


Fußnoten

1.
Knut Borchardt: Trend, Zyklus, Strukturbrüche, Zufälle: Was bestimmt die deutsche Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts?, in: ders.: Wachstum, Krisen, Handlungsspielräume der Wirtschaftspolitik. Studien zur Wirtschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 50), Göttingen 1982, S. 100 –124, hier 101.
2.
Die Zahlen zur Bevölkerung in Kapitel 2 sind für die Zeit vor 1871 auf das spätere Reichsgebiet hochgerechnet.
3.
Statistisches Bundesamt (Anm. 21).
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