Deutschland in Daten - Zeitreihen zur Historischen Statistik.

Die DDR-Statistik: Probleme und Besonderheiten

Die Eröffnung des X. Parteitags der SED in Berlin. Die staatssozialistische Partei gibt einen neuen Fünfjahresplan für die DDR-Wirtschaft aus - statistische Zahlen sollen diese Direktive stützen.Die Eröffnung des X. Parteitags der SED in Berlin. Die staatssozialistische Partei gibt einen neuen Fünfjahresplan für die DDR-Wirtschaft aus - statistische Zahlen sollen diese Direktive stützen. (© picture-alliance/dpa)

André Steiner



Für eine Zusammenstellung langfristiger Zeitreihen zur deutschen Geschichte von der Mitte des 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts wirft die Statistik der DDR spezielle Probleme auf. Diese resultieren zum einen aus dem Charakter des ostdeutschen Staates als Diktatur, in der die Ergebnisse der Statistik in besonderem Maße zur politischen Legitimation eingesetzt wurden. Dergleichen ist zwar auch unter den Bedingungen der parlamentarischen Demokratie üblich, aber in einer Diktatur stehen andere und mehr Möglichkeiten zur Verfügung, die statistischen Angaben in die politisch erwünschte Richtung zu manipulieren. Insofern treten ähnliche Probleme wie bei der Nutzung der Statistik für die Zeit des Nationalsozialismus auf. Zum anderen sind grundlegende Schwierigkeiten bei der Verwendung der DDR-Statistik darauf zurückzuführen, dass dort – anders als im Nationalsozialismus – eine zentralistische, direktive Planwirtschaft etabliert wurde, die mit dem Anspruch antrat, eine Alternative zur Marktwirtschaft zu bilden. Anders als in letzterer dient die Statistik in der Planwirtschaft mehr der Aufgabe, Informationen für die angestrebte vorausschauende Lenkung, aber auch die Kontrolle und Bewertung der Leistungen der nachgeordneten Struktureinheiten zu liefern. Daraus resultierte wiederum ein Interesse aller beteiligten Institutionen, die weitergegebenen Informationen entsprechend ihrer jeweiligen Interessen zu "gestalten“. Darüber hinaus beschränkte sich der Lenkungsanspruch der herrschenden Partei SED nicht auf die Wirtschaft, sondern bezog sich auf die gesamte Gesellschaft, sodass dieses "Gestaltungsproblem“ überall auftrat. Dieser Hintergrund hat entsprechende Konsequenzen für die Aussagekraft der in der DDR aufgestellten Statistiken.

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