Deutschland in Daten - Zeitreihen zur Historischen Statistik.
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Datengrundlage


28.1.2016
Seit Beginn der 1950er-Jahre erhebt der Deutsche Wetterdienst Klimadaten. Sein Netzwerk gehört in dieser Form zu den größten weltweit.

Die beste Datengrundlage für historische Wetter- und Klimadaten in Deutschland liefert der Deutsche Wetterdienst (DWD), der seit 1952 als Bundesoberbehörde mit der gesetzlichen Aufgabe einer möglichst flächendeckenden Gewinnung von meteorologischen Daten beauftragt ist. Das Datengewinnungsnetzwerk des DWD zählt dabei zu den größten weltweit und alle Daten unterliegen einer mehrstufigen Kontrolle, was eine optimale Qualitätssicherung ermöglicht. Neben diesen allgemeinen Klimadaten erhebt der DWD auch einige spezielle Klimadaten. Zu diesen zählt die Erhebung der sogenannten phänologischen Daten. Systematische phänologische Beobachtungen aus den Jahren vor 1951 sind – soweit nicht in den Kriegsjahren verlorengegangen – derzeit nur in Papierform archiviert und liegen somit noch nicht aufbereitet vor. Dennoch gibt es durchgehende phänologische Datenreihen einzelner Standorte, wobei die bedeutendste Langzeitreihe die des Standorts Geisenheim (Hessen) ist, die lückenlos seit 1896 vorliegt. Forschungsarbeiten aus dem Bereich der historischen Klimatologie nutzen darüber hinaus Quellen, die noch wesentlich weiter zurückgehen. Hier kann beispielsweise die Dendrochronologie (Lehre der Baumringe) entscheidende Informationen über frühere Klimaveränderungen und Extremereignisse wie Fluten oder Dürren liefern.[1] Jahrelange Forschungsarbeiten in der historischen Klimatologie haben zum Aufbau umfangreicher Klimadatensammlungen geführt, die inzwischen durch die Universität Freiburg in Form der datenbankgestützten Infrastruktur "Tambora" (the climate and environmental history collaborative research database) zusammengeführt werden.[2]

Die Daten zu den Wasserständen an großen deutschen Flüssen entstammen der Pegeldatenbank der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), die in enger Zusammenarbeit mit dem "Forschungsinstitut Wasser und Umwelt" der Universität Siegen erhoben und ausgewertet werden.[3] Sie wurden durch die pegelbetreibenden Wasser- und Schifffahrtsämter geprüft und veröffentlicht. Ein weiteres bedeutendes Wasserstandsdatenprojekt ist die Plattform "Undine" der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), die Datengrundlagen zur Einordnung und Bewertung hydrologischer Extreme anbietet.[4] Während regelmäßige Wasserstandsbeobachtungen an den großen deutschen Flüssen bereits seit dem 18. Jahrhundert – hier jedoch primär im Hochwasserfall und durch einfache Lattenpegel – stattfanden, setzten am Pegel Dresden ab 1806 erstmals kontinuierliche Messungen ein, sodass hier die am längsten durchgehenden Wasserstandsreihen vorliegen. Weitere Erhebungen und Aufbereitungen von umweltstatistischen Daten, allerdings erst für die jüngere Zeit, finden sich auch auf den Seiten des Umweltbundesamtes.

Zum Weiterlesen empfohlen



Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung, München 2007.

David Blackbourne: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2007.

Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas. 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen, 2. Aufl., Darmstadt 2008.

Uwe Lübken: Undiszipliniert: Ein Forschungsbericht zur Umweltgeschichte, in: H-Soz-u-Kult 14.7.2010, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/2010-07-001.pdf.

Franz Mauelshagen: Klimageschichte der Neuzeit 1500 –1900, Darmstadt 2010.

Christian Pfister: Energiepreis und Umweltbelastung. Zum Stand der Diskussion über das "1950er Syndrom", in: Wolfram Siemann (Hrsg.):Umweltgeschichte. Themen und Perspektiven, München 2003, S. 61– 86.

Joachim Radkau: Natur und Macht. Eine Weltgeschichte der Umwelt, München 2000.

Verena Winiwarter / Martin Knoll: Umweltgeschichte. Eine Einführung, Köln / Wien 2007.


Fußnoten

1.
Hierbei ist vor allem der Hohenheimer Jahresringkalender zu nennen, der ein einzigartiges Klimaarchiv mit durchgehenden Informationen für die letzten 12 500 Jahre liefern kann: https://botanik.uni-hohenheim.de/archaeo-palaeo_dendrochronologie (17.1.2014).
2.
Für einen Bericht zu Tambora siehe Franck Borel/Heike Steller: Tambora – die Entstehung einer virtuellen Forschungsumgebung, in: B.I.T.online, 15 (2012), 5, S. 423 – 430, www.tambora.org. Zur Nutzung der Daten für die historische Klimatologie siehe u.a. Rüdiger Glaser/Dirk Riemann: A Thousand-Year Record of Temperature Variations for Germany and Central Europe Based on Documentary Data, in: Journal of Quaternary Science, 24 (2009), S. 437– 449.
3.
Siehe die vom WSV betriebene Datenbank PEGEL-ONLINE www.pegelonline.wsv.de/gast/start (17.1.2014).
4.
Vgl. Datengrundlagen zur Einordnung und Bewertung hydrologischer Extreme: http://undine.bafg.de.
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