Deutschland in Daten - Zeitreihen zur Historischen Statistik.

Buchmarkt: Vom Buch zum E-Book


28.1.2016
Historische Statistiken zeigen: Gedruckte Bücher wurden im Laufe der letzten 200 Jahre zum selbstverständlichen Alltagsgegenstand.

In vielen Aspekten entsprechen Entwicklungen der Buchproduktion den Befunden der Pressegeschichte. (siehe Tab 2)

Tabelle 2: BücherTabelle 2: Bücher Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Das 19. Jahrhundert war durch eine Demokratisierung der Lesekultur geprägt, die von einer breiten Alphabetisierungswelle getragen wurde. Die Buchproduktion wurde differenzierter und quantitativ reicher. Von 1851 bis 1900 verdreifachte sich die gesamte Titelproduktion. Technische Neuerungen machten Bücher preiswerter und alltäglicher. Die Zensur garantierte allerdings mit Ausnahme der Revolutionsjahre eine Kontrolle der Produktion. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war durch zahlreiche Verlagsgründungen gekennzeichnet, eine Konzentration setzte erst in der Weimarer Republik ein. Neben Versuchen zur Zusammenarbeit der Buchhandelsakteure – vor allem im Börsenverein der Deutschen Buchhändler / des Deutschen Buchhandels – gab es viele partikularistische Bestrebungen. In der schweren Absatzkrise der zweiten Jahrhunderthälfte entwickelten sich unterschiedliche Strategien der Verlage – das kulturell hochwertige Buch in geringerer Auflage stand neben dem Massenbuch. Der Erste Weltkrieg markierte eine Zäsur, da Kriegswirtschaft und Papiermangel zum Sturz der Produktionszahlen führten. Auch die Weimarer Republik verzeichnete eine Bücherkrise mit Einbrüchen bei der Titelproduktion 1924 und 1931, auf die mit Professionalisierung durch den Zwischenbuchhandel und mit massiver Werbung reagiert wurde. (siehe Abb 2)

Abbildung 2: Buchmarkt - Titelproduktion insgesamtAbbildung 2: Buchmarkt - Titelproduktion insgesamt Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Der Nationalsozialismus bewegte sich in der Gleichschaltung des Buchhandels, die in der Bücherverbrennung einen tragischen Höhepunkt fand, zwischen starken Beschränkungen durch Zensur und aktiver Förderung der Produktion durch propagandistisch motivierte Publikationen. 1933 stellte eine Zäsur dar, als die Zahl der veröffentlichten Titel um ein Drittel oder 10 000 unter dem Wert von 1932 lag. Zahlreiche Schriftsteller gingen ins Exil, sie publizierten fortan häufig in Exilverlagen. In der Kriegszeit führten Papiermangel und Zerstörungen dazu, dass die Buchproduktion bis 1945 fast zum Erliegen kam.

Nach dem Krieg sorgten die Alliierten für eine strenge Kontrolle, Verlage wurden nur über ein Lizenzsystem wieder genehmigt. Der Buchmarkt entwickelte sich bis zum Anfang der 1980er Jahre positiv: Der Umsatz verfünffachte sich von 1960 bis 1984.

In der SBZ wurden schon im Juli 1945 drei politisch erwünschte Verlage gegründet. Hier und später in der DDR unterlag die Buchproduktion einer starken, wenn auch nicht gleichmäßigen Zensur. Das staatlich gelenkte Buchwesen verstand sich in seiner Vertriebsform als Volksbuchhandel mit stark subventionierten Preisen, der zu hohen Produktionszahlen nach ideologischen Vorgaben führte. Einschnitte zeigten die wechselnden Restriktionen des Systems. Dies galt vor allem für die Folgen des 11. Plenums des ZK der SED im Dezember 1965 ("Kahlschlagplenum"), als die Titelproduktion von noch 7 400 1966 auf 5 300 im Folgejahr sank. (siehe Abb 2)

Nach der Wiedervereinigung blieb das Buch ein zentrales Medium, auch wenn schon bald der Strukturwandel zu spüren war. Der Buchmarkt differenzierte sich, Titelimporte nahmen zu. Zunehmend entsteht zudem durch andere Formate eine Medienkonkurrenz. Dies drückt sich zum Beispiel im zunehmenden Anteil elektronischer Publikationen, beispielsweise E-Books, aus. Die Leitfunktion des Printmediums Buch scheint in dieser Hinsicht gebrochen, die Umsatzzahlen belegen aber gleichwohl eine – kontinuierliche, wenngleich langsame – Steigerung der Umsätze.


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