Deutschland in Daten - Zeitreihen zur Historischen Statistik.
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Datengrundlage


28.1.2016
Die Datengrundlage im Bereich Bauen und Wohnen ist durchwachsen. Zwar gibt es schon Erhebungen aus dem 19. Jahrhundert, diese sind allerdings regional beschränkt. Je näher man zur Gegenwart kommt, desto valider und elaborierter wird das Material.

Aufgrund der territorialen Zersplitterung Deutschlands und damit auch der nur geringen administrativen Möglichkeiten, Bauen und Wohnen valide zu quantifizieren, gibt es für die Zeit seit dem frühen 19. Jahrhundert bislang keine konsistenten langen Reihen zu diesem Bereich. Zudem variieren die Definition und damit auch die Bestimmung und Erfassung der Objekte, indem Statistiken zum Beispiel Wohnungen mitunter nur in Wohn-, mitunter auch in Nichtwohngebäuden erfassen, ferner Neubau ein- bzw. ausschließlich von Wiederaufbau, Instandsetzung etc. Zudem ist die Nutzung von Räumen zu Wohn- oder zu Gewerbezwecken häufig fließend und überhaupt die statistische Erfassung der Wohnung als inhomogenes Gut nicht einfach. Ferner wurden im Laufe der Zeit in den Erhebungen bzw. von den Statistischen Ämtern Angaben immer wieder neu zugeordnet, umbasiert bzw. neu berechnet und nicht zuletzt gelegentlich aus politischen Gründen "geschönt", sodass die überlieferten Daten oft voneinander abweichen. Deshalb sind auf dem Feld von Bauen und Wohnen mehr noch als auf vielen anderen Gebieten die sachliche Zuordnung im Detail und die definitorische Nuance von großer Bedeutung. Vor Beginn der zentralen amtlichen Statistik wurden die meisten quantifizierenden Zusammenstellungen von Ärzten, Sozialreformern und anderen Privatleuten aus sozialen Motiven und für sozialpolitische Zwecke vorgenommen. Ferner gibt es schon recht früh umfassendes, aber regional begrenztes Zahlenmaterial über Bau- und Wohnverhältnisse, beispielsweise in den Berichten der Landräte an die preußische Regierung Mitte des 19. Jahrhunderts, ferner in einzelnen Brennpunkten der Wohnungsnot in der Hochindustrialisierung. Insgesamt ist das Zahlenmaterial für das 19. Jahrhundert umfangreich, regional zersplittert und disparat.

Mit Einsetzen der amtlichen Statistik in den deutschen Staaten und vor allem nach Gründung des Deutschen Reiches und des Kaiserlichen Statistischen Amtes werden die Zählungen umfassender und die Zahlen gesicherter. Je näher man zur Gegenwart kommt, desto elaborierter und valider wird das Material. In der Statistik der Bundesrepublik Deutschland finden sich regelmäßig Erhebungen über den Wohnungsbestand, ähnlich in der Statistik der DDR.

Das Statistische Bundesamt hat auch Überblicksdarstellungen mit Material zu Bauen und Wohnen publiziert.[1] Ferner publiziert das Wohnungsbauministerium des Bundes (wechselnde Bezeichnungen) seit 1951 Statistiken im Bundesbaublatt.[2] Seit Gründung der Bundesrepublik gibt das Statistische Bundesamt die Reihe "Wirtschaft und Statistik" mit auch für Wohnen und Bauen relevanten Daten heraus.[3] Daneben gibt es eine reichhaltige Publikationstätigkeit der Verbände, beispielsweise der Landesbausparkassen mit "Markt für Wohnimmobilien". Dort werden wichtige Daten und Fakten zum deutschen Wohnimmobilienmarkt, zur aktuellen Bautätigkeit, zu Wohnungsbestand, Finanzierung und Wohneigentumsbildung publiziert. Zudem gibt es die Jahresberichte der Bundesgeschäftsstelle Landesbausparkassen.[4] Des Weiteren sind zu nennen die Jahresberichte der Geschäftsstelle Öffentliche Bausparkassen.[5]

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie publiziert das Baustatistische Jahrbuch[6], und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe gibt die Publikation "Baumarkt: Ergebnisse, Entwicklungen, Tendenzen" heraus.[7]

Auf der Ebene der amtlichen Statistik der Europäischen Union beinhaltet die Online-Datenbank von Eurostat auch Daten zur Entwicklung des Baugewerbes. Die Daten werden jeweils aktuell aufbereitet.[8]

Zum Weiterlesen empfohlen



Hansjörg F. Buck: Mit hohem Anspruch gescheitert – die Wohnungspolitik der DDR, Münster 2004.

Karl Christian Führer: Mieter, Hausbesitzer, Staat und Wohnungsmarkt. Wohnungsmangel und Wohnungszwangswirtschaft in Deutschland 1914 –1960, Stuttgart 1995.

Helmut W. Jenkis (Hrsg.): Kompendium der Wohnungswirtschaft, 4. Aufl., München/Wien 2001.

Adelheid von Saldern: Häuserleben. Zur Geschichte städtischen Arbeiterwohnens vom Kaiserreich bis heute, Bonn 1995.

Günther Schulz: Wiederaufbau in Deutschland. Die Wohnungsbaupolitik in den Westzonen und der Bundesrepublik Deutschland von 1945 bis 1957, Düsseldorf 1994.

Günter Schulz (Hrsg.): Wohnungspolitik im Sozialstaat. Deutsche und europäische Lösungen 1918 –1960, Düsseldorf 1993.

Thomas Wellenreuther: Wohnungsbau und Industrialisierung. Eine ökonometrische Untersuchung am Beispiel Deutschlands von 1850 bis 1913, Köln 1989.

Wüstenrot Stiftung Deutscher Eigenheimverein e.V.: Geschichte des Wohnens, 5 Bände, insbesondere Band 3: 1800 –1918 – Das Bürgerliche Zeitalter, hrsg. von Jürgen Reulecke; Band 4: 1918 –1945 – Reform, Reaktion, Zerstörung, hrsg. von Gerd Kähler; Band 5: 1945 bis heute – Aufbau, Neubau, Umbau, hrsg. von Ingeborg Flagge, Stuttgart 1997, 1996, 1999.



Fußnoten

1.
Beispielsweise als Herausgeber: Statistisches Bundesamt: Bevölkerung und Wirtschaft 1872 –1972, Stuttgart/Mainz 1972. Es gibt zudem die Erhebungen des Mikrozensus heraus, bspw. Fachserie 5/Heft 1: Bautätigkeit und Wohnungen. Mikrozensus-Zusatzerhebung 2010. Bestand und Struktur der Wohneinheiten. Wohnsituation der Haushalte, Wiesbaden 2012. Ferner seien als Beispiele genannt: Statistisches Bundesamt Wiesbaden (Hrsg.): Gebäude und Wohnungen. Bestand an Wohnungen und Wohngebäuden; Abgang von Wohnungen und Wohngebäuden. 2008, Wiesbaden 2009; Lange Reihen ab 1969 – 2008, Publikation unter: www.destatis.de (24.8.2009). Siehe: Jürgen Sensch: (1974 – 2007) histat-Datenkompilation online: Bautätigkeit und Wohnungen in der Bundesrepublik Deutschland 1950 – 2005. GESIS, Köln 2010, Deutschland ZA8398 Datenfile Version 1.0.0. sowie Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gebäude und Wohnungen. Bestand an Wohnungen und Wohngebäuden. Bauabgang von Wohnungen und Wohngebäuden. Lange Reihen ab 1969 – 2013, Wiesbaden 2014, URL: www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bauen/Wohnsituation/Fortschreibung
WohnungsbestandPDF_5312301.pdf?__blob=publicationFile
(21.4.2015).
2.
Ab 4/2008 sind die Ausgaben als PDF auf der Internetseite des Bundesbaublatts verfügbar: www.bundesbaublatt.de/archiv_ index_1354.html (21.4.2015).
3.
1949 wurde die Zeitschrift vom Statistischen Amt des Vereinigten Wirtschaftsgebiets herausgegeben. Die Zeitschrift erscheint zweimal im Monat, ab 2001 können die Bände online heruntergeladen werden: www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/Archiv/Wirtschaft­StatistikArchiv.html (21.4.2015).
4.
1979ff., Bonn/Berlin 1980ff., sie können ab 2003 online heruntergeladen werden: www.lbs.de/service/s/broschueren_5/index.jsp (21.4.2015).
5.
Geschäftsstelle Öffentliche Bausparkassen: Jahresberichte 1952 –1978, Bonn 1953 –1979; Fortsetzung: Jahresberichte der Bundes­geschäftsstelle der Landesbausparkassen.
6.
Hauptverband der Deutschen Bauindustrie: Baustatistisches Jahrbuch, Frankfurt a. M. 1960ff.
7.
Zentralverband Deutsches Baugewerbe: Baumarkt: Ergebnisse, Entwicklungen, Tendenzen, Berlin 2000ff.
8.
Die Erläuterungsseite von Eurostat gibt Hinweise zur Baugewerbestatistik: http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Industry_and_construction_statistics_-_short-term_indicators/de#Weitere_Informationen_von_Eurostat (21.4.2015).
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