Deutschland in Daten - Zeitreihen zur Historischen Statistik.
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28.1.2016 | Von:
Volker Müller-Benedict

Datengrundlage

Die Analysen dieses Kapitels beruhen vor allem auf den Datenhandbüchern zur deutschen Bildungsgeschichte. Sie sind das Ergebnis von speziell geförderten Studien der DFG. Denn langfristige Zahlenreihen zur Bildungsgeschichte waren lange Zeit selten.
Seit der Herausbildung vom Staat beaufsichtigter Bildungssysteme in Europa nach der Französischen Revolution haben die Regierungen der deutschen Länder begonnen, Daten zu sammeln, ab Mitte des 19. Jahrhunderts systematischer in eigenen "Statistischen Büros". Insbesondere das Preußische "Kgl. statistische Bureau" gab seit 1859 jährlich das "Centralblatt für die gesammte Unterrichtsverwaltung" heraus und erhob seit dem Wintersemester 1886/87 regelmäßig Daten von den Universitäten, die in der "Preußischen Hochschulstatistik" veröffentlicht wurden. Deshalb waren die wichtigen Zeitreihen des Bildungssystems überwiegend schon immer in amtlichen Statistiken vorhanden, allerdings als Querschnittsdaten – für jedes Jahr oder Semester ein Band. Die große Aufgabe für die Forschung war, hieraus lange, konsistente Zeitreihen zu bilden, denn im Zeitverlauf und durch die Gebietsveränderungen änderten sich natürlich auch die Erhebungs- und Darstellungsformen dieser amtlichen Statistiken laufend.

Einige Einzelforscher haben schon früher eine kleinere Zahl längerer Zeitreihen erstellt, so ganz früh Dieterici 1836, im Kaiserreich Conrad 1891 und Eulenburg 1909, später Hoffmann 1965 oder Mitchell 1980. Die Zeitreihen boten aber nur Ausschnitte aus den vorhandenen Möglichkeiten, bei den früheren Autoren wegen der fehlenden Datenverarbeitungsmöglichkeiten, bei den späteren, weil dort das Bildungssystem nur als Teil einer umfassenderen Wirtschafts- bzw. Sozialdatenbank gefasst wurde.

Weil lange, konsistente Zeitreihen im sozialen und im Bildungsbereich eher selten sind, hat die DFG dieses Ziel in den letzten 35 Jahren kontinuierlich in einer Reihe von Einzelprojekten gefördert, deren Ergebnisse jeweils als "Datenhandbuch zur deutschen Bildungsgeschichte" (Band I/1 und folgende, zuletzt Band XI) erschienen sind und noch erscheinen werden. Sie stellen eine weltweit einmalige Datenbasis zur historischen Bildungsstatistik dar, die es in dieser Länge und Vollständigkeit in anderen Ländern nicht gibt. Insgesamt kann so die Datenlage für die historische Bildungsstatistik auch im internationalen Vergleich als sehr gut bezeichnet werden.

Die Zeitreihen in diesem Kapitel beruhen weitgehend auf diesen Datenhandbüchern. In den jeweiligen Vorworten sind die Quellen genauer erläutert. Teile von einzelnen Zeitreihen wurden früher von Amts wegen erhoben, heute nicht mehr (so die Daten zur sozialen Herkunft der Studierenden), bei anderen ist es umgekehrt (so die Daten zur Altersstruktur der Lehrerschaft). Diese Teile mussten aus Originalquellen hinzugefügt werden.


Zum Weiterlesen empfohlen



Christa Berg (Hrsg.): Handbuch der Deutschen Bildungsgeschichte, Bde. 1– 6, München 1987– 2005; insbesondere Bd. 4: Christa Berg (Hrsg.): 1870 – 1914. Von der Reichsgründung bis zum Ende des 1. Weltkriegs, 1991; Bd. 5: Dieter Langewiesche (Hrsg.): 1918 – 1945: Die Weimarer Republik und die nationalsozialistische Diktatur, 1989; Bd. 6: Christoph Führ (Hrsg.): 1945 bis zur Gegenwart, 1998.

Rolf Becker / Wolfgang Lauterbach (Hrsg.): Bildung als Privileg. Erklärungen und Befunde zu den Ursachen der Bildungsungleichheit, 4. Aufl., Weinheim 2008.

Ludwig von Friedeburg: Bildungsreform in Deutschland. Geschichte und gesellschaftlicher Widerspruch, Frankfurt a. M. 1989.

Hans Georg Herrlitz / Wulf Hopf / Harmut Titze / Ernst Cloer: Deutsche Schulgeschichte von 1800 bis zur Gegenwart, 5. Aufl., Weinheim /München 2009.

Wulf Hopf: Freiheit – Leistung – Ungleichheit: Bildung und soziale Herkunft in Deutschland, Weinheim 2010.

Hartmut Titze: Der Akademikerzyklus, Göttingen 1990.
Der "Pisa-Schock"
Bei der ersten PISA-Studie der OECD zum internationalen Vergleich der Bildungssysteme im Jahr 2000 schnitt Deutschland unterdurchschnittlich schlecht ab. Der sogenannte "PISA­Schock" führte zu mehreren Schulreformen, mit denen unter anderem die Bildungsstandards in den Bundesländern vereinheitlicht werden sollten.
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