Deutschland in Daten - Zeitreihen zur Historischen Statistik.

28.1.2016 | Von:
Jörg Baten
Herman J. de Jong

Datengrundlage

Datengrundlage für den Großteil der hier dargestellten Statistiken liefern staatliche Einrichtungen wie das statistische Bundesamt. Zusätzlich wurden aber auch diverse Forschungsstudien herangezogen.

Die Quellen zur deutschen Volkseinkommensberechnung werden bereits im speziellen Kapitel erläutert. International existieren ähnliche Quellen, wobei viel Forschungsarbeit zur Frage der Vergleichbarkeit, insbesondere der Preisniveaus, geleistet wurde. So wurden zahlreiche Preisdaten auf Basis von Preiserhebungen staatlicher Stellen gesammelt. Aber auch die Entwicklung der Produktion, die neben der Menge auch die Qualität der Güter berücksichtigen muss, basiert auf umfangreichen staatlichen und auch privaten Erhebungen. Um sinnvolle Vergleiche anstellen zu können, wurden die Nationaleinkommen für den heutigen Gebietsstand der sechs Länder berechnet.

Die speziellen Betrachtungen zur Produktivität der Industrie und zur Produktivität der Landwirtschaft sind Teilbereiche der volkswirtschaftlichen ­Gesamtrechnung, die auf ähnlichen Quellen fußen. Allerdings beziehen sich diese Daten in der Nachkriegszeit auf Westdeutschland allein.

Die Exporte hingegen basieren auf den staatlichen Erhebungen, die an den Landesgrenzen vor allem zum Zwecke der Zolleinnahmen mit großer Detailgenauigkeit erhoben wurden. Sie beziehen sich auf den jeweiligen Gebietsstand der Länder.

Daten zur Körpergröße wurden besonders intensiv von den Militärverwaltungen gesammelt, weil klein gewachsene Männer oft von der Militärpflicht ­befreit wurden. Nach den napoleonischen Kriegen führten viele Länder eine allgemeine Wehrpflicht ein, sodass die betroffenen Jahrgänge junger Männer zunächst komplett gemessen wurden. Weitere Hinweise zur ­Körper­größenentwicklung ergeben sich aus Messungen von Straffälligen (allerdings müssen statistische Methoden angewendet werden, um ­Repräsentativität zu gewährleisten), Schulkindern und anthropologischen Spezialuntersuchungen. Lebenserwartungen wurden abgeschätzt, indem die altersspezifischen Sterbehäufigkeiten aus Zivilregistern, Kirchenbüchern und ähnlichen Quellen gesammelt und im zweiten Schritt entweder auf einen Zeitraum oder auf eine Geburtskohorte bezogen wurden.

Die Emissionen von Kohlendioxid werden durch die Erfassung der Verwendung der wichtigsten fossilen Brennstoffe geschätzt. Die Quelle dafür sind staatliche Bergbau- und Forstproduktionsstatistiken. Diese Brennstoffmengen wurden im zweiten Schritt mit speziellen Koeffizienten ­multipliziert, die in der neueren Umweltgeschichte über naturwissenschaftliche Modelle geschätzt wurden.

Die Statistik des Schulbesuches wird im Kapitel zur Schulentwicklung Deutschlands erläutert. Ähnliche Statistiken wurden auch in den anderen hier betrachteten Länden geführt. Der Index der Demokratieentwicklung basiert auf den umfangreichen ­Datensammlungen, die im Polity-IV-Projekt durchgeführt wurden. Dieses Projekt fußt wiederum auf einer gründlichen Analyse der Verfassungen und Gesetztestexte sowie Berichten über die Gesetzesrealitäten, in ­denen Faktoren wie Wahlrechtsumfang, Zugang zu politischen Parteien usw. diskutiert wurden.

Die Quellen zu Körpergrößen, Lebenserwartungen, Bildungsjahren sind näher erläutert unter www.clio-infra.eu; zu den Demokratieindizes siehe http://www.systemicpeace.org/polity/polity4.htm sowie die Arbeitvon Gurr, Jaggers und Moore.[1]

Zum Weiterlesen empfohlen

Bart van Ark: International Comparisons of Output and Productivity. ­Manufacturing Productivity Performance of Ten Countries from 1950 to 1990, Groningen 1993.

Michael Graff / George Kenwood / Alan Lougheed: Growth of the International Economy, 1820 – 2015, London / New York 2014.

Angus Maddison: Dynamic Forces in Capitalist Development. A Long-Run Comparative View, Oxford 1991.

Mark Spoerer / Jochen Streb: Neue deutsche Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts, München 2013.

Joost Veenstra: Missed Opportunities? Germany and the Transatlantic Labor-Productivity Gap. 1900 – 1940, Groningen 2014.

Jan Luiten van Zanden u.a. (Hrsg.): How Was Life?: Global Well-being ­since 1820, OECD Publishing, Paris 2014.

Fußnoten

1.
Ted Robert Gurr/Keith Jaggers/Will H. Moore: The Transformation of the Western State: The Growth of Democracy, Autocracy, and State Power since 1800, in: Studies in Comparative International Development, 25 (1990), S. 73–108.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Zahlen und Fakten: Globalisierung
Zahlen und Fakten

Globalisierung

Kaum ein Thema wird so intensiv und kontrovers diskutiert wie die Globalisierung. "Zahlen und Fakten" liefert Grafiken, Texte und Tabellen zu einem der wichtigsten und vielschichtigsten Prozesse der Gegenwart.

Mehr lesen

Skyline von Schanghai
Dossier

Megastädte

Die Welt wird Stadt: Erstmals leben mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Und 2005 zählten die Vereinten Nationen zum ersten Mal 20 Megastädte weltweit. Das Dossier stellt nach und nach alle 20 vor und erschließt Hintergründe der Verstädterung.

Mehr lesen

Touristen tragen Schutzmasken, um sich vor der extremen Luftverunreinigung in Peking zu schützen.
Dossier

China

Zum 60. Jahrestag der Volksrepublik zeigt sich das bevölkerungsreichste Land der Erde im Spannungsfeld zwischen Menschenrechtsverletzungen, Zensur, umstrittener Minderheitenpolitik und einer wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte.

Mehr lesen

Das Taj Mahal in Agra ist das Wahrzeichen Indiens.
Dossier

Indien

Bis zum 16. Mai finden in Indien Parlamentswahlen statt. Rund 810 Millionen der insgesamt 1,2 Milliarden Einwohner sind aufgerufen, über die 543 Unterhaus-Mandate zu entscheiden. Ihre Stimmen abgeben können sie in 930.000 Wahllokalen. Zur Wahl informiert das aktualisierte Indien-Dossier über Hintergründe und aktuelle Entwicklungen.

Mehr lesen