Deutschland in Daten - Zeitreihen zur Historischen Statistik.

28.1.2016 | Von:
Toni Pierenkemper

Einkommen und Löhne

Mit der Erwerbstätigkeit ist die Erzielung von Einkommen notwendig verbunden. Die Höhe des Einkommens ist von der Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft abhängig und diese lässt sich in allgemeiner Weise durch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bestimmen.

Tabelle 2: Einkommen und LöhneTabelle 2: Einkommen und Löhne Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Mit der Erwerbstätigkeit ist die Erzielung von Einkommen notwendig verbunden. Die Höhe des Einkommens ist von der Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft abhängig und diese lässt sich in allgemeiner Weise durch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bestimmen.[1] Das Pro-Kopf-Einkommen im Zeitverlauf gibt daher Auskunft über die potenzielle Entwicklung der Einkommen.[2] Natürlich steht nicht der gesamte Betrag des Bruttoinlandsproduktes den Beschäftigten allein als Einkommen zur Verfügung, denn auch die Unternehmer, der Staat und das Ausland erheben Ansprüche darauf. Die Entwicklung der Einkommen der abhängig Beschäftigten wird eher durch die Entwicklung der Löhne repräsentiert, für die ein Lohnindex berechnet werden kann. (siehe Tab 2)

Die zahlreichen historischen Angaben über individuelle Lohnzahlungen, die sich verstreut in den Quellen finden, lassen sich in einem gewogenen Durchschnitt zusammenfassen. Dessen jährliche Veränderungen werden dann mit einem aus den Preisen eines repräsentativen Warenkorbs gewonnenen Preisindex deflationiert, um die Preiseffekte auszuschalten, und auf ein Basisjahr bezogen.[3]

Ein solcher Reallohnindex hat sich in Deutschland von 1800 (58) bis 1913 (100) bereits nahezu verdoppelt und zeigt damit einen bemerkenswerten Einkommenszuwachs der Beschäftigten während des 19. Jahrhunderts an. Doch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird dieser Trend einer stetigen Einkommensverbesserung gebrochen und die Krisen und Kriege dieses Zeitraums verschlingen den gesamten Ertrag der Arbeit der Beschäftigten. Das ändert sich grundlegend nach der Jahrhundertmitte, als nunmehr auch Deutschland Anschluss an die säkulare Entwicklung der Industriestaaten zu einer Wohlstandsgesellschaft gewinnt und die Erwerbstätigen auch hier eine niemals zuvor gesehene Erhöhung ihrer Einkommen erlebten.

Abbildung 5: Index der ReallöhneAbbildung 5: Index der Reallöhne Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Natürlich bedarf eine derart allgemeine Betrachtung einer Differenzierung, denn nicht alle Berufe und Beschäftigtengruppen waren an dieser Entwicklung in gleicher Weise beteiligt. Manche profitierten stärker und manche weniger. Diese unterschiedliche Einkommensentwicklung spiegelt auch die veränderten Knappheitsrelationen auf dem Arbeitsmarkt, die sich zwischen einzelnen Berufen und Berufsgruppen und den Beschäftigtenkategorien im Zuge des Wachstums der Volkswirtschaft ergaben.[4] (siehe Abb 5)

Fußnoten

1.
Vgl. den Beitrag "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen" von Rainer Metz in diesem Band.
2.
Rainer Metz: Säkulare Trends der deutschen Wirtschaft, in: Michael North (Hrsg.): Deutsche Wirtschaftsgeschichte. Ein Jahrtausend im Überblick, München 2000, S. 421– 474, insb. S. 436.
3.
Reiner Gömmel: Realeinkommen in Deutschland. Ein internationaler Vergleich (1800 –1913), (Vorträge zur Wirtschaftsgeschichte, Heft 4), Nürnberg 1979, insb. S. 19 – 29 zur Berechnungsmethode.
4.
Ausführliche Daten über die Einkommensentwicklung einzelner Gruppen bei Gerhard Bry: Wages in Germany 1871 –1945, Princeton 1960; Ashok V. Desai: Real Wages in Germany 1871 –1913, Oxford 1968 und Toni Pierenkemper: Die Einkommensentwicklung der Angestellten in Deutschland 1880 –1913, in: Historical Social Research – Historische Sozialforschung. Quantum Information, 27 (1983), S. 69 – 92.
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