Deutschland in Daten - Zeitreihen zur Historischen Statistik.

28.1.2016 | Von:
Toni Pierenkemper

Datengrundlage

Heutzutage gibt es diverse Quellen, die den Arbeitsmarkt in Statistiken darstellen. In historischen Zeitreihen gibt es allerdings oftmals Datenlücken, die man durch Schätzverfahren zu schließen versucht.

Zwar gab es in zahlreichen deutschen Staaten schon im 17. Jahrhundert gelegentlich Statistiken über die Zahl der Einwohner und ihre innere soziale Gliederung, doch einigermaßen verlässliche Angaben über die Berufstätigkeit der Untertanen finden sich erst im 19. Jahrhundert.28 Dabei spielten die Weiterentwicklung der seit 1719 in Preußen angefertigten "Historischen Tabellen" und ihre Fortführung als "Tabellen und Nachrichten über den preußischen Staat"29 und innerhalb der Statistik des Deutschen Zollvereins30 sowie zahlreiche private Initiativen eine bedeutsame Rolle.31 Doch erst die Gründung des Kaiserlichen Statistischen Amtes 1872 im neuen Deutschen Reich ermöglichte systematische Berufs- und Gewerbezählungen, die Auskunft über Umfang und Struktur der Beschäftigten in Deutschland geben können.32

Über die historischen Einkommensverhältnisse der Bevölkerung im 19. Jahrhundert gibt die geschätzte Entwicklung der Reallöhne eine vorläufige Auskunft.33 Ausführliche Lohnreihen für verschiedene Berufe und Berufsgruppen finden sich bei verschiedenen Autoren.34 Auch gibt es einige Schätzungen über die historische Entwicklung der Einkommensverteilung,35 die jedoch hinsichtlich der Lebensverhältnisse der verschiedenen Bevölkerungsgruppen einer Ergänzung durch zusätzliche Daten bedürfen.36

Für das 20. Jahrhundert und insbesondere für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stehen hinsichtlich der Daten über den Arbeitsmarkt und die Beschäftigung ausführliche nationale und internationale Statistiken zur Verfügung. Hier ist für die erste Hälfte des Jahrhunderts das Werk von Walther G. Hoffmann mit den einschlägigen Daten zur Erwerbstätigkeit, den Einkommensverhältnissen und dem Konsum der Bevölkerung zu nennen. Das Statistische Bundesamt hat zum Jubiläum einer zentralen amtlichen Statistik im Jahr 1972 einen Band mit einschlägigen langen Reihen herausgegeben. Seit 1983 gibt das Statistische Bundesamt in unregelmäßigen Abständen einen Datenreport heraus, aus dem die jeweils neuesten statistischen Daten über Einkommen, Berufstätigkeit und Verbrauch in Deutschland zu ersehen sind. Auch das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit gibt zahlreiche Statistiken und informative Einzelstudien zu den betreffenden Themen heraus.37


Zum Weiterlesen empfohlen



Rainer Gömmel: Realeinkommen in Deutschland. Ein internationaler Vergleich (1810 –1914), Nürnberg 1979.

Jürgen Kocka: Arbeitsverhältnisse und Arbeiterexistenzen. Grundlagen der Klassenbildung im 19. Jahrhundert, Bonn 1990.

Emil Lederer / Jakob Marschak: Die Klassen auf dem Arbeitsmarkt und ihre Organisation, in: Grundriss der Sozialökonomik. IX. Abteilung: Das soziale System des Kapitalismus, II. Teil: Die autonome und staatliche Binnenpolitik im Kapitalismus, Tübingen 1927, S. 105 – 258.

Toni Pierenkemper: Gewerbe und Industrie im 19. und 20. Jahrhundert, in: Enzyklopädie Deutscher Geschichte, Bd. 29, München 2005, S. 87– 99.

Toni Pierenkemper: Die Vermarktung von Arbeitskraft in Deutschland. Begriff, Tendenzen, Forschungsprobleme, in: Klaus J. Bade (Hrsg): Auswanderer – Wanderarbeiter – Gastarbeiter. Bevölkerung, Arbeitsmarkt und Wanderung in Deutschland seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, 2 Bde., Ostfildern 1984, Bd. 1, S. 135 –178.

Gerhard A. Ritter / Klaus Tenfelde: Arbeiter im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1914, Bonn 1992. Hans-Jürgen Teuteberg / Günter Wiegelmann: Der Wandel der Nahrungsgewohnheiten unter dem Einfluss der Industrialisierung, Göttingen 1972.

Andrea Wagner: Die Entwicklung des Lebensstandards in Deutschland zwischen 1920 und 1960, Berlin 2008.

Bénédicte Zimmermann: Arbeitslosigkeit in Deutschland. Zur Entstehung einer sozialen Kategorie, Frankfurt a. M. 2006.

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