Zahlen und Fakten: Europa
23.3.2019

Unterbeschäftigung

Personen im Alter von 15 bis unter 75 Jahren, ausgewählte europäische Staaten, 2017

Unterbeschäftigung

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Full-time and part-time employment, Supplementary indicators to unemployment (Stand: 04/2018)
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Die Unterbeschäftigung gehört neben der Arbeitslosigkeit zu den größten sozialen Problemen der Europäischen Union. Neben den knapp 19 Millionen Arbeitslosen wollten im Jahr 2017 neun Millionen Teilzeitbeschäftigte gern mehr Stunden arbeiten – fast jede fünfte teilzeitbeschäftigte Person. Hinzu kommen 10,4 Millionen Personen der sogenannten Stillen Reserve (beispielsweise Personen, die sich entmutigt von der Suche auf dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben). Bezogen auf die Erwerbspersonen der EU-28 entsprach die Stille Reserve einem zusätzlichen Erwerbspersonen-Potential von 4,2 Prozent. Jedoch variiert dieser Prozentsatz erheblich. 2017 reichte er von 0,9 Prozent in Malta und Tschechien bis 12,1 Prozent in Italien (Deutschland: 2,3 Prozent).

Fakten

Zur Beurteilung der Arbeitsmarktsituation sollte neben der Arbeitslosigkeit auch die Unterbeschäftigung betrachtet werden. Im Jahr 2017 waren in den 28 EU-Mitgliedstaaten 45,7 Millionen Personen teilzeitbeschäftigt – fast drei Viertel davon Frauen (73,6 Prozent). Nach Angaben von Eurostat würde rund ein Fünftel aller Teilzeitbeschäftigten (19,6 Prozent) gern mehr Stunden arbeiten und wäre dafür auch verfügbar. Damit gilt dieser Personenkreis als unterbeschäftigt. Der Anteil der teilzeitbeschäftigten Männer, die 2017 unterbeschäftigt waren, lag bei 25,4 Prozent (3,1 Mio. Personen) und der entsprechende Anteil der Frauen bei 17,5 Prozent (5,9 Mio. Personen).

Die höchsten Anteile von teilzeitbeschäftigten Personen, die den Wunsch haben, mehr Stunden zu arbeiten und dafür auch verfügbar wären, fanden sich im Jahr 2017 in Griechenland (70,6 Prozent), Zypern (62,2 Prozent), Spanien (48,3 Prozent) und Portugal (41,3). Aber auch in Lettland, der Slowakei, Kroatien und Bulgarien lag der Anteil bei mehr als einem Drittel. Diesen Staaten ist gemeinsam, dass die jeweilige Teilzeitquote – also der Anteil der Teilzeitbeschäftigten an allen Beschäftigten – bei 15 Prozent oder weniger lag (bei fünf der acht Staaten lag die Quote sogar unter 10 Prozent).

Am niedrigsten war der Anteil von teilzeitbeschäftigten Personen, die den Wunsch haben, mehr Stunden zu arbeiten und dafür auch verfügbar wären, im Jahr 2017 in Tschechien (5,9 Prozent), Estland (7,0 Prozent), den Niederlanden (10,4 Prozent), Malta (10,8 Prozent) und Luxemburg (11,2 Prozent). Darauf folgte Deutschland, wo 1,4 der 11,6 Millionen Teilzeitbeschäftigten gern mehr Stunden arbeiten würden und ihrerseits auch könnten (11,8 Prozent).

Neben den unterbeschäftigten Teilzeitbeschäftigten zählt Eurostat auch die "Stille Reserve" zu den Unterbeschäftigten. Die Stille Reserve, also das Potential an zusätzlichen Erwerbspersonen, bestand 2017 aus 2,3 Millionen 15- bis unter 75-jährigen Personen, die Arbeit suchen, jedoch dem Arbeitsmarkt nicht kurzfristig zur Verfügung stehen (beispielsweise Studierende, die einen Arbeitsplatz für die Zeit nach ihrem Abschluss suchen) und 8,1 Millionen Personen, die für eine Arbeit verfügbar sind, jedoch nicht nach Arbeit suchen (beispielsweise Personen, die sich entmutigt von der Suche auf dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben).

Laut Eurostat handelt es sich bei beiden Gruppen um Nichterwerbspersonen, die trotzdem eine "gewisse Bindung an den Arbeitsmarkt" haben. Zusammengenommen bildeten diese zwei Gruppen 2017 eine Stille Reserve von 10,4 Millionen Personen. Bezogen auf die Erwerbspersonen der EU-28 entsprach das einem zusätzlichen Erwerbspersonen-Potential von 4,2 Prozent. Zwischen den Mitgliedstaaten variiert dieser Prozentsatz erheblich und reichte 2017 von 0,9 Prozent in Malta und Tschechien bis 12,1 Prozent in Italien (Deutschland: 2,3 Prozent). Dabei umfasste die Stille Reserve in allen EU-Mitgliedstaaten außer in Schweden in erster Linie Personen, die für eine Arbeit zur Verfügung standen, aber keine Arbeit suchten. Außer in Litauen, Bulgarien, Österreich, Dänemark und Finnland sowie in Deutschland und Slowenien, wo die Werte zwischen 44,4 und 50,0 Prozent lagen, stellten Frauen in allen EU-Mitgliedstaaten den größten Anteil an der Stillen Reserve.

Datenquelle

Eurostat: Online-Datenbank: Full-time and part-time employment, Supplementary indicators to unemployment (Stand: 04/2018)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Erwerbstätige sind alle Personen im Alter von mindestens 15 Jahren, die in der Bezugswoche (der EU-Arbeitskräfteerhebung) gegen Entgelt oder zur Gewinnerzielung mindestens eine Stunde gearbeitet haben sowie alle Personen, die nur vorübergehend von ihrer Arbeit abwesend sind (zum Beispiel aufgrund von Krankheit, Urlaub, Streik, Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen).

Die Erwerbsbevölkerung (auch Erwerbspersonen) setzt sich aus den Erwerbstätigen und den Arbeitslosen zusammen.

In der Arbeitskräfteerhebung basiert die Unterscheidung zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung generell auf den Eigenangaben der Befragten. Davon abweichend ist in den Niederlanden und Island festgelegt, dass eine übliche Arbeitszeit von weniger als 35 Stunden als Teilzeitbeschäftigung gilt. In Schweden gilt diese Definition für Selbständige. In Norwegen werden lediglich die Beschäftigten, die zwischen 32 und 36 Stunden arbeiten, um eine Eigenangabe gebeten.

Personen, die Arbeit suchen, jedoch dem Arbeitsmarkt nicht kurzfristig zur Verfügung stehen, sind Personen im Alter von 15 bis unter 75 Jahren, die weder erwerbstätig noch erwerbslos sind und die in den vergangenen 4 Wochen aktiv nach Arbeit gesucht haben, jedoch in den nächsten 2 Wochen keine Arbeit aufnehmen können. Zur Vervollständigung umfasst diese Kategorie ebenfalls drei kleinere Personengruppen:
  • diejenigen, die eine Arbeit gefunden haben, welche sie in weniger als 3 Monaten aufnehmen werden, und in den nächsten 2 Wochen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen;
  • diejenigen, die eine Arbeit gefunden haben und diese in 3 Monaten oder später aufnehmen werden sowie
  • diejenigen, die in den letzten 4 Wochen passiv Arbeit gesucht haben und in den nächsten 2 Wochen eine Arbeit aufnehmen könnten. Passive Arbeitssuche liegt beispielsweise vor, wenn auf das Ergebnis eines Vorstellungsgespräches gewartet wird.
Personen, die für eine Arbeit verfügbar sind, jedoch nicht nach Arbeit suchen, sind Personen im Alter von 15 bis unter 75 Jahren, die weder erwerbstätig noch erwerbslos sind und die arbeiten wollen, in den nächsten 2 Wochen eine Arbeit aufnehmen könnten, jedoch nicht nach Arbeit suchen. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Personen, die sich entmutigt von der Suche auf dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben, weil sie nach langer Arbeitslosigkeit keinen Arbeitsplatz gefunden haben.

Unterbeschäftigung

Personen im Alter von 15 bis unter 75 Jahren, ausgewählte europäische Staaten, 2017

teilzeitbeschäftigte Personen, die den Wunsch haben,
mehr Stunden zu arbeiten und dafür verfügbar sind
in Tsd. in Prozent der
Teilzeitbeschäftigten
in Prozent aller
Erwerbstätigen
Europäische Union (EU-28) 8.973 19,6 4,0
Zypern 30 62,2 7,9
Spanien 1.359 48,3 7,2
Griechenland 259 70,6 6,9
Frankreich 1.582 31,4 5,9
Niederlande 453 10,4 5,3
Irland 107 23,4 4,9
Vereinigtes Königreich 1.511 18,1 4,7
Portugal 202 41,3 4,3
Österreich 182 15,0 4,3
Italien 8 17,1 4,1
Finnland 95 23,3 3,8
Dänemark 108 14,6 3,8
Belgien 171 14,9 3,7
Schweden 171 13,6 3,4
Deutschland 1.373 11,8 3,3
Lettland 28 36,9 3,1
Slowenien 28 26,9 2,9
Rumänien 207 30,4 2,4
Slowakei 57 36,6 2,3
Luxemburg 6 11,2 2,2
Kroatien 31 34,8 1,9
Polen 241 20,5 1,5
Malta 3 10,8 1,4
Litauen 16 14,3 1,2
Bulgarien 26 34,5 0,8
Ungarn 36 16,9 0,8
Estland 5 7,0 0,8
Tschechien 22 5,9 0,4
       
Schweiz 317 17,9 6,9
Island 731 17,1 3,2
Norwegen 69 9,9 2,6
Nordmazedonien 15 47,9 2,0
Montenegro 3 22,9 1,3
Türkei 267 9,2 1,0
Personen, die für
eine Arbeit
verfügbar sind,
jedoch nicht nach
Arbeit suchen
Personen, die
Arbeit suchen,
jedoch dem
Arbeitsmarkt nicht
kurzfristig zur
Verfügung stehen
Stille Reserve,
in Prozent der
Erwerbs-
bevölkerung
in Tsd.
Europäische Union (EU-28) 8.127 2.289 4,2
Italien 3.006 126 12,1
Kroatien 141 12 8,4
Finnland 141 66 7,7
Luxemburg 11 6 6,0
Bulgarien 155 20 5,2
Estland 30 5 4,9
Spanien 832 229 4,7
Lettland 40 5 4,6
Niederlande 272 149 4,6
Portugal 213 23 4,6
Österreich 133 51 4,1
Zypern 11 6 4,0
Dänemark 64 50 3,8
Schweden 99 106 3,8
Frankreich 729 353 3,7
Belgien 106 66 3,4
Griechenland 113 38 3,2
Irland 62 11 3,1
Polen 435 90 3,0
Rumänien 277 3,0
Vereinigtes Königreich 591 355 2,9
Ungarn 121 7 2,8
Deutschland 524 483 2,3
Slowakei 46 13 2,2
Litauen 15 13 1,9
Slowenien 14 4 1,7
Malta 2 0 0,9
Tschechien 38 13 0,9
       
Montenegro 28 10,2
Türkei 1.740 72 5,7
Schweiz 198 63 5,4
Nordmazedonien 41 7 5,0
Island 7 1 4,0
Norwegen 68 22 3,3

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Full-time and part-time employment, Supplementary indicators to unemployment (Stand: 04/2018)


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