Zahlen und Fakten: Globalisierung
15.9.2017

Wohnkultur

Eröffnungsjahr der jeweils ersten IKEA-Filiale, nach Staaten, Stand: 9. August 2017

Wohnkultur

Quelle: IKEA Group
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Der Möbelhändler IKEA ist nicht nur der größte der Welt, sondern fällt auch durch seine globale Unternehmensstrategie auf. Mit fast 400 Filialen in 48 Staaten, mehr als 900 Millionen Filial-Kunden im Jahr 2016 und einer Verdoppelung des Umsatzes in den letzten zehn Jahren ist der Expansionskurs des Unternehmens bisher ungebrochen. IKEA gehört dabei zu den Möbelhändlern, die sich nicht nur auf Möbel konzentrieren, sondern Wohnräume als Lebenswelten verkaufen – vom Kinderbett bis zum Kuscheltier, von der Einbauküche bis zur Zitronenpresse. Kritiker sehen in der Verbreitung einer einheitlichen Wohnkultur eine Gefahr für traditionelle bzw. individuelle Wohnstile.

Fakten

IKEA ist gegenwärtig der größte Möbelhändler der Welt. Im Jahr 2016 hatte IKEA 389 Filialen in 48 Staaten. Die IKEA Group war dabei mit 340 Filialen in 28 Staaten der mit Abstand größte Franchisenehmer. Mitte 2017 waren Neueröffnungen in elf weiteren Staaten geplant. Von den 389 Filialen der Inter IKEA Group (Franchisegeber) waren 271 in Europa, 54 in Nordamerika, 53 in Asien, 10 im Nahen Osten/in Nordafrika sowie eine in der Karibik. Mitte 2017 lag die Zahl der IKEA-Group-Filialen bei 351. Davon waren 52 in Deutschland, 44 in den USA, 33 in Frankreich, 23 in China, 21 in Italien und 20 im Ursprungsmarkt Schweden. Die Größe der Einrichtungshäuser reichte dabei von rund 10.500 km² in Paris bis gut 63.000 km² in Stockholm (an zweiter und dritter Stelle standen Einrichtungshäuser in Seoul und Schanghai mit rund 58.000 bzw. 56.500 km²).

Im Geschäftsjahr 2016 erzielte die IKEA Group einen Umsatz von 34,2 Milliarden Euro (2006: 17,4 Mrd. €) und einen Gewinn von 4,2 Milliarden Euro. Der Umsatz der IKEA Group entsprach 2016 etwa 90 Prozent des Gesamtumsatzes der Inter IKEA Group. Der Anteil Europas an den Umsätzen der IKEA Group lag dabei bei mehr als zwei Dritteln (69 Prozent). Darauf folgten Nordamerika (18 Prozent), Asien und Australien (9 Prozent) sowie Russland (4 Prozent). Der umsatzstärkste Einzelmarkt war Deutschland (14 Prozent), gefolgt von den USA (14 Prozent), Frankreich (8 Prozent), dem Vereinigten Königreich (6 Prozent) und Schweden (5 Prozent).

Im Jahr 2016 besuchten 915 Millionen Personen ein IKEA-Einrichtungshaus. Weiter lag die Zahl der Besuche der Katalog- und Store-App im selben Jahr bei 110 Millionen, die IKEA-Website wurde 2,1 Milliarden Mal besucht und der IKEA-Katalog erscheint in einer weltweiten Auflage von rund 220 Millionen. Schließlich wuchs die Zahl der IKEA-Family- Mitglieder zwischen 1984 und 2016 auf 100 Millionen. Allein 2016 meldeten sich mehr als 10 Millionen neue Mitglieder an – rund 30.000 pro Tag.

Durch die globale Expansionsstrategie von IKEA schreitet die Verbreitung einer einheitlichen Wohnkultur weiter voran. Kritiker sehen darin eine Gefahr für traditionelle bzw. individuelle Wohnstile. In den ökonomisch entwickelten Staaten sowie in den ökonomisch erfolgreichen Regionen der Schwellenländer würde sich die Wohnkultur schon jetzt immer weiter angleichen.

Wie anderen global tätigen Unternehmen wurde auch IKEA vorgeworfen, nicht an allen Standorten die Arbeitnehmerrechte ausreichend zu wahren. Beispielsweise wies die Gewerkschaft ver.di im Jahr 2013 auf rechtswidrige Entlassungen in der Türkei hin. Ebenso auf 60-Stunden-Wochen in Russland und die Behinderung von Gewerkschaftsarbeit in der Tschechischen Republik, Irland und den USA. Als Antwort auf diese Probleme wurde unter anderem die globale UNI IKEA-Gewerkschaftsallianz gegründet.

Auch im Bereich der Umweltzerstörung, insbesondere bei der industriellen Nutzung von Naturwäldern, sah sich IKEA schweren Vorwürfen ausgesetzt. So wurde beispielsweise die Zerstörung von russischen (Ur-)Wäldern in Sibirien und Karelien oder auch die Rodung von Regenwäldern zur Errichtung von Palmöl-Plantagen für die Kerzenproduktion kritisiert. Ikea beruft sich in diesem Zusammenhang auf die Zertifizierung durch die Organisation FSC International (für das Geschäftsjahr 2016 führt IKEA an, dass 61 Prozent des Holzes FSC®-zertifiziert oder recycelt waren. Bis 2020 sollen es 100 Prozent sein). Jedoch kritisiert beispielsweise der Verein Rettet den Regenwald, dass die Wälder durch das FSC-Zertifikat nicht geschützt werden, da über das Label sogar "Kahlschlag von Naturwäldern" zertifiziert wird. Entgegen dem organisatorischen Aufbau würde der FSC von der Wirtschaft dominiert und das FSC-Zertifikat spiele eine "fatale Rolle beim industriellen Holzeinschlag in Urwäldern".

Datenquelle

IKEA: www.ikea.com; IKEA Group: Übersicht aller aktuellen Einrichtungshäuser (Stand: 09.08.2017); IKEA Group: Yearly Summary FY16; Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di): Pressemitteilung vom 18.06.2013; Rettet den Regenwald e.V.: Die Label-Lüge – FSC Zertifikat als Türöffnern für Regenwaldabholzer

Wohnkultur

Eröffnungsjahr der jeweils ersten IKEA-Filiale und Anzahl der Filialen, nach Staaten, Stand: 9. August 2017

1



IKEA Group-Filialen1
Eröffnungsjahr
der ersten Filiale
Anzahl
der Filialen
Schweden 1958 20
Norwegen 1963 7
Dänemark 1969 5
Schweiz 1973 9
Deutschland 1974 52
Australien 1975 10
Kanada 1976 12
Österreich 1977 7
Niederlande 1978 12
Frankreich 1981 33
Belgien 1984 8
USA 1985 44
Vereinigtes Königreich 1987 19
Italien 1989 21
Ungarn 1990 3
Polen 1991 9
Tschechische Republik 1991 4
Slowakei2 1995 1
Finnland 1996 5
Spanien2 1996 16
China 1998 23
Russland 2000 14
Portugal 2004 5
Japan3 2006 8
Irland 2009 1
Rumänien2 2010 1
Kroatien 2014 1
Südkorea 2014 1
geplante IKEA Group-Filialen1
Indien 2017
Serbien 2017
Bahrain 2018
Lettland 2018
Slowenien 2018
Estland 2019
Brasilien ohne Angabe
Mexiko ohne Angabe
Neuseeland ohne Angabe
Philippinen ohne Angabe
Ukraine ohne Angabe
andere Inter IKEA Group-Filialen1
Eröffnungsjahr der ersten Filiale
Singapur 1978
Island 1981
Saudi-Arabien 1983
Kuwait 1984
Vereinigte Arabische Emirate 1991
Taiwan 1994
Malaysia 1996
Griechenland 2001
Israel 2001
Türkei 2005
Zypern 2007
Dominikanische Republik 2010
Bulgarien 2011
Thailand 2011
Ägypten 2013
Katar 2013
Litauen 2013
Indonesien 2014
Jordanien 2014
Marokko 2016

1 die Inter IKEA Group ist der Franchisegeber, die IKEA Group ist der größte Franchisenehmer.

2 in drei Märkten, in denen Anfang August 2017 die IKEA Group (als größter Franchisenehmer) mit Filialen vertreten war, war die Inter IKEA Group (als Franchisegeber) schon vorher aktiv: Slowakei: 1992 / Spanien: 1980 / Rumänien: 2007

3 zuvor bereits von 1974 bis 1986


Quelle: IKEA Group


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