Zahlen und Fakten: Globalisierung
2.10.2018

Entwicklung des grenzüberschreitenden Warenhandels

Index (1960 = 1), in konstanten Preisen, Entwicklung in Prozent, weltweit 1950 bis 2017

Entwicklung des grenzüberschreitenden Warenhandels

Quelle: World Trade Organization (WTO): World Trade Statistical Review 2018; eigene Berechnungen
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Kaum etwas veranschaulicht die Globalisierung so deutlich wie die steigende ökonomische Bedeutung des Außenhandels bzw. die Veränderung des Verhältnisses von Warenhandel und Weltwarenproduktion in den letzten Jahrzehnten. Von den weltweit produzierten Waren ist ein größer werdender Teil für den Export bestimmt. Der Anteil des Warenexports am Welt-Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2017 bei mehr als einem Fünftel. Zwischen 1950 und 2017 ist der reale Warenexport in 61 Jahren gestiegen und nur sechsmal hat er sich gegenüber dem Vorjahr verringert. In lediglich zwei Jahren fiel der Rückgang stärker aus (1975: -7,3 Prozent, 2009: -12,4 Prozent). Allerdings folgten darauf jeweils Jahre mit einem überdurchschnittlich hohen Wachstum des realen Warenexports (1976: +11,8 Prozent, 2010: +14,0 Prozent).

Fakten

Von 1960 bis 2008 nahm der Warenexport real – also gemessen in konstanten Preisen – um den Faktor 15,5 und die Weltwarenproduktion um den Faktor 5,8 zu. Der Export von Waren stieg dabei durchschnittlich um 5,9 Prozent, die Weltwarenproduktion um 3,7 Prozent pro Jahr. Als Folge erhöhte sich der Anteil der exportierten Waren am Welt-Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 1970 und 2008 von 9,4 auf 25,4 Prozent.

Die höchsten realen Wachstumsraten verzeichnete der Warenexport in den beiden Zeiträumen von 1950 bis 1960 und von 1960 bis 1970. Allerdings war zu dieser Zeit der Anteil der zwischen den Staaten gehandelten Waren an den insgesamt produzierten Waren noch gering. Für die Globalisierung ist die reale Steigerung des Warenexports um 86,4 Prozent in den Jahren 1990 bis 2000 bedeutender, da die internationale ökonomische Verflechtung bis 1990 deutlich angestiegen war bzw. der Warenexport 1990 bereits einen Wert von 3,5 Billionen US-Dollar hatte. Im Jahr 2008 lag der Wert der exportierten Waren bei 16,1 Billionen US-Dollar und damit nominal 124-mal höher als 1960. Real nahm der Wert der exportierten Waren zwischen 1960 und 2008 um das 15,5-fache zu.

Als Folge der relativen Zunahme des grenzüberschreitenden Warenhandels gegenüber der Weltwarenproduktion wächst die Bedeutung des Außenhandels für die einzelnen Ökonomien. Dies wird auch bei einer Betrachtung der Außenhandelsquote deutlich: Nach Angaben der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) stieg der prozentuale Anteil der Warenexporte und -importe am weltweiten BIP von 19,1 Prozent im Jahr 1970 auf 51,2 Prozent im Jahr 2008 (2017: 44,4 Prozent). Deutschland hat als "Exportnation" eine überdurchschnittlich hohe Außenhandelsquote – 2017 lag sie bei 71,1 Prozent.

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 führte zum stärksten Rückgang des Warenhandels seit 1950. Der reale Warenexport verringerte sich zwischen 2008 und 2009 um 12,4 Prozent. Der krisenbedingte Rückgang konnte jedoch bereits 2009/2010 wieder ausgeglichen werden, da der reale Warenexport zwischen 2009 und 2010 um überdurchschnittliche 14,0 Prozent zunahm. Zwischen 2010 und 2017 nahm er um weitere 22,9 Prozent zu – dabei zuletzt um 4,5 Prozent von 2016 auf 2017. Der nominale Wert des weltweiten Warenexports lag im Jahr 2017 bei 17,7 Billionen US-Dollar.

Datenquelle

World Trade Organization (WTO): World Trade Statistical Review 2018; eigene Berechnungen; United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Online-Datenbank: UNCTADstat

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Die Außenhandelsquote ist der prozentuale Anteil der Summe von Im- und Exporten am Bruttoinlandsprodukt eines Staates oder einer Staatengruppe. Dabei werden entweder Waren und Dienstleistungen oder – wie hier – nur Waren berücksichtigt. Die Außenhandelsquote dient als ein Indikator für die Weltmarkteinbindung einer Ökonomie.

Der nominale Außenhandelswert bezieht sich auf den Wert der gehandelten Waren zu den jeweiligen Marktpreisen. Dadurch fließen Preisveränderungen voll in die Berechnungen ein. Modellhaft formuliert kann eine nominale Ausweitung des Außenhandels einerseits bedeuten, dass mehr Güter gehandelt werden, andererseits können aber auch – bei unveränderter Menge – lediglich die Preise der gehandelten Produkte gestiegen sein. Der reale Außenhandelswert ist hingegen unabhängig von Preisveränderungen, da er zu den Preisen eines Basisjahres, also in konstanten Preisen, berechnet wird. Der reale Außenhandelswert steigt nur, wenn tatsächlich mehr Waren gehandelt wurden.

Neben Preisänderungen beeinflussen auch Wechselkursänderungen den nominalen Wert des Warenexports auf US-Dollar-Basis. Lesebeispiel: Der Warenexport Deutschlands hat sich von 2014 auf 2015 von 1.124 auf 1.194 Mrd. Euro erhöht. Bei einem Kurs von 1,33 US-Dollar je Euro im Jahr 2014 entsprach der Warenexport Deutschlands 1.495 Mrd. US-Dollar (1.124 Mrd. x 1,33 US-Dollar). Durch die Aufwertung des US-Dollars auf einen Kurs von 1,11 US-Dollar je Euro im Jahr 2015 sank der nominale Wert des Warenexports von Deutschland auf 1.327 Mrd. US-Dollar (1.194 Mrd. x 1,11 US-Dollar).

Bei Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums relativiert sich die absolute Zunahme des grenzüberschreitenden Warenhandels, da sich die Weltbevölkerung seit 1960 verzweieinhalbfacht hat. Allerdings nahm auch der Weltwarenexport pro Kopf zwischen 1960 und 2017 nominal um den Faktor 53,2 und real um den Faktor 7,6 zu

Entwicklung des grenzüberschreitenden Warenhandels

Index (1960 = 1), Entwicklung in Prozent und als Faktor, weltweit 1950 bis 2017

Warenproduktion
(konstante Preise)
Warenexport
(konstante Preise)
Warenexport
(laufende Preise)
Index (1960 = 1)
2017 7,0 19,0 132,5
2016 6,8 18,2 119,5
2015 6,7 17,9 123,3
2014 6,5 17,5 142,2
2013 6,3 17,1 141,6
2012 6,2 16,6 138,7
2011 6,0 16,3 138,4
2010 5,9 15,5 115,3
2009 5,6 13,6 94,7
2008 5,8 15,5 122,3
2007 5,7 15,2 105,9
2006 5,5 14,3 91,5
2005 5,3 13,2 79,2
2000 4,6 10,4 48,7
1990 3,4 5,6 26,6
1980 2,5 3,8 15,6
1970 1,7 2,3 2,4
1960 1,0 1,0 1,0
1950 0,6 0,5 0,5
Warenproduktion (konstante Preise) Warenexport
(konstante Preise)
Warenexport
(laufende Preise)
Entwicklung in Prozent
1960-2017 602,9 1.798,8 13.147,5
2000-2017 54,5 82,3 171,9
   
2016-2017 3,0 4,5 10,8
2015-2016 2,3 1,6 -3,1
2014-2015 2,8 2,3 -13,2
2013-2014 2,8 2,4 0,4
2012-2013 2,4 2,6 2,1
2011-2012 2,3 2,0 0,2
2010-2011 2,8 5,5 20,0
2009-2010 4,1 14,0 21,7
2008-2009 -2,1 -12,4 -22,6
2007-2008 1,4 1,9 15,4
2006-2007 3,9 6,1 15,7
2005-2006 4,0 8,5 15,6
   
2000-2010 28,9 48,4 136,7
1990-2000 32,0 86,4 83,4
1980-1990 36,2 46,6 69,8
1970-1980 47,9 67,7 544,2
1960-1970 71,1 127,3 142,9
1950-1960 55,3 109,5 110,3
Warenproduktion (konstante Preise) Warenexport
(konstante Preise)
Warenexport
(laufende Preise)
Entwicklung als Faktor
1960-2017 7,03 18,99 132,48
2000-2017 1,54 1,82 2,72
   
2000-2010 1,29 1,48 2,37
1990-2000 1,32 1,86 1,83
1980-1990 1,36 1,47 1,70
1970-1980 1,48 1,68 6,44
1960-1970 1,71 2,27 2,43
1950-1960 1,55 2,10 2,10

Quelle: World Trade Organization (WTO): World Trade Statistical Review 2018; eigene Berechnungen


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