Zahlen und Fakten: Globalisierung

Entwicklung des grenzüberschreitenden Warenhandels

Index (1960 = 1), in konstanten Preisen, weltweit 1960 bis 2015

Entwicklung des grenzüberschreitenden Warenhandels

Quelle: World Trade Organization (WTO): World Trade Statistical Review 2016; eigene Berechnungen
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

1.11.2016
Kaum etwas veranschaulicht die Globalisierung so deutlich wie die steigende ökonomische Bedeutung des Außenhandels bzw. die Veränderung des Verhältnisses von Warenhandel und Weltwarenproduktion in den letzten Jahrzehnten. Von den weltweit produzierten Waren ist ein immer größer werdender Teil für den Export bestimmt, der Anteil des Warenexports am Welt-Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt inzwischen bei einem Viertel. Zwischen 1950 und 2015 ist der reale Warenexport in 59 Jahren gestiegen und nur sechsmal hat er sich gegenüber dem Vorjahr verringert. In lediglich zwei Jahren fiel der Rückgang stärker aus (1975: -7,3 Prozent / 2009: -12,1 Prozent). Allerdings folgten darauf jeweils Jahre mit einem überdurchschnittlich hohen Wachstum des realen Warenexports (1976: +11,8 Prozent / 2010: +14,1 Prozent).

Fakten



Von 1960 bis 2008 nahm der Warenexport real – also gemessen in konstanten Preisen – um den Faktor 15,6 und die Weltwarenproduktion um den Faktor 5,8 zu. Der Export von Waren stieg dabei durchschnittlich um 5,9 Prozent, die Weltwarenproduktion um 3,7 Prozent pro Jahr. Als Folge erhöhte sich der Anteil der exportierten Waren am Welt-Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 1970 und 2008 von 9,4 auf 25,6 Prozent (2014: 24,5 Prozent).

Die höchsten realen Zuwächse verzeichnete der Warenexport in den beiden Zeiträumen von 1950 bis 1960 und von 1960 bis 1970. Allerdings war zu dieser Zeit der Anteil der zwischen den Staaten gehandelten Waren an den insgesamt produzierten Waren noch gering. Für die Globalisierung ist die reale Steigerung des Warenexports um 86,2 Prozent in den Jahren 1990 bis 2000 bedeutender, da die internationale ökonomische Verflechtung bis 1990 deutlich angestiegen war bzw. der Warenexport 1990 bereits einen Wert von knapp 3,5 Billionen US-Dollar hatte. Im Jahr 2008 lag der Wert der exportierten Waren bei 16,1 Billionen US-Dollar und damit nominal 124-mal höher als 1960. Real nahm der Wert der exportierten Waren zwischen 1960 und 2008 um das 15,6-fache zu.

Als Folge der relativen Zunahme des grenzüberschreitenden Warenhandels gegenüber der Weltwarenproduktion wächst die Bedeutung des Außenhandels für die einzelnen Ökonomien. Dies wird auch bei einer Betrachtung der Außenhandelsquote deutlich: Nach Angaben der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) stieg der prozentuale Anteil der Warenexporte und -importe am weltweiten BIP von 19,1 Prozent im Jahr 1970 auf 51,7 Prozent im Jahr 2008 bzw. 49,1 Prozent im Jahr 2014. Deutschland hat als "Exportnation" eine überdurchschnittlich hohe Außenhandelsquote – 2014 lag sie bei 70,1 Prozent.

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 führte zum stärksten Rückgang des Warenhandels seit 1950. Der reale Warenexport verringerte sich zwischen 2008 und 2009 um 12,1 Prozent. Der nominale Wert der exportierten Waren sank von 16,1 Billionen US-Dollar im Jahr 2008 auf 12,6 Billionen US-Dollar 2009. Der prozentuale Anteil der Warenexporte und -importe am weltweiten BIP reduzierte sich parallel von 51,7 auf 42,2 Prozent. Ein Teil dieser krisenbedingten Rückgänge konnte 2009/2010 wieder ausgeglichen werden. So nahm der reale Warenexport zwischen 2009 und 2010 um 14,1 Prozent zu. Der nominale Wert der exportierten Waren lag 2010 bei 15,3 Billionen US-Dollar – das waren zwar immer noch 847 Milliarden US-Dollar weniger als 2008, aber 2,7 Billionen US-Dollar mehr als im Jahr 2009. Entsprechend erhöhte sich der prozentuale Anteil der Warenexporte und -importe am weltweiten BIP zwischen 2009 und 2010 von 42,2 auf 47,0 Prozent.

Bereits 2010 lag der reale Warenexport leicht höher als vor der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Bis 2015 nahm er um weitere 17,3 Prozent zu – dabei zuletzt um 3,0 Prozent von 2014 auf 2015. Der nominale Wert der exportierten Waren stieg 2010/2011 um 20 Prozent auf 18,3 Billionen US-Dollar und lag damit erstmals über dem Vorkrisenniveau (plus 13,6 Prozent bzw. 2,2 Billionen US-Dollar gegenüber dem Jahr 2008). In den Jahren 2012 bis 2014 fiel das nominale Wachstum des Warenexports mit durchschnittlich 1,2 Prozent deutlich moderater aus. 2014 erreichte der Export mit 19,0 Billionen US-Dollar seinen bisherigen Höchstwert.

Im Gegensatz zum realen Wachstum des Warenexports von 2014 auf 2015 um 3,0 Prozent, hat sich der nominale Warenexport 2014/2015 um 13,6 Prozent verringert. Insbesondere der Preisrückgang bei Energierohstoffen hat einen großen Anteil an dieser Entwicklung. Daneben trug beispielsweise auch der Preisrückgang bei Mineralen und Minenprodukten zum Rückgang des nominalen Warenexports bei.

Datenquelle



World Trade Organization (WTO): World Trade Statistical Review 2016; eigene Berechnungen; United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Online-Datenbank: UNCTADstat

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die Außenhandelsquote ist der prozentuale Anteil der Summe von Im- und Exporten am Bruttoinlandsprodukt eines Staates oder einer Staatengruppe. Dabei werden entweder Waren und Dienstleistungen oder – wie hier – nur Waren berücksichtigt. Die Außenhandelsquote dient als ein Indikator für die Weltmarkteinbindung einer Ökonomie.

Der nominale Außenhandelswert bezieht sich auf den Wert der gehandelten Waren zu den jeweiligen Marktpreisen. Dadurch fließen Preisveränderungen voll in die Berechnungen ein. Modellhaft formuliert kann eine nominale Ausweitung des Außenhandels einerseits bedeuten, dass mehr Güter gehandelt werden, andererseits können aber auch – bei unveränderter Menge – lediglich die Preise der gehandelten Produkte gestiegen sein. Der reale Außenhandelswert ist hingegen unabhängig von Preisveränderungen, da er zu den Preisen eines Basisjahres, also in konstanten Preisen, berechnet wird. Der reale Außenhandelswert steigt nur, wenn tatsächlich mehr Waren gehandelt wurden.

Bei Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums relativiert sich die absolute Zunahme des grenzüberschreitenden Warenhandels, da sich die Weltbevölkerung seit 1960 fast verzweieinhalbfacht hat. Allerdings nahm auch der Weltwarenexport pro Kopf zwischen 1960 und 2015 nominal um den Faktor 50,5 und real um den Faktor 7,5 zu.

Entwicklung des grenzüberschreitenden Warenhandels

Index (1960 = 1), Entwicklung in Prozent und als Faktor, weltweit 1950 bis 2015

Jahr Warenproduktion
(konstante Preise)
Warenexport
(konstante Preise)
Warenexport
(laufende Preise)
Index (1960 = 1)
2015 6,7 18,3 123,1
2014 6,6 17,8 142,4
2013 6,4 17,3 141,5
2012 6,3 16,9 138,7
2011 6,1 16,5 138,4
2010 5,9 15,6 115,3
2009 5,7 13,7 94,7
2008 5,8 15,6 122,3
2007 5,7 15,3 105,9
2006 5,5 14,3 91,5
2005 5,3 13,2 79,2
2000 4,6 10,4 48,7
1990 3,5 5,6 26,6
1980 2,6 3,8 15,6
1970 1,7 2,3 2,4
1960 1,0 1,0 1,0
1950 0,6 0,5 0,5


Zeitraum Warenproduktion
(konstante Preise)
Warenexport
(konstante Preise)
Warenexport
(laufende Preise)
Entwicklung in Prozent
1960-2015 571,0 1.732,0 12.206,0
2000-2015 45,9 76,9 152,6
2014-2015 2,4 3 -13,6
2013-2014 2,5 2,7 0,6
2012-2013 2,2 2,7 2,0
2011-2012 2,3 2,3 0,2
2010-2011 2,9 5,5 20,0
2009-2010 4,1 14,1 21,7
2008-2009 -2,1 -12,1 -22,6
2007-2008 1,5 2,1 15,4
2006-2007 4,0 6,5 15,7
2005-2006 4,1 8,7 15,6
2000-2010 29,2 50,9 136,7
1990-2000 32,0 86,2 83,4
1980-1990 36,1 46,0 69,8
1970-1980 49,7 67,7 544,2
1960-1970 71,1 127,3 142,9
1950-1960 55,3 109,5 110,3


Zeitraum Warenproduktion
(konstante Preise)
Warenexport
(konstante Preise)
Warenexport
(laufende Preise)
Entwicklung als Faktor
1960-2015 6,71 18,32 123,06
2000-2015 1,46 1,77 2,53
2000-2010 1,29 1,51 2,37
1990-2000 1,32 1,86 1,83
1980-1990 1,36 1,46 1,70
1970-1980 1,50 1,68 6,44
1960-1970 1,71 2,27 2,43
1950-1960 1,55 2,10 2,10

Quelle: World Trade Organization (WTO): International Trade Statistics 2016; eigene Berechnungen



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