Zahlen und Fakten: Globalisierung

Aktionärsstruktur von DAX-Unternehmen

25.9.2010
In der Vergangenheit war für Deutschland die Kontrolle von Unternehmen durch Mehrheitsaktionäre oder mehrere Großaktionäre typisch. Die Aktionärsstruktur zeigt heute ein gänzlich anderes Bild.

Aktionärsstruktur von DAX-Unternehmen.Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (© bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Das deutsche System der Finanzierung, Leitung und Kontrolle von Unternehmen hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Ein wesentliches Merkmal ist dabei die sich ändernde Aktionärsstruktur der Großunternehmen. In der Vergangenheit war für Deutschland die Kontrolle von Unternehmen durch Mehrheitsaktionäre oder mehrere Großaktionäre typisch. Bei diesen Großaktionären handelte es sich häufig um andere deutsche Unternehmen, weshalb auch die Bezeichnung 'Deutschland AG' für ein gegenüber ausländischen Investoren stark abgeschottetes Corporate-Governance-System geläufig wurde.

Die Aktionärsstruktur der 30 größten Aktiengesellschaften zeigt heute ein gänzlich anderes Bild. Zwischen 2001 und 2009 ist der durchschnittliche Anteil am Grundkapital in Streubesitz bei DAX-Unternehmen von 64,5 auf 82,6 Prozent gestiegen. Mehrheitseigentümer gibt es unter den DAX-Unternehmen lediglich noch bei der Beiersdorf AG (zu 50,46 Prozent in Besitz der Maxinvest AG) und bei der Volkswagen AG (zu 50,74 Prozent in Besitz der Porsche Automobil Holding SE), wobei bei letzterem Unternehmen nicht die Stammaktien, sondern die Vorzugsaktien im DAX vertreten sind, die sich wiederum zu 100 Prozent in Streubesitz befinden.

Auch von einer Abschottung der Unternehmen gegenüber ausländischen Investoren kann keine Rede mehr sein. Ende 2008 lag der durchschnittliche Auslandsbesitzanteil an den DAX-Unternehmen bei 52,6 Prozent. Im Jahr 2001 lag dieser Wert noch bei 35,5 Prozent. Besonders hoch ist der Anteil ausländischer Investoren beim Pharmakonzern Bayer, dem Sportartikelhersteller Adidas und bei der Deutschen Börse, wo jeweils rund 80 Prozent des Grundkapitals von diesen gehalten werden. Unter den ausländischen Investoren befinden sich viele institutionelle Anlagegesellschaften wie der Templeton-Growth-Fund, der sich an SAP beteiligt hat und der Fidelity Fund, der die Meldeschwelle von 3 Prozent bei Adidas überschritten hat. Die Beteiligungsgesellschaft Capital Group mit Sitz in Los Angeles soll laut der deutschen Wirtschaftspresse an der Hälfte aller Dax-Firmen beteiligt sein.

Die veränderte Aktionärsstruktur bei den DAX-Unternehmen wird teilweise auch kritisch bewertet, da die in den Eigentümerkreis eingerückten institutionellen Investoren im Vergleich zu den strategischen Investoren früherer Jahre in der Regel ein größeres Interesse an der Erzielung kurzfristiger Gewinne haben. Die hohe Streuung des Eigentums macht die DAX-Unternehmen auch potentiell anfällig für Unternehmensübernahmen. Aufgrund der Befürchtung, ausländische Staatsfonds könnten dies in nicht wünschenswerter Weise ausnutzen, wurde im Jahr 2009 das Außenwirtschaftsgesetz und die Außenwirtschaftsverordnung dahingehend abgeändert, dass das Bundeswirtschaftsministerium den Erwerb deutscher Unternehmen durch Investoren aus Ländern außerhalb der EU/EFTA im Hinblick auf eine mögliche Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit prüfen kann.

Datenquelle



Handelsblatt vom 28.12.2008: Übersicht: Anteil der Ausländer am Grundkapital der DAX-Unternehmen (Quelle: Unternehmensangaben); Deutsches Aktieninstitut (DAI): DAI-Factbook Online Datenbank

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Der DAX ist der wichtigste deutsche Aktienindex. Er misst die Entwicklung der 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen am deutschen Aktienmarkt und repräsentiert rund 80 Prozent des in Deutschland zugelassenen Börsenkapitals. Die Zusammensetzung des DAX hat sich mehrfach geändert, sodass sich die Angaben im Schaubild nicht immer auf dieselben 30 Unternehmen beziehen.

Unter Streubesitz wird der Aktienanteil einer Aktiengesellschaft verstanden, der sich nicht in festen Händen befindet, also über den Markt handelbar ist (free float). Nach Definition der Deutsche Börse AG werden alle Aktienpakete unter fünf Prozent dem Streubesitz zugerechnet. Alle Anteile, die von Vermögensverwaltern, Fonds, Kapitalanlagegesellschaften, Treuhand- und Pensionsgesellschaften gehalten werden, gehören definitionsgemäß ebenfalls zum Streubesitz, da bei ihnen eine jederzeitige Handelbarkeit unterstellt wird.

EFTA – European Free Trade Association

Tabelle I: Aktionärsstruktur von DAX-Unternehmen



Anteil ausländischer Investoren am Grundkapital in Prozent, 2001 bis 2008

  2001 2005 2007 2008
Adidas 53,0 68,0 79,0 79,0
Allianz 32,0 40,4 59,1 59,1
BASF 35,0 53,4 50,0 50,0
Bayer 39,0 78,1 78,1
Beiersdorf x x x
BMW
Commerzbank 37,0 51,5 72,5 72,5
Continental 64,0 86,7 72,0 72,0
Daimler 45,0 63,3 63,3
Deutsche Bank 53,0 51,0 46,0 46,0
Deutsche Börse 32,0 65,0 84,0 84,0
Deutsche Lufthansa 36,6 19,1 37,4 37,4
Deutsche Post 15,9 34,4 39,6 39,6
Deutsche Postbank x x 36,9 36,9
Deutsche Telekom 37,6 35,3 51,4 51,4
E.ON 42,2 45,2 54,7 54,7
Fresenius
Medical Care
43,3 44,2 44,2
Henkel
Hypo Real Estate x
Infineon
K+S x x x
Linde 23,8 37,5 34,8 34,8
MAN 19,0 37,0 42,0 42,0
Merck 56,7 56,7
Metro
Münchener Rück 35,0 46,0 69,1 69,1
RWE 15,0 24,0 44,0 44,0
Salzgitter x x x
SAP 49,3 42,5 39,2 39,2
Siemens 48,0 56,6 53,6 53,6
ThyssenKrupp 25,0 20,0 29,9 29,9
TUI 25,0 25,0
Volkswagen 23,3 38,9 23,9 23,9
Durchschnitt (ungewichtet) 35,5 43,8 52,6 52,6

Quelle: Handelsblatt vom 28.12.2008: Übersicht: Anteil der Ausländer am Grundkapital der DAX-Unternehmen (Quelle: Unternehmensangaben)


Tabelle II: Aktionärsstruktur von DAX-Unternehmen



Anteil des Grundkapitals in Streubesitz in Prozent, 2001 bis 2009

  2001 2003 2005 2007 2009
Adidas 91,4 100,0 100,0 100,0 100,0
Allianz 48,6 80,0 100,0 100,0 99,5
BASF 90,0 90,0 100,0 100,0 100,0
Bayer 94,5 94,5 100,0 100,0 100,0
Beiersdorf x x x x 39,6
BMW 44,4 46,9 53,4 53,4 53,4
Commerzbank 63,4 91,0 45,0 62,8
Continental x 79,4 86,5 x
Daimler 81,0 81,0 85,9 92,9 80,5
Deutsche Bank** 93,9 100,0 99,8
Deutsche Börse x 25,5 100,0 100,0 95,3
Deutsche Lufthansa*** 90,0 84,8 91,4 100,0 100,0
Deutsche Post 32,0 55,0 69,4 69,5
Deutsche Telekom 57,0 57,2 63,0 68,3 68,3
E.ON 84,0 84,0 100,0 95,2
Fresenius x x x x 100,0
Fresenius
Medical Care
49,2 64,0 63,8
Henkel 44,2 44,2 38,5 100,0 100,0
HypoVereinsbank 69,3 81,6 x x
Infineon 29,0 88,0 81,8 100,0 100,0
K+S x x x x 74,7
Linde 67,2 67,7 100,0
MAN 73,0 100,0 70,1
Merck 26,0 26,2 100,0
Metro 42,0 44,0 44,4 68,5 39,4
Münchener Rück 54,0 66,8 80,2 100,0 98,8
RWE 88,9 89,0 79,5
Salzgitter x x x x 63,5
SAP 61,2 65,0 67,8 30,0 69,9
Siemens 93,5 93,9 94,0 89,3
ThyssenKrupp 70,0 74,0 80,0 74,9 64,8
TUI 89,9 85,0 x
Volkswagen
(seit 2009 Vz.-
Aktien)****
76,0 76,5 53,0 48,8 100,0
Durchschnitt
(DAX ungewichtet)
64,5 65,6 78,6 82,1 82,6

* 2000 statt 2001, 2006 statt 2007
** 2006 statt 2007
*** 2000 statt 2001
**** 2007 gemäß Geschäftsbericht, 2009 Streubesitzanteil der Stammaktien unter 10 Prozent


Quelle: Deutsches Aktieninstitut (DAI): DAI-Factbook Online Datenbank; Deutsche Börse: deutsche-boerse.com


 
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