Zahlen und Fakten: Globalisierung

Währungsreserven ökonomisch sich entwickelnder Staaten

30.6.2010
Parallel zur zunehmenden Einbindung der ökonomisch sich entwickelnden Staaten in die weltweiten Produktions- und Handelsbeziehungen sind die Währungsreserven massiv gestiegen.

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Fakten



Die Währungsreserven in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten haben in erster Linie die Funktion, den eigenen Wechselkurs in bestimmten Bandbreiten zu stabilisieren und Währungsspekulationen abzuwehren. Starke Wechselkursschwankungen haben ungewollte Folgen für Import- und Exportpreise, Zinsbewegungen, Einkommen und die Staatseinnahmen.

Parallel zur zunehmenden Einbindung der ökonomisch sich entwickelnden Staaten in die weltweiten Produktions- und Handelsbeziehungen sind die Währungsreserven massiv gestiegen. Allein von 1980 bis 1995 erhöhten die ökonomisch sich entwickelnden Staaten ihre Währungsreserven von 153 Milliarden US-Dollar auf 603 Milliarden US-Dollar und damit um knapp 300 Prozent. In dem kürzeren Zeitraum von 1995 bis 2006 stiegen die Währungsreserven nochmals um mehr als 380 Prozent auf 2.919 Milliarden US-Dollar.

Noch deutlicher werden die Bemühungen der ökonomisch sich entwickelnden Staaten beim Aufbau von Währungsreserven, wenn diese in Relation zu den Importen gesetzt werden. Hierfür wird der Reservebestand eines Jahres durch den durchschnittlichen Wert der monatlichen Importe desselben Jahres geteilt. Im Jahr 1980 entsprach die Höhe der Währungsreserven etwa dem vierfachen Wert des durchschnittlichen Monats-Imports. 1995 hatten die Währungsreserven bereits einen Wert, der knapp das sechsfache des Wertes eines Monats-Imports betrug. Und im Jahr 2006 erreichte die Höhe der Währungsreserven ihren bisherigen Höhepunkt – die Reserven der ökonomisch sich entwickelnden Staaten entsprachen dem zehnfachen Wert ihres durchschnittlichen Monats-Imports.

Die Tatsache, dass hohe Bestände an Währungsreserven vor allem für Staaten wichtig sind, die stark in den grenzüberschreitenden Warenhandel eingebunden sind, findet ihre Entsprechung in der Höhe der Währungsreserven der Hauptexporteure von Fertigwaren. In der Gruppe der ökonomisch sich entwickelnden Staaten hatten die Hauptexporteure von Fertigwaren im Jahr 2006 Währungsreserven in Höhe von 2.270 Milliarden US-Dollar; dies entsprach einem Anteil von knapp 78 Prozent an den Währungsreserven aller ökonomisch sich entwickelnden Staaten.

Allein die Währungsreserven Chinas machten mit 1.068 Milliarden US-Dollar 36,6 Prozent aller Währungsreserven der ökonomisch sich entwickelnden Staaten im Jahr 2006 aus. Auf China, Taiwan (266 Mrd. US-Dollar), Südkorea (239 Mrd. US-Dollar) und Indien (171 Mrd. US-Dollar) entfielen zusammen knapp 60 Prozent der Währungsreserven.

Bezogen auf die jeweiligen durchschnittlichen Monats-Importe lag der Wert der Währungsreserven der Hauptexporteure von Fertigwaren über dem Wert der ökonomisch sich entwickelnden Staaten insgesamt. In Indien betrug der Wert der Währungsreserven im Jahr 2006 knapp das zwölffache und in China sogar mehr als das sechzehnfache des Wertes des jeweiligen durchschnittlichen Monats-Imports.

Datenquelle



United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Handbook of Statistics 2008

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Bei den Währungsreserven handelt es sich hier – nach der Definition der UNCTAD – um Bestände verschiedener weltweit gehandelter Währungen (zum Beispiel US-Dollar, Euro, Yen), ohne Gold, plus den Devisenbestand beim IMF bzw. die von den staatlichen Finanzinstitutionen gehaltenen Sonderziehungsrechte.

Nach der Definition der UNCTAD fällt ein ökonomisch sich entwickelnder Staat dann in die Gruppe der Hauptexporteure von Fertigwaren, wenn der Anteil von Fertigwaren an den Exporten bei nicht weniger als 50 Prozent liegt und der Wert dieses Exportanteils, im Durchschnitt der Jahre 2003-2005, bei mindestens 22 Milliarden US-Dollar lag. In der Gruppe der Hauptexporteure von Fertigwaren sind die zwölf Staaten Brasilien, China, Hongkong (als Teil von China), Indien, Malaysia, Mexiko, Philippinen, Singapur, Südkorea, Taiwan, Thailand, Türkei.

Tabelle: Währungsreserven ökonomisch sich entwickelnder Staaten



In absoluten Zahlen und in Relation zu dem durchschnittlichen Wert eines Monats-Imports, 1980 bis 2006

  Währungsreserven*,
in Mrd. US-Dollar
1980 1990 1995 2000 2003 2006
ökonomisch sich entwickelnde Staaten 153 291 603 924 1.559 2.919
davon:  
Asien** 38 186 388 624 1.157 2.184
Süd- und Mittelamerika, Karibik 39 47 129 156 195 310
darunter:  
Südamerika 31 34 106 108 120 206
Afrika 33 25 48 78 122 296
darunter:  
Nordafrika 19 12 30 44 84 190
Naher Osten*** 42 30 37 64 83 127
Ozeanien 0,6 0,8 0,8 0,9 1,1 2

 

  Währungsreserven,
in Monats-Importen****
1980 1990 1995 2000 2003 2006
ökonomisch sich entwickelnde Staaten 4,2 5,1 5,7 6,7 9,6 10,0
davon:  
Asien** 2,3 4,4 4,5 5,9 8,9 9,5
Süd- und Mittelamerika, Karibik 4,0 4,7 6,3 4,8 6,4 6,0
darunter:  
Südamerika 5,7 7,3 9,2 8,6 11,0 9,1
Afrika 4,4 3,2 4,8 7,4 8,7 12,2
darunter:  
Nordafrika 7,2 3,2 7,3 10,9 17,2 22,8
Naher Osten*** 6,9 5,8 5,2 6,7 6,7 5,4
Ozeanien 4,0 4,5 3,3 4,4 4,5 5,2

* alle Reserven, ohne Gold, am Ende des Jahres
** inklusive Iran; Angaben zu dem Verhältnis von Währungsreserven und Monats-Importen berechnet auf Grundlage der Daten der UNCTAD
*** ohne Iran
**** Reservebestand des Jahres geteilt durch den durchschnittlichen Wert der monatlichen Importe des betrachteten Jahres


Quelle: United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Handbook of Statistics 2008


 
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