Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Geburten

26.9.2012
Die Reproduktion einer Bevölkerung ist gewährleistet, wenn die Geburtenziffer bei dem Wert "2,1" liegt, wenn also die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommt, bei 2,1 liegt.

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Fakten



Die Reproduktion einer Bevölkerung ist gewährleistet, wenn die Geburtenziffer dauerhaft bei dem Wert "2,1" liegt, wenn also die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommt, bei 2,1 liegt. Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland war diese Bedingung in den 1960er-Jahren und zuletzt Anfang der 1970er-Jahre gegeben. Die damals geborenen Kinder bilden heute die starken Jahrgänge. Das rapide Sinken der Zahl der Geburten setzte in Ostdeutschland schon 1964 ein, seit 1967 nahm auch in Westdeutschland die Zahl der Geburten kontinuierlich ab. 1975 lag die Geburtenziffer mit 1,45 in West- und 1,54 in Ostdeutschland schon weit unter dem Niveau, das für die Reproduktion notwendig ist.

Im Vergleich zu Ostdeutschland fielen die Schwankungen der Geburtenziffer seit 1975 in Westdeutschland deutlich geringer aus. In diesem Zeitraum wurden die höchsten Werte 1975, 1976 und 1990 mit jeweils 1,45 sowie 1980, 1981 und 1997 mit 1,44 gemessen. Die niedrigste zusammengefasste Geburtenziffer gab es im Westen Deutschlands 1985 mit 1,28. Dabei wurde das Absinken der Geburtenziffer nicht nur dadurch verursacht, dass weniger Kinder als in den Jahren zuvor geboren wurden, sondern zu diesem Rückgang trug auch bei, dass ein immer größerer Teil der Frauen ihre Familiengründung in ein höheres Alter aufgeschoben hat. Bis 1990 stieg die zusammengefasste Geburtenziffer auf 1,45 und schwankte dann zwischen 1,34 und 1,44 Kinder je Frau.

In Ostdeutschland stieg die Geburtenziffer bis 1980 auf 1,94. Im Jahr 1985 lag sie mit 1,73 noch immer deutlich über der westdeutschen Geburtenziffer, aber dann ging auch hier die Geburtenhäufigkeit allmählich wieder zurück. In Folge der wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche nach der deutschen Wiedervereinigung brach die Zahl der Geburten und mit ihr die zusammengefasste Geburtenziffer in Ostdeutschland ein: Von 1990 bis 1993/1994 sank die zusammengefasste Geburtenziffer von 1,52 auf 0,77. Bis 2007 haben sich die auf niedrigem Niveau stagnierende westdeutsche und die langsam steigende ostdeutsche Geburtenziffer stetig angenähert, seit 2008 liegt die Geburtenziffer in Ostdeutschland über der in Westdeutschland.

Im Jahr 2010 kamen in Deutschland 677.947 Kinder zur Welt. Das waren rund 12.800 mehr als 2009. Gleichzeitig stieg die zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland leicht von 1,358 auf 1,393. In Westdeutschland lag die Geburtenziffer im Jahr 2010 bei 1,385, in Ostdeutschland bei 1,459. Im Jahr 2011 kamen wiederum rund 15.000 Kinder weniger zur Welt als 2010. Die Geburtenziffer fiel deutschlandweit auf 1,36 (Westdeutschland: 1,36 / Ostdeutschland: 1,43).

Während die zusammengefasste Geburtenziffer der deutschen Frauen seit Anfang der 1990er-Jahre relativ stabil bei 1,3 liegt, hat sich die Geburtenziffer ausländischer Frauen von 2,0 Kindern je Frau Anfang der 1990er-Jahre auf etwa 1,6 im Jahr 2010 reduziert. Das Statistische Bundesamt führt hierfür drei Gründe an. Erstens spiegelt der Rückgang eine Anpassung an das Verhalten der deutschen Frauen wider. Zweitens ist weltweit ein Rückgang der Geburtenziffern festzustellen, was wiederum Auswirkungen auf die Migrantinnen hat, die stärker durch ihre Ursprungsländer geprägt sind. Drittens hat sich die Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung verändert: Während der Anteil der Frauen mit einer bisher höheren Geburtenhäufigkeit zurückgeht, nimmt der Anteil der Osteuropäerinnen, in deren Ursprungsländern die Geburtenziffern teilweise niedriger sind als in Deutschland, zu.

Parallel zu dieser Entwicklung hat sich die Altersstruktur der ausländischen Mütter verändert: Zwischen 1991 und 2010 nahm die Geburtenhäufigkeit der unter 30-jährigen Ausländerinnen um 42 Prozent ab und die der 30- bis 49-Jährigen um 29 Prozent zu. Die höchste Geburtenziffer hatten nicht mehr die 26-jährigen, sondern die 29-jährigen Ausländerinnen – entsprechend wird der Unterschied zwischen den deutschen und ausländischen Frauen auch in diesem Zusammenhang immer geringer.

Datenquelle



Statistisches Bundesamt: www.destatis.de, Geburten in Deutschland, 2012

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die zusammengefasste Geburtenziffer gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen würde, wenn ihr Geburtenverhalten so wäre wie das aller Frauen zwischen 15 und 49 Jahren im jeweils betrachteten Jahr. Wie viele Kinder ein Frauenjahrgang, auch bezeichnet als Angehörige einer Kohorte, tatsächlich im Durchschnitt geboren hat, kann erst festgestellt werden, wenn die Frauen am Ende des gebärfähigen Alters sind, das zurzeit mit 49 Jahren definiert wird. Zur endgültigen Kinderzahl der Frauen, die jetzt 20 oder 30 Jahre alt sind, können somit heute nur Schätzungen abgegeben werden.

Für die Berechnung der zusammengefassten Geburtenziffer werden alle Geborenen nach dem Alter ihrer Mütter sortiert. Dann wird für jedes Altersjahr berechnet, wie hoch der Anteil der Frauen dieses Alters ist, die in diesem Jahr ein Kind bekommen haben (Zahl der Geburten der Frauen im Alter x dividiert durch die Zahl der Frauen im Alter x multipliziert mit 1.000). Daraus ergeben sich altersspezifische Geburtenziffern für das Alter 15 Jahre, 16 Jahre usw. bis für 49 Jahre. Um die zusammengefasste Geburtenziffer zu erhalten, werden die Werte der einzelnen Altersjahre addiert.

Informationen zur "Kinderzahl und Kinderlosigkeit sowie zur endgültige Kinderzahl" erhalten Sie hier...

Weitere Informationen zum "Alter der Mütter bei der Geburt ihrer Kinder" erhalten Sie hier...

Informationen zur "Entwicklung der Geburtenziffer in Europa" erhalten Sie hier...

Tabelle: Geburten



Zusammengefasste Geburtenziffer*, 1960 bis 2011

  Deutschland Westdeutschland** Ostdeutschland***
1960 2,37 2,33
1965 2,51 2,48
1970 2,02 2,19
1975 1,45 1,54
1980 1,44 1,94
1985 1,28 1,73
1990 1,45 1,45 1,52
1991 1,33 1,42 0,98
1992 1,29 1,40 0,83
1993 1,28 1,39 0,77
1994 1,24 1,35 0,77
1995 1,25 1,34 0,84
1996 1,32 1,40 0,95
1997 1,37 1,44 1,04
1998 1,36 1,41 1,09
1999 1,36 1,41 1,15
2000 1,38 1,41 1,21
2001 1,35 1,38 1,23
2002 1,34 1,37 1,24
2003 1,34 1,36 1,26
2004 1,36 1,37 1,31
2005 1,34 1,36 1,30
2006 1,33 1,34 1,30
2007 1,37 1,38 1,37
2008 1,38 1,37 1,40
2009 1,36 1,35 1,40
2010 1,39 1,39 1,46
2011 1,36 1,36 1,43

* die zusammengefasste Geburtenziffer gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen würde, wenn ihr Geburtenverhalten so wäre wie das aller Frauen zwischen 15 und 49 Jahren im jeweils betrachteten Jahr.
** seit 2001 ohne Berlin-West
*** seit 2001 ohne Berlin-Ost


Quelle: Statistisches Bundesamt: www.destatis.de


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