PISA
10.11.2008
Bei PISA 2006 lag Deutschland in allen drei Kompetenzbereichen über dem OECD-Durchschnitt. Allerdings entsprach der Abstand zu Finnland immer noch etwa zwei Schuljahren.
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Bei den PISA-Erhebungen des Jahres 2000 lag Deutschland in allen drei Kompetenzbereichen – Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften – unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Seitdem haben sich die Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland offenbar langsam verbessert. Für Mathematik und Naturwissenschaften entspricht der Kompetenzunterschied 2006 gegenüber 2000 etwa dem Lerngewinn von zwei Dritteln eines Schuljahres. Der Kompetenzunterschied beim Lesen fiel hingegen so gering aus, dass er auch ein Zufallsergebnis der Erhebung sein kann. Laut der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) ist der Zuwachs der Lesekompetenz in der Grundschule signifikant, macht aber weniger als ein halbes Schuljahr aus. Bei PISA 2006 lag Deutschland in allen drei Kompetenzbereichen über dem OECD-Durchschnitt. Allerdings entsprach der Abstand zu Finnland immer noch etwa zwei Schuljahren.
Neben der Entwicklung des mittleren Kompetenzniveaus ist von Bedeutung, ob sich der Rückstand leistungsschwacher Gruppen gegenüber leistungsstarken Kindern und Jugendlichen im Laufe der Jahre weiter verstärkt oder abgeschwächt hat. Deutschland lag im Primarbereich hinsichtlich der Spannweite der Lesekompetenz unverändert im Mittelfeld der IGLU-Teilnehmerstaaten. Im Sekundarbereich gehörte Deutschland 2006 zu den Staaten mit unverändert großer Spannweite – also einem hohem Rückstand der schwachen Leser. Auch im Bereich der Mathematik und der Naturwissenschaften sind die bei PISA 2006 gemessenen Streuungen erheblich. Auffallend ist allerdings, dass sich die Leistungen der deutschen Schüler erst nach dem Übertritt in das System der Sekundarschulen auseinander entwickeln.
Neben der breiten Leistungsstreuung gehörte zu den alarmierenden Ergebnissen von PISA 2000, dass in Deutschland der Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status der Herkunftsfamilie und der Schülerleistung enger war als in allen anderen OECD-Staaten. 2006 fiel der Einfluss der sozialen Herkunft allerdings geringer aus. Trotzdem sind herkunftsbedingte Disparitäten in vielen OECD-Staaten, insbesondere den nordischen, nach wie vor weniger stark ausgeprägt.
Im Grundschulbereich gehört Deutschland zu den Staaten, bei denen sich die Kopplung zwischen sozialer Herkunft und Leseleistung zwischen 2001 und 2006 nicht verändert hat; Deutschland liegt weiterhin im internationalen Durchschnittsbereich. Werden allerdings weitere Indikatoren berücksichtigt, die erst bei IGLU 2006 verfügbar waren, ergibt sich für Deutschland ein im internationalen Vergleich ungünstiger Wert.
Schüler mit Migrationshintergrund erreichten bei den internationalen Vergleichsuntersuchungen in allen erfassten Kompetenzbereichen deutlich niedrigere Testleistungen als Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund. Deutschland ist unter den OECD-Staaten derjenige Staat, bei dem im PISA-Naturwissenschaftstest 2006 sowie im PISA-Mathematiktest 2003 der stärkste Leistungsrückstand gefunden wurde. Bei Grundschülern verringerte sich der Leistungsunterschied zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund leicht. Insgesamt verzeichnete Deutschland auch 2006 – trotz der Verbesserung gegenüber 2001 – hohe migrationsbedingte Disparitäten; nur in Norwegen fallen diese Unterschiede signifikant stärker aus.
Der große Rückstand, den Jungen schon in der Grundschule, noch mehr aber im Sekundarbereich I gegenüber gleichaltrigen Mädchen haben, wenn es um Lesefähigkeit, Leseinteresse und Lesepraxis geht, hat sich etwas verringert: Der Leistungsvorsprung der Mädchen hat sich zwischen 2001 und 2006 von 13 Punkten auf 7 Punkte nahezu halbiert. Das bessere Abschneiden der Jungen ist maßgeblich verantwortlich für den insgesamt positiven Trend bei IGLU.
Im Sekundarbereich zeigt sich keine derartige Tendenz. Der Leistungsvorsprung der Mädchen bei der Lesekompetenz ist seit 2000 in allen OECD-Staaten signifikant und er ist insgesamt sogar etwas stärker geworden. Der Kennwert für Deutschland lag auch 2006 etwa im OECD-Durchschnitt. Bei der mathematischen Kompetenz erreichten in 23 von 30 OECD-Staaten die Jungen signifikant bessere Leistungen als die Mädchen. Dieser Vorsprung ist in Deutschland stärker geworden, nur Japan und Österreich hatten 2006 ähnlich starke Geschlechtsunterschiede in der mathematischen Kompetenz. In den Naturwissenschaften bleiben die geschlechtsspezifischen Leistungsunterschiede national wie international unbedeutend.
Datenquelle
»Bildung in Deutschland 2008«, »W. Bertelsmann Verlag«; PISA-Konsortium Deutschland (2007), PISA 2006
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
PISA ist eine im Dreijahresturnus durchgeführte Erhebung der Kenntnisse und Fähigkeiten 15-Jähriger. Sie ist das Produkt einer Kooperation zwischen den teilnehmenden Ländern im Rahmen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). An PISA 2006 nahmen mehr als 400.000 Schüler aus 57 Ländern teil.
Mit der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) wird das Leseverständnis von Schülern der vierten Jahrgangsstufe international vergleichend getestet.
Tabelle: PISA – Kennwerte zum Kompetenzstand von 15-Jährigen
Nach Staaten, Mittelwerte, 2006
| Lese- kompetenz |
Mathe- matische Kompetenz |
Naturwissen- schaftliche Kompetenz |
|
| OECD-Durchschnitt | 492 | 498 | 500 |
| Korea | 556* | 547* | 522* |
| Finnland | 547* | 548* | 563* |
| Kanada | 527* | 527* | 534* |
| Neuseeland | 521* | 522* | 530* |
| Irland | 517* | 501 | 508* |
| Australien | 513* | 520* | 527* |
| Polen | 508* | 495 | 498 |
| Schweden | 507* | 502 | 503 |
| Niederlande | 507* | 531* | 525* |
| Belgien | 501* | 520* | 510* |
| Schweiz | 499* | 530* | 512* |
| Japan | 498* | 523* | 531* |
| Vereinigtes Königreich | 495 | 495 | 515* |
| Deutschland | 495 | 504 | 516* |
| Dänemark | 494 | 513* | 496 |
| Österreich | 490 | 505* | 511* |
| Frankreich | 488 | 496 | 495 |
| Island | 484** | 506* | 491** |
| Norwegen | 484** | 490 | 487** |
| Tschechische Republik | 483** | 510* | 513 |
| Ungarn | 482** | 491** | 504 |
| Luxemburg | 479** | 490** | 486** |
| Portugal | 472** | 466** | 474** |
| Italien | 469** | 462** | 475** |
| Slowakei | 466** | 492** | 488** |
| Spanien | 461** | 480** | 488** |
| Griechenland | 460** | 459** | 473** |
| Türkei | 447** | 424** | 424** |
| Mexiko | 410** | 406** | 410** |
* signifikant über dem OECD-Durchschnitt
** signifikant unter dem OECD-Durchschnitt
Quelle: Bildung in Deutschland 2008, W. Bertelsmann Verlag; PISA-Konsortium Deutschland (2007), PISA 2006
