Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

Einkommenskomponenten der Bevölkerung ab 65 Jahren

16.4.2014
Aufgrund ihrer Verbreitung wird die Leistung der gesetzlichen Rentenversicherung häufig mit dem gesamten Alterseinkommen gleichgesetzt. Allerdings beziehen auch ältere Menschen ihr Einkommen aus unterschiedlichen Quellen.

Die wichtigsten Einkommensquellen der Bevölkerung ab 65 Jahren (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten



Gemessen an der Verbreitung ist die gesetzliche Rentenversicherung (RV) das mit Abstand bedeutendste Alterssicherungssystem in Deutschland. Im Jahr 2011 bezogen in Westdeutschland 89 Prozent der Männer und 86 Prozent der Frauen ab 65 Jahren eine eigene Rente der gesetzlichen Rentenversicherung. In Ostdeutschland lagen die Anteile jeweils bei 99 Prozent. Aufgrund ihrer Verbreitung wird die Leistung der gesetzlichen Rentenversicherung häufig mit dem gesamten Alterseinkommen gleichgesetzt. Allerdings beziehen auch ältere Menschen ihr Einkommen aus unterschiedlichen Quellen. Die gesetzlichen Renten bilden demnach das Gesamteinkommen der Rentner häufig nur unzureichend ab. Zudem sollte das jeweilige Wohlstandsniveau unter Berücksichtigung des Haushaltseinkommens beurteilt werden.

Nach Angaben der repräsentativen Studie "Alterssicherung in Deutschland (ASiD)" stammten im Jahr 2011 im Durchschnitt 64 Prozent des Bruttoeinkommensvolumens der 65-jährigen und älteren Personen aus der gesetzlichen Rentenversicherung und 21 Prozent aus anderen Alterssicherungssystemen (zum Beispiel Betriebsrenten, Beamtenpensionen, Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst). Die private Vorsorge hatte einen Anteil von 9 Prozent und lediglich ein Prozent entfiel auf Transferleistungen wie Wohngeld-, Sozialhilfe- oder Grundsicherungszahlungen. 6 Prozent des Bruttoeinkommensvolumens stammten aus anderen Einkommensquellen (darunter Zinsen, Mieteinnahmen, Lebensversicherungen).

Allerdings unterscheidet sich die Zusammensetzung des Bruttoeinkommens erheblich zwischen West- und Ostdeutschland. So stammten im Jahr 2011 in Westdeutschland im Durchschnitt lediglich 58 Prozent des Bruttoeinkommensvolumens der 65-jährigen und älteren Personen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. In Ostdeutschland lag der Anteil hingegen bei 91 Prozent. Entsprechend hatten andere Alterssicherungssysteme und die private Vorsorge in Westdeutschland mit 24 bzw. 10 Prozent eine deutlich größere Bedeutung als in Ostdeutschland mit 2 bzw. 3 Prozent.

Bei den Rentnerhaushalten mit einer Bezugsperson ab 65 Jahren verfügten Ehepaare in Westdeutschland im Jahr 2011 über ein monatliches Nettoeinkommen von 2.614 Euro je Monat (2007: 2.350 Euro). Bei alleinstehenden Männern lag das Einkommen laut ASiD bei 1.615 Euro und bei alleinstehenden Frauen bei 1.310 Euro im Monat (2007: 1.568 bzw. 1.201 Euro). In Ostdeutschland verfügten Ehepaare im selben Jahr über ein Nettoeinkommen von durchschnittlich 2.019 Euro (2007: 1.937 Euro), bei alleinstehenden Männern bzw. Frauen waren es 1.310 bzw. 1.219 Euro im Monat (2007: 1.188 Euro bzw. 1.152 Euro).

Sowohl die Angaben zu den Ehepartnern als auch die zu den Alleinstehenden lassen sich noch weiter differenzieren. So verfügten im Jahr 2011 die verheirateten Männer in Westdeutschland über ein Nettoeinkommen von durchschnittlich 1.915 Euro pro Monat. Bei den alleinstehenden Männern hatten Witwer mit 1.752 Euro das höchste Durchschnittseinkommen, gefolgt von den Geschiedenen mit 1.565 Euro und den Ledigen mit 1.395 Euro. In Ostdeutschland lag das Nettoeinkommen der verheirateten Männer bei 1.228 Euro. In der Gruppe der Alleinstehenden erzielten wiederum die Witwer das höchste Einkommen (1.448 Euro), vor den Geschiedenen (1.191 Euro) und Ledigen (1.042 Euro). Die verheirateten Frauen in Westdeutschland verfügten über ein Nettoeinkommen von durchschnittlich 712 Euro pro Monat und damit über deutlich weniger als verwitwete (1.339 Euro), ledige (1.321 Euro) und geschiedene (1.150 Euro) Frauen. In Ostdeutschland lag das separat betrachtete Nettoeinkommen verheirateter Frauen bei 777 Euro und damit ebenfalls unter dem Durchschnittseinkommen von Witwen (1.314 Euro), ledigen (1.013 Euro) und geschiedenen (917 Euro) Frauen.

In Ostdeutschland konzentrieren sich die Nettoeinkommen auf vergleichsweise wenige Einkommensklassen. So lag bei 67 Prozent der Ehepaare das Nettoeinkommen zwischen 1.500 und unter 2.500 Euro. In Westdeutschland galt dies nur für 44 Prozent der Ehepaare – die Einkommen sind hier also stärker gestreut. Von den Alleinstehenden in Ostdeutschland bezogen zwei Drittel der männlichen und gut drei Viertel der weiblichen Personen ein Einkommen zwischen 700 und unter 1.500 Euro (Männer: 66 Prozent / ledige Frauen: 78 Prozent, geschiedene Frauen: 77 Prozent, Witwen: 75 Prozent). Wie bei den Ehepaaren waren auch bei den Alleinstehenden die Nettoeinkommen in Westdeutschland stärker gestreut als in Ostdeutschland.

Alterseinkommen ab 2.500 Euro, die sich in den meisten Fällen aus mehreren Leistungen zusammensetzen, hatten in Ostdeutschland 15 Prozent der Ehepaare, zwei Prozent der alleinstehenden Männer und ein Prozent der ledigen Frauen. In Westdeutschland waren es hingegen 35 Prozent der Ehepaare, 11 Prozent der alleinstehenden Männer, 5 Prozent der ledigen Frauen, 3 Prozent der geschiedenen Frauen und 6 Prozent der Witwen, die über ein Nettoeinkommen von 2.500 Euro und mehr verfügten.

Wird nur das Einkommen aus der gesetzlichen Rentenversicherung betrachtet, entfielen im Jahr 2011 bei den Männern in Westdeutschland sieben Prozent der Netto-GRV-Renten auf Beträge unter 325 Euro. Bei den Frauen lag der entsprechende Anteil sogar bei 39 Prozent. Die Männer in Ostdeutschland erhielten nur in Ausnahmefällen eine GRV-Rente von weniger als 325 Euro und auch bei den Frauen lag der Anteil mit fünf Prozent deutlich niedriger als in Westdeutschland. Niedrige gesetzliche Renten sind jedoch in den meisten Fällen nicht mit einer schlechten Einkommensposition gleichzusetzen: Viele Bezieher von Kleinstrenten sind ehemalige Selbstständige mit privater Absicherung oder Beamte mit Pensionen sowie über den Ehepartner abgesicherte Personen. Entsprechend treten – bei einer Betrachtung aller Einkünfte – Nettoeinkommen von unter 300 Euro in Ostdeutschland nur in wenigen Ausnahmefällen auf und auch in Westdeutschland waren davon 2011 lediglich zwei Prozent der ledigen und ein Prozent der geschiedenen Frauen sowie ein Prozent der alleinstehenden Männer betroffen.

Datenquelle



Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Rentenversicherungsbericht 2013; BMAS/TNS Infratest Sozialforschung: Alterssicherung in Deutschland 2011 (ASiD 2011)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Die repräsentative Studie "Alterssicherung in Deutschland (ASiD)" wird seit 1986 in mehrjährigem Turnus von TNS Infratest Sozialforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) durchgeführt. Die Studie enthält Informationen zur Art und Höhe von Einkommen der Bevölkerung ab 55 Jahren auf der Personen- und Ehepartnerebene. Sie basiert auf Angaben von insgesamt 27.631 Personen (2011).

Die untersuchten Nettoeinkommen ergeben sich aus den Bruttoeinkommen nach Abzug der Beiträge zur Sozialversicherung – dies sind bei Personen ab 65 Jahren die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung – sowie gegebenenfalls der Einkommensteuern.

Tabelle: Einkommenskomponenten der Bevölkerung ab 65 Jahren



In Prozent des Bruttoeinkommensvolumens, 2011

gesetzliche Renten-versicherung andere Alterssicherungs-leistungen private Vorsorge Transfer-leistungen restliche Einkommen
Deutschland
alle Personen 64 21 9 1 6
Ehepaare 57 21 10 1 12
alleinstehende Männer 62 22 9 1 6
alleinstehende Frauen 72 17 7 1 4
Westdeutschland
alle Personen 58 24 10 1 7
Ehepaare 51 25 11 1 12
alleinstehende Männer 58 25 9 1 6
alleinstehende Frauen 67 20 8 1 4
Ostdeutschland
alle Personen 91 2 3 0 3
Ehepaare 85 3 3 0 9
alleinstehende Männer 86 4 4 1 6
alleinstehende Frauen 94 1 2 1 2

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Rentenversicherungsbericht 2013; BMAS/TNS Infratest Sozialforschung: Alterssicherung in Deutschland 2011 (ASiD 2011)


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