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Money for nothing?

Fundraising als Finanzierungsperspektive für politische und kulturelle Bildung


14.12.2010
Professionelle Förderantragstellung ist unerlässlich - innovativ erweitern können und sollten Träger kultureller und politischer Bildungsarbeit ihre Finanzierungskonzepte aber noch mit Mitteln des Fundraising. Dabei sind Fundraiser/ -innen keine Bittsteller, sondern sorgen dafür, dass ihre Organisation unabhängig wirken und Raum zur (finanziellen) Partizipation bieten kann.

Für 'n Appel und 'n Ei. Foto: Tim Toppik/ photocase.comFür 'n Appel und 'n Ei. (© Tim Toppik/ Photocase)

Boom der Projektförderung – professionelles Antragsmanagement



Seit einigen Jahren erlebt die Projektförderung einen Boom. Angesichts knapper öffentlicher Kassen wird die institutionelle Förderung im kulturellen Bereich, ebenso wie für die politische Bildung, immer seltener. Öffentliche Förderer, aber auch private Stiftungen, setzen auf Projekte, da der finanzielle, zeitliche und personelle Rahmen für sie dadurch besser planbar wird. Das Risiko für den Förderer ist überschaubar. Es werden konkrete Ergebnisse angestrebt, ohne dass langfristige Verpflichtungen eingegangen werden. Umgekehrt eröffnet diese Entwicklung Möglichkeiten für neue nicht-staatliche Organisationen und die Chance "Vielfalt und Angebote von unten zu fördern", wie Ernst-Reinhard Beck, der Vorsitzende des Kuratoriums der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb auf einer Tagung der Konrad Adenauer Stiftung betonte.[1] Gerade relativ junge und besonders engagierte Initiativen erhalten so die Chance für eine Startfinanzierung.

Dennoch wird die antragsbasierte Projektförderung von den Trägern der politischen und kulturellen Bildung häufig als großes Problem beklagt. Birgit Marzinska stellt hierzu fest: "Immer wieder schwierig finden wir, dass gerne Modellprojekte usw. gefördert werden, es aber für Vereine und kleinere Träger sehr schwierig ist, kontinuierlich unterstützt zu werden. In der Projektarbeit geht sehr viel Zeit für die Mittelbeschaffung und später für die Abrechnung verloren." [2]

Von der Idee zum Konzept



Für die zivilgesellschaftlichen Akteure im Bereich der Bildungsarbeit – egal ob etabliert oder neu im Geschäft – ist es daher besonders wichtig, ein professionelles Antragsmanagement aufzubauen. Hierzu gehört neben professionellem Projektmanagement eine systematische Beobachtung und Auswertung der bestehenden antragsbasierten Fördermittel. Je professioneller die Einrichtung hier aufgestellt ist, desto effektiver wird die Mittelbeschaffung ausfallen. Es gilt, Standards und Routinen zu entwickeln, die den beklagten Zeitaufwand erheblich reduzieren können. Gerade für Projekte der politischen und kulturellen Bildung hat sich ein "bottom up" basiertes Vorgehen bewährt.

Bei der Projektplanung sollte zunächst auf der Basis einer Ideenskizze ein fördermittelunabhängiges Konzept entwickelt werden. Die bestehende Idee sollte möglichst nicht ausschließlich aufgrund neuer Förderressourcen – also nach dem "top down"-Prinzip – entwickelt werden. Bei der Konzeptentwicklung kann auf zahlreiche bewährte Checklisten zurückgegriffen werden, die in die meisten der gängigen Förderanträge übertragen werden können.

Ein solches Verfahren stellt die eigene Idee und Expertise in den Mittelpunkt und entwickelt von Anfang an ein Verfahren, mit dem die unterschiedlichsten Förderanträge bearbeitet werden können. Nach Fertigstellung des Konzepts folgt die systematische Suche der passenden Förderressource. Der Antragsteller sollte das für das eigene Anliegen passende Förderprogramm möglichst genau identifizieren. Die Erfolgschancen steigen exponentiell, wenn das Anliegen des zu fördernden Projekts exakt auf die in den meisten Fällen klar formulierten Förderkriterien passt und der potentielle Förderer nicht erst von den Vorstellungen des Antragsstellers überzeugt werden muss. Dies gilt umso mehr bei Förderprogrammen, die inzwischen häufig ausgeschrieben werden und besonders klare Vorgaben machen. Das gezielte Vorgehen und die genaue Beobachtung von Förderressourcen führen hier oft zu dem gewünschten Ziel.

Der Finanzierungskuchen. Quelle: Daniel KraftDer Finanzierungskuchen. (© Daniel Kraft)
In sämtlichen Bereichen der Bildungs- und Kulturförderung in Deutschland dominieren nach wie vor öffentliche antragsbasierte Fördermittel. Diese Fördermittel können wie folgt kategorisiet werden: Unterschieden werden soll zwischen multilateralen Mitteln (z.B. Mittel der EU, des Europarates), bilateralen Mitteln (z.B. des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds oder des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes), nationalen Mitteln (z.B. der Bundeszentrale für politischen Bildung, den Landeszentralen für politische Bildung oder der politischen Stiftungen, dem BMFSFJ, der Kulturstiftung des Bundes), Landes-, Kommunal- oder regionalen Mitteln sowie Fördermitteln von privaten Stiftungen (z.B. der Robert Bosch Stiftung, der Stiftung Mercator oder der Körber-Stiftung). Im Idealfall lassen sich diese Fördermittel ergänzen und zu einem "Fördermix" kombinieren.


Fußnoten

1.
www.kas.de/wf/de/71.7637
2.
www.bpb.de/die_bpb/QM1ATT,0,Ausgabe_April_2009.html, Stand: Dezember 2010.