Akquisos

4.12.2014

Europareise Fundraising: Slowenien

"Wir haben noch viel Arbeit vor uns!"

Livija Rojc ŠtremfeljLivija Rojc Štremfelj (© Mario Plešej)
Der slowenische Verband für die Entwicklung von Non-Profit Organisationen "ZRNO" (Združenje za razvoj nepridobitnih organizacij) wurde erst 2013 gegründet. Das organisierte professionelle Fundraising steckt also noch in den Kinderschuhen. Akquisos sprach mit der Vorsitzenden Livija Rojc Štremfelj über ehrenamtliches Engagement und die Herausforderungen für Fundraiserinnen und Fundraiser in Slowenien.
Weitere Informationen über ZRNO: www.fundraising.si

Akquisos: Frau Rojc Štremfelj, wie sind Sie zum Thema Fundraising gekommen?
Ich engagiere mich schon lange in ehrenamtlicher Kulturarbeit. Daneben habe ich für die gemeinnützige Organisation "Rdeči noski" (Anm. d. Red.: "Rote Nasen", Clowns die Kinder in Krankenhäusern besuchen) gearbeitet. Dann habe ich mich als Beraterin mit einer eigenen Agentur selbstständig gemacht. Anfangs ging es mir vor allem um Unterstützung für junge Künstlerinnen und Künstler. Später habe ich gesehen, dass das Wissen über Fundraising für viele Organisationen sehr nützlich ist. Ich habe Fundraising-Treffen organisiert und wir haben vor einem Jahr den Verband "ZRNO" gegründet.

Akquisos: Welchen Stellenwert haben Spendeneinnahmen im Finanzierungsmix gemeinnütziger Organisationen in Slowenien?
Im Jahr 2012 machten Spendeneinnahmen nur 9 % der Budgets von Non-Profit-Organisationen in Slowenien aus. Da ist viel Potenzial für weitere Entwicklung. Bei den gemeinnützigen Organisationen ist der Anteil 12 %. Diesen ist stärker bewusst, dass man planmäßig am Fundraising arbeiten muss, weil Spenden von Personen und Unternehmen für diese Organisationen eine wichtige Quelle der Finanzierung sind.

Akquisos: Wie ist die Spendenbereitschaft in Slowenien ausgeprägt? Und wie zeigt sich diese Unterstützung konkret?
In Slowenien spenden 31 % der Bevölkerung mindestens einmal jährlich. Die durchschnittliche Spendenhöhe beträgt 20 Euro und im Jahr spenden die Leute durchschnittlich 45 Euro. Es gibt auch sehr viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, zum Beispiel in der Feuerwehr, in Kultur- und Sportvereinen.

Akquisos: Wie viele Vereine oder NGOs gibt es?
Enorm viele. Insgesamt gibt es 22.000 Vereine, dazu kommen noch 3.000 private Organisationen und Institute. Die Mehrheit der Vereine basiert auf ehrenamtlichem Engagement. In allen NGOs sind zusammengenommen rund 7.000 Leute angestellt.

Akquisos: Wer sind die wichtigsten Akteure bei der Unterstützung zivilgesellschaftlichen Engagements in Slowenien?
Die meisten Organisationen fahren einen Slalom zwischen privaten und staatlichen Unterstützungen. Im Jahr 2007 gab es einen großen Boom im NGO-Sektor, als der Staat die Möglichkeit einführte, dass bis zu 0,5 % der Einkommensteuer an gemeinnützige und Non-Profit-Organisationen zugeteilt werden können. Die Regierung veröffentlicht jedes Jahr eine Liste der empfangsberechtigten Organisationen, aus denen die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler selbst auswählen können. Zuletzt haben 39% der Slowenen diese Möglichkeit genutzt und insgesamt etwa 3,6 Mio. Euro an 4400 verschiedene Organisationen vergeben.

Akquisos: Welche politischen, rechtlichen oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflussen das Fundraising in Slowenien besonders?
In Slowenien beträgt die maximale Begünstigung 0,03 % der gesamten steuerpflichtigen Einnahmen. Das heißt, wenn ein Unternehmen mit 10.0000 Euro steuerpflichtigen Einnahmen meiner Organisation etwas spenden würde, würde es nur 300 Euro von der Steuerbemessungsgrundlage entzogen bekommen. Gerade für kleinere Unternehmen lohnt sich das Spenden also kaum. Hier sollte der Staat noch nachbessern. Auch bei der Einkommensteuer sollten Spenden für gemeinnützige Organisationen angerechnet werden.

Akquisos: Wo sehen Sie das größte Potenzial im Fundraising Sloweniens in den nächsten 5–10 Jahren?
Die öffentlichen Mittel werden immer knapper und das Potenzial liegt sicherlich in den privaten Spendern und Unternehmen. Es muss sehr viel Arbeit hinein gesteckt werden, die Ergebnisse werden aber erst nach fünf oder mehr Jahren sichtbar. Wir stehen in Slowenien noch ziemlich am Anfang mit dem professionellen Fundraising. Wir haben noch viel Arbeit vor uns, die Leute und Organisationen in Sachen Fundraising fortzubilden.

Die Organisationen müssen verstehen lernen, dass sie sich intensiv um Fundraising bemühen müssen. Sie müssen erkennen, dass es sich lohnt, einen eigenen qualifizierten Fundraiser zu beschäftigen. Die Fundraiserinnen und Fundraiser müssen sich ständig fortbilden, neue Ideen kennen lernen, viel mit anderen Organisationen kommunizieren. Wenn wir Fundraiser/-innen gemeinsam arbeiten, können wir viel erreichen. Daher sind unser Verband und unsere Treffen so wichtig.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei all Ihren Vorhaben!

Das Interview führte Mario Plešej (Socialna akademija, Ljubljana) am Rande des 3. Treffens der slowenischen Fundraiser/-innen in Debeli rtič am 11. Oktober 2014.