Ahmadinedschad auf der Konferenz "The World without Zionism".
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Traditioneller und moderner Antisemitismus


28.11.2006
Umfragen zeigen: Vor allem in Deutschland ist der Antisemitismus ungebrochen stark. Oft tarnt sich die feindselige Einstellung im Kern jedoch in neuen Gewändern.

Demonstration gegen den Krieg im Libanon am 21.07.2006 in Berlin.Demonstration gegen den Krieg im Libanon am 21.07.2006 in Berlin. (© Ralf Fischer/Agentur Ahron)

Antisemitismus in modernem Gewand



Die Verbreitung traditionell offener antisemitischer Einstellungen in Deutschland ist nach wie vor erschreckend. Beispielsweise stimmten in der Studie "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF)", die von Prof. Wilhelm Heitmeyer (Universität Bielefeld) geleitet wird, im Jahr 2005 21% der Befragten der klassischen antisemitischen Aussage: "Juden haben zu viel Einfluss" eher oder voll und ganz zu , 13% waren der Ansicht, "durch ihr Verhalten sind die Juden an ihren Verfolgungen mitschuldig" (17,4 % in 2004) und ein Jahr zuvor stimmten 62,2% der Aussage zu: "Ich bin es leid, immer wieder von den deutschen Verbrechen an den Juden zu hören." Das ist zwar kein deutscher Einzelfall, denn auch in anderen europäischen Ländern, wie z.B. Österreich, Frankreich oder Belgien, sind antisemitische Vorurteile weit verbreitet (Bergmann, im Druck), aber der Antisemitismus in Deutschland ist konsistent besonders stark.

Dabei entwickeln sich zunehmend viele Facetten, die einen 'neuen', modernen Antisemitismus prägen, der nicht direkt erkennbar ist. Er kommuniziert Antisemitismus auf Umwegen, indem er klassische Mythen über Juden und das Judentum so transformiert, dass traditionelle Ächtungen umgangen oder in Frage gestellt werden. Dieser Dynamik, seiner Bedeutung und möglichen Ursachen gehen wir im Folgenden nach. Dabei konzentrieren wir uns vor allem auf Analysen aus dem GMF-Projekt, denn dort wird eine theoretische Differenzierung traditioneller und moderner Facetten vorgenommen, im Kontext anderer Vorurteile analysiert und messbar gemacht.

Das GMF-Projekt beobachtet seit 2002 und mit besonderem Schwerpunkt in 2004 systematisch den Antisemitismus in einer jährlichen, repräsentativen Umfrage der deutschen Bevölkerung. Der Antisemitismus wird definiert als Element eines Syndroms der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, das auch Vorurteile gegenüber anderen Gruppen beinhaltet. Bestimmt werden diese durch den Kern einer Ideologie der Ungleichwertigkeit. Die Daten bestätigen die Annahme, dass Personen, die antisemitischen Aussagen zustimmen, auch mit einer größeren Wahrscheinlichkeit dazu neigen, Zuwanderer, Muslime, Frauen, homosexuelle, behinderte und obdachlose Menschen abzuwerten.

Befürchtungen, der Antisemitismus sei in den letzten Jahren signifikant angestiegen, bestätigen sich nicht, verfolgt man die Mentalität in der breiten Bevölkerung. Das Ausmaß des klassischen Antisemitismus in Deutschland ist in den vergangenen Jahren weitgehend stabil geblieben. So vermuteten bereit in 2002 22% der Befragten einen zu großen Einfluss von Juden und 17% machten ihnen den Vorwurf der Mitschuld an ihrer Verfolgung.


 

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