Ahmadinedschad auf der Konferenz "The World without Zionism".
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Antisemitismus als Gegenstand des Schulunterrichts


24.11.2006
Holocaust-Erziehung kann Jugendliche zwar sensibel machen für die Gefahren des Antisemitismus, aber nicht immunisieren. Die Maßnahmen der Aufklärung müssen umfassender sein.

TafelTafel (© Gary Fordham / sxc.hu)

Schule – Spiegelbild der Gesellschaft



Schule ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Die Kommunikationslatenz im öffentlichen Umgang mit antisemitischen Phänomenen, also die Ablehnung, über die negativen Konstrukte gegenüber Juden öffentlich zu reden, schlägt sich auch im pädagogischen Umgang mit dem Thema nieder. Obgleich die antisemitische Welle in Europa im Frühjahr 2002 mit hohen Werten antisemitischer Latenz und manifesten Übergriffen auf Juden in einer Reihe von europäischen Länder inzwischen im internationalen und nationalen Rahmen thematisiert werden, gibt es bisher noch wenig pädagogische Konzepte, wie diesem Phänomen im Schulunterricht zu begegnen ist.

Antisemitische Stereotypenmuster haben sich insofern grundlegend geändert, als an Stelle "der Juden" der Zionismus und insbesondere Israel getreten sind. Deshalb gilt heute um so mehr, dass "Holocaust-Erziehung" nicht gegen Antisemitismus immunisiert. Dies sollte auch vor dem Hintergrund beleuchtet werden, dass die Vermittlung der Geschichte des Holocaust heute immer häufiger auf Ablehnung stößt, weil Schüler glauben, bereits alles darüber zu wissen oder sich gegen einen moralisierenden Impetus wehren bzw. gar einen von "Juden" oktroyierten imaginierten Erinnerungszwang empfinden. Die Thematisierung der nationalsozialistischen Judenverfolgung im Unterricht bedeutet für Lehrer heute, häufig konfrontiert zu werden mit aktuellen antisemitischen Stereotypen, die sie dem Dilemma aussetzen, unzureichend darauf vorbereitet zu sein. Praktische Erfahrungen haben gezeigt, dass die Vermittlung von Kenntnissen über die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust kein Präventivmittel gegen antisemitische Einstellungen ist, ebenso wenig wie sie rechtsextremen Dispositionen entgegenwirken kann. Wir müssen uns die Frage stellen, ob das Projekt "Holocaust-Erziehung" nicht zu einer Unterrichtseinheit zu verkommen droht, die Defizite gesellschaftlicher Entwicklungen kompensieren soll und die überfrachtet wird mit Zielen wie Toleranzerziehung, demokratische Wertevermittlung und nicht zuletzt Strategien gegen Antisemitismus.

Allen voran muss die Erkenntnis stehen, dass der Antisemitismus ein eigenes spezifisches Phänomen ist, dessen Brisanz nicht erfasst werden kann, wenn es immer nur als Teil von Rassismus und Xenophobie begriffen wird. Juden werden heute im allgemeinen nicht mehr als "Rasse" oder wegen ihrer Religion diskriminiert, sondern weil ihnen unterstellt wird, sie wollten die Welt beherrschen. Im Gegensatz zu rassistischen Konzepten wird Juden eine omnipotente Macht zugeschrieben. Antisemitische Vorurteile, die von einer Generation auf die andere weitergegeben werden, existieren nicht aus Angst vor Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, sondern sie basieren nicht selten auf unbegründetem Neid, schreiben "den Juden" Macht und Einfluss zu und unterstellen ihnen verschlagene Intelligenz, die sie vermeintlich zum Nachteil der Mehrheitsgesellschaft nutzen. Menschenrechts- und Antirassismuspädagogik eignen sich deshalb nur wenig, diesen Vorurteilen beizukommen.


 

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