Herausforderung Salafismus

25.4.2018 | Von:

Radicalisation Awareness Network (RAN): Das EU-Netzwerk für die Präventionspraxis

Wie arbeitet RAN mit Politik und Behörden zusammen?

Die EU-Kommission finanziert die Arbeit des Netzwerks und des CoE zu 100 Prozent. Die Kommission hat den Vorsitz der RAN-Steuerungsgruppe inne. Die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten bringen ihre Präferenzen in die jährliche Themenplanung der Steuerungsgruppe ein, der auch die Vorsitzenden der Arbeitsgruppen und das CoE angehören.

Nationale Behörden können beim CoE Unterstützung anfragen. Diese erfolgt etwa durch spezifisches Training, Workshops oder Beratung. Seit seiner Gründung im Jahr 2011 hat RAN nach eigenen Angaben mehr als 2.000 Fachleute aus allen EU-Mitgliedsstaaten erreicht.

Auch Entscheidungsträgerinnen und -träger in Politik und Verwaltung können auf die Expertise des RAN zugreifen. Das RAN veröffentlicht Publikationen zu ausgewählten Themen, die online zugänglich sind und veranstaltet Fachkonferenzen für hochrangige Entscheidungsträgerinnen und -träger.

Das CoE wertet zudem aktuelle Forschungsergebnisse aus und verbreitet sie an Fachleute und Entscheidungsträger, außerdem identifiziert und benennt es Forschungsbedarfe.

Was bietet RAN für die Präventionspraxis?

Praktikerinnen und Praktiker können aus den Ergebnissen der Arbeitsgruppen und des Centre of Excellence für ihre eigene Arbeit lernen, an Fortbildungsangeboten oder Treffen teilnehmen und sich beraten lassen. Zentrale Plattform für die Präsentation der Arbeit von RAN ist die Internetseite http://ec.europa.eu/ran.

Folgende Bereiche der Internetseite sind für Praktikerinnen und Praktiker besonders relevant:

1) RAN-Sammlung / RAN Collection

Die RAN-Sammlung (RAN Collection) ist eine Online-Datenbank, die Einblicke und Erfahrungen aus dem Netzwerk enthält. Sie präsentiert etwa 100 in der Praxis bewährte Handlungsansätze in Form von Interventions- oder Präventionsangeboten. Diese können als Inspiration für die eigene Praxis, aber auch zum Finden von möglichen Kooperationspartnern oder Gesprächspartnern zum Austausch dienen.

Die Ansätze sind nach acht Inhaltsbereichen/Ansätzen sortiert: Fortbildung, Ausstiegsarbeit, Communities, Bildung, Familien-Unterstützung, Alternative Narrative, Multi-Agency-Ansatz, Strafvollzug und Bewährungshilfe.

Zur Datenbank RAN Collection

Die Beiträge der RAN Collection sind auf Deutsch in einem PDF-Dokument verfügbar.

2) RAN-Publikationen und News

Das RAN versendet einen monatlichen Newsletter "RAN update", der über Aktivitäten der Arbeitsgruppen und Neuigkeiten aus dem Themenfeld Radikalisierungsprävention informiert. Interessierte können den Newsletter abonnieren. Etwa 3-4 Wochen zeitversetzt erscheint der Newsletter jeweils auch in der deutschen Übersetzung.

RAN ist zudem in den sozialen Medien aktiv: 3) Weitere RAN-Veröffentlichungen (Auswahl) 4) Beratung

Nicht nur Institutionen und Staaten, auch Praktikerinnen und Praktiker können sich mit Fragen an das RAN Centre of Excellence wenden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten Beratung zu Methoden oder Beispielen aus anderen EU-Ländern. Sie bieten jedoch keine Einzelfallberatung an.

Was bringt der internationale Austausch?

Einzelne Staaten können auf Kenntnissen und Erfahrungen anderer aufbauen. Zahlreiche Praktikerinnen und Praktiker sowie Entscheidungsträgerinnen und -träger nahmen bereits an Veranstaltungen des RAN teil, um voneinander zu lernen, Impulse aus den Erfahrungen der anderen mitnehmen und in der kritischen Auseinandersetzung mit den Außenperspektiven die eigenen Ansätze weiter zu verbessern. In Finnland fand beispielsweise eine Fortbildung für Mitglieder von sogenannten Anchor Teams (multidisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Polizei und Sozialarbeit zur Prävention) statt, in der Kenntnisse aus den Niederlanden, Dänemark und Deutschland vermittelt wurden. Lokale Behörden verschiedener Staaten haben sich im Rahmen des RAN ausgetauscht über lokale Radikalisierungspräventions-Programme.

Die internationale Zusammenarbeit bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Dies beginnt bereits mit sehr verschiedenen Perspektiven auf den Begriff "Radikalisierung" in den Mitgliedsstaaten. Beim RAN sei zudem immer eine Art von kultureller Übersetzung notwendig, so Maarten van de Donk vom Centre of Excellence. Es gebe viele Unterschiede in Strukturen und Herangehensweisen in den EU-Mitgliedsstaaten. Die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Jugendhilfe oder das Verhältnis zwischen lokaler und nationaler Ebene seien zum Beispiel in den Europäischen Staaten ganz unterschiedlich geregelt.

Welche Themen und Herausforderungen beschäftigen RAN aktuell?

Aktuelle Themenschwerpunkte sind Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus Syrien, das Erstarken der extremen Rechten und die gesellschaftliche Polarisierung. Ausgehend davon, dass eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft in hohem Maße radikalisierungsfördernd wirkt, sollen diesbezüglich Handlungsansätze für die Praxis erarbeitet werden.

Weitere Informationen über RAN im Internet

Zum Interview mit Werner Prinzjakowitsch, Vorsitzender der RAN-Arbeitsgruppe Youth, Families and Communities im Infodienst: "Europaweiter Austausch über Prävention: RAN aus der Sicht der Praxis"

Creative Commons License

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Autor: Redaktion Infodienst Radikalisierungsprävention für bpb.de
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