Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

Zeitleiste Rechtsterrorismus

27.8.2013






Die Zeitleiste als Audio:
Eine Chronologie des deutschen Rechtsterrorismus - von 1945 bis 2013

Das Bild zeigt Mitglieder der "Wehrsportgruppe Hoffmann" in uniformähnlicher Kluft 1978 auf dem Grundstück von Karl-Heinz Hoffmann in Ermreuth bei Nürnberg. (Quelle/Rechte: picture-alliance/dpa)



Chronik des Rechtsterrorismus in Deutschland



Reihenweise gründeten sich seit dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik rechtsextreme Terrorgruppen – allein in den siebziger und achtziger Jahren töteten sie mehr als zwei Dutzend Menschen. Diese Übersicht behandelt den Terror von rechts in chronologischer Reihenfolge.



1944/45

Werwolf-Freischärler-Kommandos



Als die Niederlage Hitler-Deutschlands immer absehbarer war, befahl der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, die Aufstellung kleiner Werwolf-Freischärler-Kommandos. Mit Sabotageakten hinter den auf Berlin vorrückenden Frontlinien sollten sie Angst und Terror verbreiten und die Bevölkerung in den befreiten Gebieten von einer Zusammenarbeit mit den Alliierten abhalten.
1944/45: Werwolf-Freischärler-Kommandos

Der Name wurde der germanischen Mythologie entlehnt, die Himmler im Oktober 1944 vor Männern des Volkssturms in Ostpreußen erstmals öffentlich in diesen Zusammenhang bemühte: "Jeder Häuserblock einer Stadt, jedes Gehöft, jedes Dorf wird von Männern, Knaben und Greisen und, wenn es sein muss, von Frauen und Mädchen verteidigt. Und wie Werwölfe werden todesmutige Freiwillige dem Feinde seine Lebensfäden abschneiden."In den Folgemonaten kam es vereinzelt zu Terrorakten von Werwolf-Einheiten. Die spektakulärsten Taten waren der Mord an Franz Oppenhoff, dem von den Alliierten eingesetzten Oberbürgermeister von Aachen, am 25. März 1945 sowie das Massaker an 16 Widerstandskämpfern (darunter eine hochschwangere Frau) am 28. April 1945 im bayerischen Penzberg.

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1950/51

Bund Deutscher Jugend



Im Juni 1950 entstand unter Führung des Mediziners Paul Lüth der Bund Deutscher Jugend, der vordergründig als antikommunistischer Jugendverband auftrat. Seine Unterorganisation Technischer Dienst (TD) aber war eine paramilitärische Geheimtruppe.
1950/51: Bund Deutscher Jugend

Finanziert wurde der TD vom US-Geheimdienst CIA, die den BDJ und seine Unterorganisation als deutschen Arm der Nato-Geheimarmee Gladio/Stay Behind betrachtete, die während des Kalten Krieges in ganz Westeuropa bestand. TD-Mitglieder konnten auf US-Übungsplätzen Schießen, spurenloses Töten oder Vernehmungs- und Foltermethoden trainieren.

Ziel der Truppe war, bei einem Einmarsch der Russen in "kleinen unabhängigen Einheiten" Widerstand zu leisten. Die Amerikaner rekrutierten mit Vorliebe Rechtsextreme und ehemalige SS-Leute, weil sie ihnen als besonders zuverlässig erschienen. So war der für Norddeutschland zuständige TD-Kader Dieter von Glahn zuvor Abwehroffizier der Wehrmacht.

Mitglieder des TD legten unter anderem eine Kartei von Personen an, die im Kriegsfall "liquidiert" werden sollten. Dass damit Tötungen gemeint waren, bestritten alle Beteiligten später. Auf den Schwarzen Listen standen unter anderem hochrangige Gewerkschafter und SPD-Politiker, darunter der damalige Parteichef Erich Ollenhauer oder der hessische Innenminister Heinrich Zinnkann. Es blieb unklar, ob dies im Sinne der US-amerikanischen Stellen war oder die Rechtsextremen den TD für ihre eigenen Ziele zu instrumentalisieren versuchten. 1952 flog der TD auf, die Strafverfolgung verlief im Sande.

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Dezember 1952

Wiking-Jugend (WJ)



Kurz nach dem Verbot der Sozialistischen Reichspartei (SRP) entstand Ende 1952 aus deren Nachwuchsorganisation die Wiking-Jugend (WJ). Über Jahrzehnte entwickelte sie sich zum bedeutendsten neonazistischen Jugendverband der Bundesrepublik.
Dezember 1952: Wiking-Jugend (WJ)

Die WJ orientierte sich unverkennbar an der Hitler-Jugend, sie war in Gauen organisiert, ihre weiblichen und männlichen Mitglieder hießen Mädel und Pimpfe. In der WJ sollte der Nachwuchs der völkischen Bewegung von früher Kindheit bis ins Erwachsenenalter sozialisiert werden – unter anderem in Zeltlagern mit ideologischem und körperlichem Drill. Etliche Führungskader der NPD durchliefen die Schulungen der WJ, so Udo Pastörs, der Vorsitzende der Schweriner Landtagsfraktion, oder Manfred Börm, der lange Jahre Mitglied im Bundesvorstand und Chef der NPD-Ordnertruppe war. WJ-Mitglieder waren mehrfach an Straf- und Gewalttaten beteiligt. Im Prozess nach einem Banküberfall in Hamburg wurde die beteiligte Werwolf-Gruppe 1977 als terroristische Vereinigung abgeurteilt.

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11. April 1968

Rudi Dutschke niedergeschossen



Auf dem Kurfürstendamm in Berlin wird Rudi Dutschke niedergeschossen, der charismatische Kopf der linken Studentenbewegung. Täter ist der 23-jährige Hilfarbeiter Josef Bachmann, der sein Opfer kurz vor den Schüssen mit "Du dreckiges Kommunistenschwein!" beschimpfte. In Bachmanns Wohnzimmer hing ein selbstgemaltes Hitler-Porträt, im Bücherregal stand das Buch Mein Kampf.
11. April 1968: Rudi Dutschke niedergeschossen

Dutschke und die protestierenden Studenten waren in den Monaten zuvor vor allem von konservativen Zeitungen des Springer-Verlages massiv angegriffen worden – "… man darf auch nicht die ganze Drecksarbeit der Polizei oder ihren Wasserwerfern überlassen", hatte beispielsweise am 7. Februar 1968 die Bild geschrieben. Bachmann hatte bei der Tat einen Artikel der rechtsextremen National-Zeitung in der Tasche, die Schlagzeile: "Stoppt Dutschke jetzt! Sonst gibt es Bürgerkrieg". Dutschke starb elf Jahre später an den Folgen des Attentats.

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20. Mai 1970

Europäische Befreiungsfront (EBF)



Vierzehn Mitglieder einer Europäischen Befreiungsfront (EBF) werden festgenommen. Die Truppe war von den beiden NPD-Mitgliedern Helmut Blatzheim und Hartwig Neumann sowie dem ehemaligen Fremdenlegionär Johannes Brodka gegründet worden und verstand sich als "Kampfgruppe gegen den Kommunismus".
20. Mai 1970: Europäische Befreiungsfront (EBF)

Die EBF hatte versucht, mit Anschlägen auf die Stromversorgung das Treffen von Bundeskanzler Willy Brandt und DDR-Ministerpräsident Willi Stoph in Kassel am 21. Mai 1970 zu verhindern.

Bei den Verhaftungen wurden Waffen und Munition sichergestellt, darunter elf Pistolen und ein Sturmgewehr, ebenso Pläne für Anschläge auf die Bundeswehr sowie auf "kommunistische" Politiker und "zersetzende Journalisten in Funk und Fernsehen". Der Prozess gegen neun EBF-Mitglieder endete mit vier Freisprüchen und Bewährungsstrafen zwischen sechs und zwölf Monaten.

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7. November 1970

Ekkehard Weil



Der 21-jährige Hilfskrankenpfleger Ekkehard Weil greift das Ehrenmal der sowjetischen Armee an der Straße des 17. Juni in West-Berlin an.
7. November 1970: Ekkehard Weil

Um ein Uhr nachts schießt er den Wachsoldaten Iwan Schtscherbak nieder, zuvor hatte er im Tiergarten Handzettel mit der Unterschrift "Europäische Befreiungsfront" deponiert. Nach eigenen Angaben wollte er "einen in naher Zukunft zu ratifizierenden Vertrag zwischen der Bundesrepublik und der Sowjet-Union verhindern".

Ein britisches Militärgericht verurteilt Weil zu sechs Jahren Haft, nach vier Jahren aber wird er begnadigt. In den frühen achtziger Jahren verübt Weil in Österreich Anschläge auf jüdische Häuser, unter anderem auf die Wohnung von Simon Wiesenthal.

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13. Februar 1971

Gruppe Hengst



In Bad Godesberg (Bonn) fliegt die Gruppe Hengst auf. Deren Anführer, Bernd Hengst, war 1966 aus der DDR in den Westen geflohen, in die NPD eingetreten und hatte dann in deren Ordnerdienst eine bewaffnete Truppe um sich geschart. 1968 verübte Hengst einen Anschlag auf ein DKP-Büro.
13. Februar 1971: Gruppe Hengst

Mit einer Maschinenpistole auf dem Rücksitz wurde er schließlich festgenommen. Bei den folgenden Hausdurchsuchungen fand die Polizei große Mengen an Waffen und NS-Schrifttum. Nach Angaben des Verfassungsschutzes hatte die 18-köpfige Gruppe "schwerwiegende Gewaltakte gegen Personen und Sachen" während der Karnevalszeit im Rheinland geplant. Als mögliche Ziele wurden Munitionsdepots und die Bonner SPD-Zentrale genannt.

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12. August 1971

Nationale Deutsche Befreiungsbewegung (NDBB)



Die Nationale Deutsche Befreiungsbewegung (NDBB) wird ausgehoben, die am folgenden Tag anlässlich des zehnten Jahrestages des Mauerbaus Anschläge auf Einrichtungen der DDR und der Sowjetunion geplant hatte.
12. August 1971: Nationale Deutsche Befreiungsbewegung (NDBB)

Die NDBB war 1970 vom Hanauer Autoverkäufer Roland Tabbert gegründet worden und wollte die Ostpolitik der Regierung Brandt mit Gewalt bekämpfen. Vor ihrer Zerschlagung hatte sie bereits Anschläge gegen "linke" Lokale und Medien verübt.

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11. Oktober 1972

Nationalsozialistische Kampfgruppe Großdeutschland (NSKG)



In München und Mönchengladbach findet die Polizei bei Razzien Sprengstoff, Handgranaten sowie ein umfangreiches Schusswaffenarsenal. Es gehörte der Nationalsozialistischen Kampfgruppe Großdeutschland (NSKG), in der der Waldarbeiter Manfred Knauber im vorhergehenden halben Jahr etwa zwei Dutzend Aktivisten gesammelt hatte.
11. Oktober 1972: Nationalsozialistische Kampfgruppe Großdeutschland (NSKG)

Unter den Mitgliedern waren mehrere Soldaten. Die Gruppe verstand sich als "Testamentsvollstrecker des Führers", kam aber über die Planung von Gewaltakten nicht hinaus.

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Herbst 1973

Wehrsportgruppe Hoffmann



Der in Nürnberg geborene Grafiker Karl-Heinz Hoffmann gründet die Wehrsportgruppe Hoffmann. Anfangs gehen die Mitglieder als Ordnungsdienst bei NPD- und DVU-Veranstaltungen mit brachialer Gewalt auf Gegendemonstranten los, später veranstaltet die Gruppe regelmäßig paramilitärische Übungen.
Herbst 1973: Wehrsportgruppe Hoffmann

Mit Uniformen, alten Waffen und Armeefahrzeugen werden junge Leute in "Wehrsport" unterwiesen, gern lässt man sich dabei von der Presse fotografieren. Das Schloss Ermreuth im fränkischen Schwabachtal baut Hoffmann zum Hauptquartier seiner Gruppe aus, das im "Dritten Reich" als NS-Gauführerschule gedient hatte. Rasch bilden sich bundesweit Ableger, in ihren Hochzeiten soll die Organisation mehr als 400 Mitglieder gehabt haben. In einem "Manifest", das auch heute noch auf Hoffmanns Website nachzulesen ist, erklärte er förmlich, sein Ziel sei die Abschaffung der Demokratie und die Errichtung einer völkischen Diktatur. Hoffmann selbst wurden nie eine Beteiligung an Terrorakten nachgewiesen, wohl aber Mitgliedern seiner Truppe.

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Ende 1973

Gruppe Neumann



Der ehemalige Polizeischüler Hans-Joachim Neumann aus Hamburg sammelt bundesweit eine Schar von Aktivisten, um "die Zerstörer und Hasser aller Ordnung und alles völkischen Daseins" zu bekämpfen. In den vier Monaten ihres Bestehens legt die Gruppe Neumann mehrere Waffenlager an.
Ende 1973: Gruppe Neumann

Nach ihrer Festnahme im April 1974 gestehen Neumann und seine Komplizen unter anderem einen Brandanschlag auf eine "linke" Buchhandlung in Göttingen und Schändungen jüdischer Friedhöfe in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Darüber hinaus soll die Gruppe die Entführung Simon Wiesenthals geplant haben.

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Mai 1976

Dieter Epplen

Mai 1976: Dieter Epplen

Dieter Epplen, ein 19-jähriger Bundeswehrgefreiter und Anhänger der Wehrsportgruppe Hoffmann, versucht einen Bombenanschlag auf den US-Soldatensender AFN in München. Als Epplen über eine Mauer klettert, explodiert der selbstgebastelte Sprengkörper und verletzt ihn schwer.

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2. September 1977

Gruppe Otte



Vor der Staatsanwaltschaft Flensburg explodiert eine Rohrbombe, zweieinhalb Monate später, am 21. Oktober, eine weitere vor dem Amtsgericht Hannover. Täter sind Mitglieder der Gruppe Otte, die mit ihren Anschlägen Strafprozesse gegen Rechtsextreme verhindern wollen.
2. September 1977: Gruppe Otte

Gegründet wurde die Gruppe Otte vom Braunschweiger Maschinenschlosser Paul Otte. Er war zuvor NPD-Mitglied, hatte sich dann aber der NSDAP/AO des US-Neonazis Gary Lauck angeschlossen. Ein weiterer Sprengstoffanschlag auf die Synagoge in Hannover wurde von der Polizei vereitelt. Im Februar 1981 wurden fünf Mitglieder der Gruppe vom Oberlandesgericht Celle wegen Mitgliedschaft bzw. Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu Freiheitsstrafen von bis zu sechs Jahren verurteilt.

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November 1977

Werwolf-Gruppe



Im Umfeld des Hamburger Neonazi-Führers Michael Kühnen bildet sich eine aus sieben Personen bestehende Werwolf-Gruppe.
November 1977: Werwolf-Gruppe

Angeführt wird sie von Lothar Schulte, einem ehemaligen Fallschirmjäger der Bundeswehr, und Uwe Rohwer, Führer des Gaues Nordmark der Wiking-Jugend und zuvor NPD-Kreisvorsitzender in Schleswig-Flensburg. In kurzer Folge verübt die Gruppe eine Reihe von Überfällen: In Bundeswehreinrichtungen in Wentdorf und Reinbek sowie auf einem Nato-Truppenübungsplatz in Bergen-Hohne werden ein G-3-Maschinengewehr und vier Uzi-Maschinenpistolen sowie Munition geraubt, in einer Hamburger Sparkasse und bei einem Kölner Bauunternehmer fast 130.000 DM.

Im Prozess gegen die Gruppe, der aus Sicherheitsgründen in der JVA Bückeburg stattfand, wurde erstmals bei Rechtsextremisten der Strafrechtsparagraph 129a – Bildung einer terroristischen Vereinigung – angewandt. Im September wurden Freiheitsstrafen zwischen vier und elf Jahren verhängt. Vor Gericht standen auch Kühnen und Manfred Börm, später langjähriger Leiter des NPD-Ordnerdienstes. Beide wurden aber nur wegen minderschwerer Delikte belangt.

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18. Januar 1979

Sendeanlagen gesprengt



Während der deutschen Erstausstrahlung der US-Fernsehserie "Holocaust" werden die Leitungen zu zwei Sendeanlagen nahe Koblenz und Münster gesprengt, die Übertragung in hunderttausende Haushalte wird unterbrochen. Zu der Tat bekennt sich eine Gruppe namens Internationale revolutionäre Nationalisten. Mindestens an der Vorbereitung beteiligt war der Diplom-Ingenieur Peter Naumann.
18. Januar 1979: Sendeanlagen gesprengt

Peter Naumann war Anfang der 1970er Jahre in der NPD-Jugendorganisation JN aktiv und bereits 1974 durch Sprengstoffbasteleien aufgefallen, bei denen er sich eine Hand zerfetzte. Naumann wurde vom Oberlandesgericht Frankfurt/Main am 30. August 1978 wegen der Vorbereitung der Sender-Anschläge sowie für einen Sprengstoffanschlag auf das NS-Mahnmal in den Ardeatinischen Höhlen nahe Rom verurteilt, wo die SS im März 1944 ein Massaker an mehr als 300 italienischen Zivilisten verübt hatte. Naumann ist bis heute in der Szene aktiv. Von Januar 2007 bis 2008 war er für die NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag als Parlamentarischer Berater tätig.

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18. September 1979

Werwolfgruppe Stubbemann



Das Landgericht Itzehoe verurteilt drei Mitglieder der Werwolfgruppe Stubbemann. Gründer war Frank Stubbemann, ein Mineralogiestudent und Aktivist in Michael Kühnens Aktionsfront Nationaler Sozialisten (ANS). Er hatte mit zwei Komplizen einen Sprengstoffanschlag auf ein Büro des Kommunistischen Bundes und einen Überfall auf die Theaterkasse in Kiel geplant.
18. September 1979: Werwolfgruppe Stubbemann

Stubbemann kam (wie seine Mittäter) mit einer Bewährungsstrafe davon, obwohl er bereits zuvor einschlägig aufgefallen war: Im Oktober 1977 waren bei ihm 670 Gramm Zyankali gefunden worden, mit dem er angeblich die Wachen des alliierten Kriegsverbrechergefängnisses in Berlin-Spandau vergiften wollte, um den dort einsitzenden Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess zu befreien. Im Juni 1978 war ein Haftbefehl gegen ihn ergangen, nachdem er bei der Übernahme von sieben Kilogramm Sprengstoff und einer Kiste Handgranaten angetroffen worden war.

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30. Januar 1980

Wehrsportgruppe Hoffmann



30. Januar 1980: Wehrsportgruppe Hoffmann

Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) verbietet die Wehrsportgruppe Hoffmann. Obwohl dem Gründer, Karl-Heinz Hoffmann, sechs Jahre zuvor der Besitz von Waffen verboten worden war, wird bei der Auflösung der Gruppe ein riesiges Waffenarsenal gefunden.

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Februar bis August 1980

Deutsche Aktionsgruppen



Initiiert vom langjährigen Nazi-Aktivisten Manfred Roeder verüben die Deutschen Aktionsgruppen fünf Sprengstoff- und zwei Brandanschläge.
Februar bis August 1980: Deutsche Aktionsgruppen

Ziele waren unter anderem das Landratsamt Esslingen, wo zu jener Zeit eine Auschwitz-Ausstellung gezeigt wurde, das Privathaus des dafür verantwortlichen Landrats sowie Flüchtlingsunterkünfte in Zirndorf, Lörrach und Leinfelden.

Am 22. August 1980 werfen zwei Gefolgsleute Roeders eine Brandbombe in das Fenster einer Unterkunft vietnamesischer Boatpeople in Hamburg. Zwei junge Flüchtlinge erleiden schwerste Verbrennungen und sterben. Roeder notiert an diesem Tag in seinen Taschenkalender: "Heute hat Deutschlands Befreiung begonnen. Der Funke ist übergesprungen." Gegen die Täter ergehen teils lebenslange Haftstrafen, Roeder wird wegen Gründung einer terroristischen Vereinigung zu 13 Jahren Haft verurteilt.

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26. September 1980

Oktoberfestattentat



In einem Papierkorb am Eingang zum Münchner Oktoberfestgelände explodiert am späten Abend eine Bombe. Bei diesem sogenannten Oktoberfestattentat sterben 13 Menschen, mehr als 200 werden teils schwer verletzt.
26. September 1980: Oktoberfestattentat

Als Täter identifiziert wird der 21-jährige Geologiestudent Gundolf Köhler. Er ist dem Verfassungsschutz als Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann bekannt, hat an mindestens zwei Übungen der Truppe teilgenommen.

Nach dem Abitur 1978 verpflichtete sich Köhler als Zeitsoldat bei der Bundeswehr, um Sprengmeister zu werden, wurde jedoch nach drei Monaten wegen Untauglichkeit entlassen. Die Oktoberfestbombe explodierte vermutlich zu früh, direkt in seinen Händen, als er sie in einen Mülleimer steckte. Über das mögliche Motiv ist viel spekuliert worden, womöglich sollte die Bombe – in der verqueren Logik von Rechtsextremen – in der Bevölkerung den Ruf nach einem starken Staat befördern und damit kurz vor den Bundestagswahlen 1980 die Wahlchancen des Sozialdemokraten Helmut Schmidt gegen seinen Herausforderer Franz-Josef Strauß mindern.

Bis heute ist umstritten, ob Köhler wirklich als isolierter Einzeltäter gehandelt hat. Mehrere Zeugen wollen den Bombenbastler kurz vor der Explosion im Gespräch mit Komplizen gesehen haben. Ungeklärt bleibt auch die Herkunft einer abgerissenen Hand, die keinem der Opfer zugeordnet werden konnte. DNA-Analysen gab es zu dieser Zeit noch nicht. Heute könnte man viele der Beweismittel, darunter mehr als 40 Zigarettenstummel aus Köhlers Auto, genauer untersuchen. Doch die Bundesanwaltschaft hat alle Spuren vom Tatort 1997 vernichten lassen. Der Fall, so die Begründung, sei aufgeklärt, man müsse mit dem Platz in den Asservatenkammern sparsam umgehen.

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19. Dezember 1980

Shlomo Lewin erschossen



Elf Monate nach dem Verbot der Wehrsportgruppe Hoffmann wird in Erlangen der jüdische Verleger Shlomo Lewin erschossen.
19. Dezember 1980: Shlomo Lewin erschossen

Uwe Behrendt, ein ehemaliges Mitglied der WSG, klingelt an seiner Tür und tötet erst den arglos öffnenden Lewin, dann auch seine Lebensgefährtin Elfriede Poeschke mit mehreren Schüssen aus einer Maschinenpistole.

Nach dem Mord fand der Täter Unterschlupf bei Karl-Heinz Hoffmann, der beim Verbrennen seiner Kleidung und der Flucht ins Ausland half. Eine direkte Tatbeteiligung konnte Hoffmann nie nachgewiesen werden. Auch Behrendt wurde für die Tat nie belangt, er starb wenige Monate später unter ungeklärten Umständen im Libanon, wo Hoffmann mit Unterstützung palästinensischer Terroristen ein Trainingslager für seine neugegründete Wehrsportgruppe Ausland aufgebaut hatte. Zeugenaussagen zufolge sollten dort Anschläge gegen Richter und Staatsanwälte in Deutschland, aber auch gegen eine Ölraffinerie und US-Einrichtungen im Nahen Osten geübt worden sein.

Als Hoffmann im Sommer 1981 nach Deutschland zurückkehrte, wurde er sofort festgenommen. Weil der deutsche Terrorismus-Paragraph 129a sich nicht auf Aktivitäten im Ausland erstreckt, blieb das Trainingslager im Libanon folgenlos. Von der Anstiftung zum Mord an Lewin und Poeschke wurde Hoffmann nach einem zweijährigen Prozess aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Verurteilt wurde er lediglich wegen Geldfälschung, unerlaubten Waffenbesitzes und der Misshandlungen von Anhängern im Libanon.

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24. Dezember 1980

Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit



Am Heiligabend versucht Frank Schubert, Mitglied der neonazistischen Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA), Waffen über die Schweizer Grenze zu schmuggeln. Als er dabei entdeckt wird, schießt er sofort. Zwei Beamte des Schweizer Grenzschutzes sterben, zwei weitere werden verletzt. Schubert begeht Selbstmord.
24. Dezember 1980: Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit

Gründer des VSBD war Friedhelm Busse, ein glühender Nazi, der sich als 15-Jähriger noch kurz vor Kriegsende freiwillig für die Waffen-SS gemeldet hatte. Busse war in den sechziger Jahren in der NPD aktiv, später Vorsitzender der 1995 verbotenen Freien Arbeiterpartei (FAP). Er stilisierte Schubert, der als seine rechte Hand galt, nach dessen Tod zum "Blutzeugen der Bewegung".

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20. Oktober 1981

Kommando Omega



Polizisten in München stoppen einen mit fünf Personen besetzten Pkw. Beim folgenden Schusswechsel sterben die beiden Insassen Klaus-Ludwig Uhl und Kurt Wolfgram, beide Mitglieder der Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA). Die Gruppe nannte sich Kommando Omega und war auf dem Weg von der Wohnung des VSBD-Gründers Friedhelm Busse zu einem Banküberfall.
20. Oktober 1981: Kommando Omega

Obwohl die beiden Getöteten vor dem versuchten Überfall tagelang in Busses Wohnung zu Gast waren und bei diesem sogar ein Drohbrief des Kommandos Omega an den Bundesinnenminister gefunden wird, erklärte die Bundesanwaltschaft, dass die Existenz einer terroristischen Organisation "nicht mit einer für eine Verurteilung notwendigen Sicherheit" nachgewiesen werden könne. Busse wurde lediglich zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, unter anderem wegen Hehlerei sowie Waffen- und Sprengstoffbesitzes.

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26. Oktober 1981

Heinz Lembke



In der Lüneburger Heide führt der Forstaufseher Heinz Lembke die Polizei zu einem gewaltigen Waffenarsenal. Die Ermittler waren ihm auf die Spur gekommen, als Waldarbeiter Wochen zuvor zufällig auf einzelne Kisten mit Munition und Sprengstoff gestoßen waren.
26. Oktober 1981: Heinz Lembke

Nach seiner Verhaftung zeigt er den Beamten 33 unterirdische Depots, neben Maschinengewehren befanden sich darin unter anderem 156 Kilogramm Sprengstoff und 258 Handgranaten, 50 Panzerfäuste und knapp 14.000 Schuss Munition.

Drei Jahre zuvor war Lembke am Anschlag des Terroristen Peter Naumann auf das NS-Mahnmal an den Ardeatinischen Höhlen bei Rom beteiligt. Laut Medienberichten war er wohl Teil jener deutschen Gladio-Einheiten), die Anfang der fünfziger Jahre kurz für Schlagzeilen gesorgt hatten, aber nie aufgelöst worden waren. Wie andere Rechtsextremisten auch hatte er sich wohl aus den geheimen Depots bedient. Nachdem er einem Staatsanwalt gegenüber angekündigt hatte, über die Hintergründe auszusagen, wurde Lembke am 1. November 1981 erhängt in seiner Zelle aufgefunden.

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24./25. Juni 1982

Helmut Oxner



Bei einem nächtlichen Amoklauf erschießt der 26-jährige Dachdecker Helmut Oxner drei Menschen. Oxner war dem Verfassungsschutz schon zwei Jahre zuvor als aktiver Neonazi aufgefallen, zur Tatzeit liefen mehrere Ermittlungsverfahren gegen ihn.
24./25. Juni 1982: Helmut Oxner

In der Nacht zum 25. Juni schoss er in der Nürnberger Diskothek "Twenty Five" um sich, die beiden schwarzen US-Amerikaner William Schenck und Rufus Surles starben, eine Koreanerin und ein Türke wurden verletzt.

Mit dem Ruf "Es lebe der Nationalsozialismus", lief Oxner anschließend auf die Straße und feuerte auf weitere Ausländer, wobei er den Ägypter Mohamed Ehab tödlich verletzte. Während eines Schusswechsels mit der Polizei beging Oxner anschließend Selbstmord. In seiner Umhängetasche fanden die Beamten 200 Schuss Munition und Dutzende rechtsextreme Aufkleber mit Slogans wie "Jetzt NSDAP" oder "Kampf den Judenparteien KPD, SPD, CDU, CSU, FDP".

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13. Dezember 1982

Hepp/Kexel-Gruppe



Mitglieder der sogenannten Hepp/Kexel-Gruppe deponieren Sprengsätze unter den Autos von drei US-Soldaten in Butzbach, Darmstadt und Frankfurt-Fechenheim. Zwei davon zündeten und verletzten die Opfer schwer, als sie am Morgen des 14. bzw. 15. Dezember ihre Autos bestiegen.
13. Dezember 1982: Hepp/Kexel-Gruppe

Gegründet wurde die Gruppe von Odfried Hepp, der unter anderem im libanesischen Ausbildungscamp von Karl-Heinz Hoffmann trainiert hatte, und Walther Kexel, einem Führungskader des VSBD. Später schlossen sich ihnen weitere VSBD-Mitglieder an. Beide orientierten sich stark am Linksterrorismus. Als erste rechtsterroristische Vereinigung schaffte es die Gruppe tatsächlich, das konspirative Arbeiten über längere Zeit durchzuhalten. Zwischen April und Dezember 1982 beschaffte sie sich durch fünf Banküberfälle rund 630.000 DM. In der Schweiz und in Frankreich erwarb sie Waffen und Sprengstoff, die dann in Erddepots versteckt wurden.

Mit ihren Anschlägen glaubte die Hepp/Kexel-Gruppe, den Abzug der US-Truppen aus Deutschland erzwingen zu können. Als wohl einzige rechtsterroristische Organisation hatte sie ein ideologisches Manifest, das am 30. Juni 1982 veröffentlicht wurde. Darin wurde die extreme Rechte zum "Abschied vom Hitlerismus" aufgerufen – statt sich in "NS- und Uniformfetischismus" zu ergehen (ein deutlicher Seitenhieb etwa auf die Wehrsportgruppe Hoffmann), solle man lieber den "Kampf gegen den Amerikanismus" aufnehmen. Ziel seien ein Abzug der West-Alliierten, ein Austritt aus der Nato und ein "neutrales Deutschland in Friede und Freundschaft mit Sowjet-Russland". Auf Bekennerschreiben verzichtete man jedoch, nach Kexels Worten hätten die Anschläge "für sich gesprochen".

Im Februar 1983 flog die Gruppe nach Hinweisen aus der Bevölkerung auf, die meisten Mitglieder wurden verhaftet. Hepp enkam und tauchte mit Hilfe der Stasi zeitweise in der DDR unter, bevor auch er 1985 in Frankreich gefasst werden konnte. In mehreren Prozessen erhielten die Terroristen 1985 und 1987 Gefängnisstrafen zwischen fünf und 14 Jahren, Kexel nahm sich in Haft das Leben.

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7. Januar 1984

Gruppe Ludwig



Am späten Abend werfen zwei Männer Brandsätze in die Münchner Sexdisko "Liverpool", sechs der dreißig Besucher werden verletzt, die 20-jährige Barfrau Corinna Tatarotti stirbt Wochen später an ihren Verbrennungen. Zur Tat bekennt sich eine Gruppe Ludwig, die zuvor bereits in Italien bei zehn Anschlägen insgesamt 15 Menschen getötet hatte.
7. Januar 1984: Gruppe Ludwig

Tatmotiv waren offenbar militanter Rechtsextremismus, fanatische Schwulenfeindlichkeit und fundamentalistischer Katholizismus. Die Opfer der Gruppe Ludwig waren vor allem Prostitutierte, Homosexuelle und Drogenabhängige. Die Bekennerschreiben – ein eher untypische Vorgehen für rechte Terroristen – zierten ein Adler mit Hakenkreuz und die Parole "Gott mit uns". Als die Gruppe im März 1984 einen Anschlag auf eine Diskothek in Norditalien versucht, können Ordner den Düsseldorfer Wolfgang Abel, ein Doktor der Mathematik, und den italienischen Doktorand Marco Furlan überwältigen. Beide werden zu je 30 Jahren Haft verurteilt.

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Herbst 1991

Nationales Einsatzkommando



Der Vorsitzende der Nationalistischen Front (NF), Meinolf Schönborn, ruft zur Gründung eines "Nationalen Einsatzkommandos" (NEK) auf.
Herbst 1991: Nationales Einsatzkommando

Dessen Aufgabe sollte nach Angaben der Sicherheitsbehörden "die Aufstellung kadermäßig gegliederter, mobiler Verbände sein, die für den politischen Kampf auf der Straße und die Planung und Koordinierung überraschender, zentral durchgeführter Aktionen geschult sind", unter anderem gegen "Ausländerverbrecherbanden", Linke und den Staat.

Im Januar 1992 leitete der Generalbundesanwalt ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung ein. Bei einer darauf folgenden Hausdurchsuchung wurde eine Liste gefunden, in der Schönborn geeignete Mitglieder der NEK zusammengestellt hatte. Wenige Monate später fand die Polizei bei einer weiteren Razzia in Braunschweig ein halbautomatisches Gewehr und Munition sowie Material für Spreng- und Brandsätze. Am 26. November 1992 wurde die NF vom Bundesinnenministerium verboten.

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12. Dezember 1991

Werwolf-Jagdeinheit Senftenberg



Im brandenburgischen Meuro wird der 29-jährige Timo Kählke von Mitgliedern der Werwolf-Jagdeinheit Senftenberg getötet.
12. Dezember 1991: Werwolf-Jagdeinheit Senftenberg

Die Neonazis wollten Kählkes Auto rauben, um es für den geplanten Überfall auf ein Spielcasino zu benutzen – als der Besitzer sich wehrte, wurde er erschossen. Das Landgericht Cottbus verurteilte den Haupttäter wegen Mordes zu neun Jahren Jugendstrafe, die Mittäter erhielten Freiheitsstrafen zwischen drei und fünfzehn Jahren. Die Staatsanwaltschaft sprach von der "gefährlichsten rechtsextremistischen Gruppierung in Ostdeutschland", die Gruppe hatte bei ihrem Auffliegen bereits umfangreiche Waffenlager angelegt.

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9. Juni 1995

Bajuwarische Befreiungsarmee



Auf die schwarze Fernsehmoderatorin Arabella Kiesbauer wird ein Briefbombenanschlag verübt, Opfer wird eine Assistentin, die die Postsendung öffnete. Vier Tage später detoniert eine weitere Briefbombe, die an Dietrich Szameit adressiert war, zu jener Zeit Vize-Bürgermeister von Lübeck. Auch hier wird ein Mitarbeiter verletzt.
9. Juni 1995: Bajuwarische Befreiungsarmee

Szameit hatte zuvor die Urteile eines Prozesses um einen Brandanschlag auf die Synagoge von Lübeck als zu milde kritisiert. Die Taten selbst waren Teil einer rassistischen Attentatsserie, die der Österreicher Franz Fuchs zwischen 1993 und 1997 im Namen einer Bajuwarischen Befreiungsarmee verübte. Beim mit Abstand schwersten Anschlag wurden am 5. Februar 1995 vier Roma durch eine Sprengfalle getötet, bei den anderen Attentaten wurden insgesamt 15 Menschen teils erheblich verletzt.

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August 1995

Peter Naumann



Mit einer "Erklärung zur kämpferischen Gewaltfreiheit" wendet sich der bekannte Rechtsterrorist Peter Naumann an die Szene.
August 1995: Peter Naumann

Kurz danach führt er Beamte des Bundeskriminalamtes sowie ein Team des ARD-Fernsehmagazins Panorama zu zehn mit Waffen und Sprengstoff gefüllten Erddepots in Hessen und Niedersachsen. Nach seinen Angaben stammen sie von Anfang der 80er Jahre, die genaue Geschichte wurde nie geklärt.

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7. Mai 1996

Wehrsportgruppe



Die Polizei durchsucht Wohnungen von Angehörigen einer Wehrsportgruppe, die sich um den Detmolder Gerd Ulrich gebildet hatte, einen ehemaligen Kader der 1994 verbotenen Wiking-Jugend.
7. Mai 1996: Wehrsportgruppe

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gruppe bereits seit fast drei Jahren Angriffe auf Polizisten und "Linke" geprobt, Kasernen von Bundesgrenzschutz und Bundeswehr ausgespäht sowie Sprengstoff-Depots angelegt. Ulrich verfügte über enge Kontakte zum Rechtsterroristen Peter Naumann. Ein Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung wurde im Juli 1996 eingestellt, Mitglieder der Gruppe – darunter der spätere NPD-Funktionär Andreas Theißen – wurden wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz verurteilt.

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23. Februar 1997

Kay Diesner



Der Berliner Neonazi Kay Diesner erschießt auf dem Autobahn-Parkplatz Roseburg (Schleswig-Holstein) den Polizisten Stefan Grage, ein Kollege wird schwer verletzt.
23. Februar 1997: Kay Diesner

Diesner befindet sich auf der Flucht, nachdem er vier Tage zuvor in Berlin-Marzahn den Buchhändler Klaus Baltruschat angeschossen hatte. Sein eigentliches Ziel war offenbar der PDS-Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi, dessen Wahlkreisbüro im selben Gebäude lag.

Das Landgericht Lübeck verurteilt den damals 25-Jährigen wegen Mordes sowie zweifachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft. Diesner gilt als Prototyp des "lonesome wolf", der gemäß eines Konzepts des US-Neonazis Louis Beam im Rahmen eines "führerlosen Widerstandes" als Einzelkämpfer seine terroristischen Ziele verfolgt.

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8. Dezember 1997

Kampfgruppe Schörner



8. Dezember 1997: Kampfgruppe Schörner

Die Polizei hebt in Berlin eine Kampfgruppe Schörner aus, benannt offenbar nach einem Generalfeldmarschall der Wehrmacht. Die zwei Mitglieder der Kampfguppe hatten einen Sprengstoffanschlag auf die Wohnung eines PDS-Mitglieds geplant und sich dafür bereits Material beschafft.

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19. Dezember 1998

Anschlag auf das Grab von Heinz Galinski



In den Abendstunden wird in Berlin-Charlottenburg ein Anschlag auf das Grab von Heinz Galinski verübt, dem langjährigen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland. Die 1,5 mal 1,5 Meter große Grabplatte wird dabei zerstört.
19. Dezember 1998: Anschlag auf das Grab von Heinz Galinski

Nach den Ermittlungen der Polizei wurde dafür industriell hergestelltes Schwarzpulver verwendet, wie es auch in Feuerwerkskörpern verwendet wird. Bereits am 28. September waren am Galinski-Grab Schmauchspuren entdeckt worden, was auf einen ersten, allerdings erfolglosen Anschlagversuch deutet. Beide Vorfälle bleiben ungeklärt.

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9. März 1999

Sprengstoffanschlag auf die Wanderausstellung zu Verbrechen der Wehrmacht



Bis heute unbekannte Täter verüben einen Sprengstoffanschlag auf ein Gebäude in Saarbrücken, in dem zu jener Zeit die damals kontrovers diskutierte Wanderausstellung zu Verbrechen der Wehrmacht gezeigt wird.
9. März 1999: Sprengstoffanschlag auf die Wanderausstellung zu Verbrechen der Wehrmacht

Der an einer Außenmauer angebrachte Sprengsatz richtet am Gebäude und einer nahegelegenen Kirche erhebliche Schäden an, die Ausstellungstafeln werden durch Glassplitter leicht beschädigt.

Laut kriminaltechnischer Untersuchungen handelte es sich bei der Bombe um einen selbstgebastelten Sprengsatz, der mit ein bis zwei Kilogramm des Militär-Sprengstoffs Hexogen gefüllt war. Vier Tage später gehen bei mehreren Zeitungen Bekennerschreiben ein. Für die Polizei deuten diese jedoch nicht zwangsläufig auf einen rechtsextremen Hintergrund hin, eher sei als Urheber eine Person mit "ausgeprägter Bewunderung für das Militär oder einer Neigung zur Glorifizierung des Soldatentums" zu vermuten.

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09. September 2000

Enver Şimşek in Nürnberg erschossen



In Nürnberg wird der Blumenhändler Enver Şimşek das mutmaßlich erste Todesopfer des NSU.
09. September 2000: Enver Şimşek in Nürnberg erschossen

Der 38-Jährige befindet sich gerade in seinem Kleintransporter, der an seinem Blumenstand in der Liegnitzer Straße geparkt ist, als die Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos ihn niederschießen. Sie geben insgesamt neun Schüsse aus zwei Pistolen ab, fünf davon direkt auf den Kopf. Anschließend fotografieren die beiden Täter das Opfer und verschließen den Transporter. Şimşek stirbt zwei Tage später an seinen Hirnverletzungen.

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2000/2001

Nationale Bewegung



In Brandenburg verübt eine selbsternannte Nationale Bewegung eine Serie von mindestens 16 Anschlägen: Mehrere türkische Imbisswagen werden angezündet, an den Tatorten werden Briefe zurückgelassen, auf denen es etwa heißt: "Kauft nicht bei Türken!!! Schluss mit der Schändung des deutschen Volkskörpers durch Ausländer und ihre Multikulti-Küche."
2000/2001: Nationale Bewegung

Auch der jüdische Friedhof und ein Wohnheim für jüdische Zuwanderer in Potsdam werden angegriffen. Im Januar 2001 übernimmt der Generalbundesanwalt die Ermittlungen, danach reißt die Serie ab. Täter werden nie gefunden.

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13. Juni 2001

Abdurrahim Özüdoğru in Nürnberg erschossen



13. Juni 2001: Abdurrahim Özüdoğru in Nürnberg erschossen

Im Ladenlokal seiner Änderungsschneiderei in der Gyulaer Straße 1 in Nürnberg ermordet der NSU Abdurrahim Özüdoğru. Ein erster Schuss trifft den 49-Jährigen frontal im Gesicht, ein zweiter in die rechte Schläfe.

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27. Juni 2001

Süleyman Taşköprü in Hamburg ermordet



27. Juni 2001: Süleyman Taşköprü in Hamburg ermordet

In seinem Laden in der Schützenstraße 39 in Hamburg Bahrenfeld ermordet der NSU am späten Vormittag den 31–jährigen Gemüsehändler Süleyman Taşköprü. Ein erster Schuss aus der Česká trifft das hinter seinem Tresen stehende Opfer von vorn in den Kopf, zwei weitere Schüsse aus einer zweiten Pistole der Marke Bruni treffen ihn seitlich.

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29. August 2001

Habil Kılıç in München ermordet



29. August 2001: Habil Kılıç in München ermordet

Zwischen 10.35 Uhr und 10.50 Uhr betreten die NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos das Lebensmittelgeschäft der Familie Kılıç in der Bad–Schachener-Straße 14 in München. Hinter der Kassentheke steht der 38-jährige Habil Kılıç. Ein erster Schuss durchschlägt sein Gesicht an der linken Wange. Als er sich wegduckt, trifft ihn ein zweiter, tödlicher Kopfschuss von hinten.

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16. März 2002

Sprengstoffanschlag auf den jüdischen Friedhof in Berlin-Charlottenburg



16. März 2002: Sprengstoffanschlag auf den jüdischen Friedhof in Berlin-Charlottenburg

Wie schon im Dezember 1998 wird erneut ein Sprengstoffanschlag auf den jüdischen Friedhof in Berlin-Charlottenburg verübt. Die Detonation zerstört den Eingangsbereich des Friedhofs und die Fensterscheiben des Andachtsraumes. Auch diesmal wird die Tat nicht aufgeklärt.

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6. September 2003

Schutzgruppe Kameradschaft Süd



In München hebt die Polizei eine Schutzgruppe aus, die von Mitgliedern der neonazistischen Kameradschaft Süd um Martin Wiese gegründet worden war.
6. September 2003: Schutzgruppe Kameradschaft Süd

Mehrere Jahre schon hatten sich deren Mitglieder wöchentlich zu paramilitärischen Übungen in den Wäldern um München getroffen. Ab dem Frühjahr 2003 begann die Gruppe, sich Waffen und Sprengstoff zu beschaffen.

Im Mai 2003 fiel der Beschluss, einen Bombenanschlag auf die Grundsteinlegung für das neue jüdische Gemeindezentrum zu verüben, die für den 9. November vorgesehen war. Durch einen V-Mann wurde der bayerische Verfassungsschutz auf die Pläne aufmerksam, bei der Razzia am 6. September wurden unter anderem 1,2 Kilogramm TNT und zwei Handgranaten gefunden. Landesinnenminister Günther Beckstein sprach damals von einer "Braunen Armee Fraktion". Wiese und acht Komplizen wurden wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung und Planung eines Sprengstoffanschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt.

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7. Oktober 2003

Thomas Adolf



Mit einer Pumpgun erschießt der Rechtsextremist Thomas Adolf den Rechtsanwalt Hartmut Nickel in seiner Kanzlei in Overath (Nordrhein-Westfalen), ebenso seine Frau und seine Tochter, Mechthild Bucksteeg und Alja Nickel.
7. Oktober 2003: Thomas Adolf

Der Täter war nach eigenen Angaben mehrere Jahre Söldner in Afrika, nach seiner Rückkehr Anfang der 1990er Jahre machte er kurz bei der rechtsextremen Deutschen Liga für Volk und Heimat mit, radikalisierte sich und ernannte sich zum Führer einer selbst gegründeten SS-Division.

Adolf legte eine Liste mit Gegnern des angeblich weiter bestehenden Deutschen Reiches an. Darauf fanden sich Politiker, Medienvertreter, jüdische Einrichtungen – und der Anwalt Nickel, der Jahre zuvor in einem Rechtsstreit die Gegner Adolfs vertreten hatte. Bei der Bluttat trägt Adolf am Hemdkragen SS-Runen. In einem Flugblatt an das "deutsche Volk" erklärte Adolf die Morde zum Auftakt eines Befreiungsfeldzugs. Kurz nach der Tat wurde er festgenommen und im Dezember 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt.

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2003/2004

Freikorps Havelland



Elf Jugendliche im Alter zwischen 15 und 19 Jahren gründen ein Freikorps Havelland, zwischen August 2003 und Mai 2004 verüben sie insgesamt zehn Brand- und Sprengstoffanschläge. Ziele sind Imbissbuden von asiatisch- oder türkischstämmigen Besitzern, die durch die Taten aus Brandenburg vertrieben werden sollen.
2003/2004: Freikorps Havelland

Die entstandenen Sachschäden summieren sich auf mehr als 600.000 Euro, die Inhaber geraten teilweise in existenzielle Not. Der Rädelsführer, ein neunzehnjähriger Abiturient, wird im März 2005 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, mehrere Mittäter zu Bewährungsstrafen zwischen acht Monaten und zwei Jahren.

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25. Februar 2004

Mehmet Turgut in Rostock erschossen

25. Februar 2004: Mehmet Turgut in Rostock erschossen

Seinen offenbar einzigen Mord in Ostdeutschland verübt der NSU in Rostock. Zwischen 10.10 Uhr und 10.20 Uhr betreten die Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos einen Döner-Imbiss am Neudierkower Weg 2 und schießen den 25-jährigen Aushilfsverkäufer Mehmet Turgut mit vier Schüssen aus der Česká–Pistole nieder.

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09. Juni 2004

Bombenanschlag in der Keupstraße Köln-Mühlheim



In der Keupstraße in Köln-Mühlheim, in der viele türkischstämmige Menschen wohnen, verüben die NSU-Terroristen einen Bombenanschlag nach Vorbild der britischen Terrorgruppe Combat 18.
09. Juni 2004: Bombenanschlag in der Keupstraße Köln-Mühlheim

Sie stellen ein Fahrrad vor dem Friseursalon von Özcan Yildirim ab. Auf dem Gepäckträger ist ein Motorradkoffer befestigt, in dem sich eine mit fünf Kilogramm Schwarzpulver und zehn Zentimeter langen Nägeln gefüllte Gasflasche befindet. Gegen 16 Uhr zünden die Täter Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos die Bombe fern, 22 Menschen werden teils lebensgefährlich verletzt.

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09. Juni 2005

Ismail Yaşar in Nürnberg ermordet



Zwischen 9.50 Uhr und 10.15 Uhr ermordet der NSU Ismail Yaşar in seinem Döner-Imbiss in der Velburger Straße 3 in Nürnberg.
09. Juni 2005: Ismail Yaşar in Nürnberg ermordet

Ein erster Schuss trifft den 50-Jährigen am rechten Ohrläppchen, während er sich wegduckt ein zweiter in die rechte Wange. Yaşar fällt hinter seinen Tresen, die Täter schießen drei weitere Male auf ihn. Er verblutet an einer zerfetzten Schlüsselbeinschlagader und wird später von einem Kunden gefunden.

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15. Juni 2005

Theodorus Boulgarides in München erschossen



In München stirbt der Grieche Theodorus Boulgarides, den der NSU offenbar wegen seines Aussehens für einen Türken hielt.
15. Juni 2005: Theodorus Boulgarides in München erschossen

Kurz vor 19 Uhr betreten die Täter Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den Schlüsseldienst, den der 41-Jährige in der Trappentreustraße 4 betreibt. Einer der Terroristen schießt Boulgarides direkt ins Gesicht, geht um die Verkaufstheke herum und schießt ihm zwei weitere Male in den Kopf.

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04. April 2006

Mehmet Kubaşık in Dortmund ermordet



In seinem Kiosk an der Mallinckrodtstraße 190 in der Dortmunder Nordstadt ermordet der NSU den Besitzer, Mehmet Kubaşık.
04. April 2006: Mehmet Kubaşık in Dortmund ermordet

Nach einem ersten, fehlgegangenen Schuss trifft ein zweiter das Opfer ins rechte Auge, im Fallen trifft ihn ein dritter in die Schläfe. Wenige Tage nach der Tat organisieren Angehörige und Freunde eine Demonstration: Der Verdacht wird geäußert, dass Kubaşık einem rechtsextremen Anschlag zum Opfer gefallen ist.

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06. April 2006

Halit Yozgat in Kassel erschossen

06. April 2006: Halit Yozgat in Kassel erschossen

Gegen 17 Uhr betreten die NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos ein Internet-Café in der Holländischen Straße 82 in Kassel. Im hinteren Bereich des Ladens arbeiten Kunden an Computern, darunter ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes. Im vorderen Bereich sitzt der 21-jährige Betreiber Halit Yozgat an seinem Schreibtisch. Mit ihrer Česká schießen die Terroristen ihm zweimal in den Kopf. Anfang Mai demonstrieren rund 2000 Menschen in Kassel gegen die Mordserie und weisen auch auf ein mögliches rassistisches Motiv hin.

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25. April 2007

Polizistin in Heilbronn ermordet



Das zehnte Todesopfer des NSU wird in Heilbronn die aus Thüringen stammende Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter.
25. April 2007: Polizistin in Heilbronn ermordet

Die 22-Jährige parkt zur Mittagspause gemeinsam mit ihrem Kollegen Martin Arnold in einem Streifenwagen auf dem Festplatz Theresienwiese. Kurz vor 14 Uhr treten die Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos von hinten an die geöffneten Autotüren und schießen beiden in den Kopf. Dabei benutzen sie zwei Pistolen der Marken Radom und Tokarew, die sie bisher für ihre Mordserie nicht verwendet hatten. Die Täter rauben ihren Opfern unter anderem deren Dienstwaffen, drei Magazine und Handschellen. Kiesewetters Kollege Arnold überlebt schwer verletzt.

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22. März 2012

Jörg Lange



In einem Pensionszimmer in Herzberg (nahe Berlin) wird der Neonazi Jörg Lange tot aufgefunden.
22. März 2012: Jörg Lange

Vermutlich starb er eines natürlichen Todes. In Langes Militärrucksack findet die Polizei drei Pistolen und einen umgebauten US-Karabiner mit Zielfernrohr. Offenbar gehörte Lange der terroristischen Vereinigung "Neue Ordnung" an.

Die Neue Ordnung war vom längjährigen Neonazi-Kader Meinolf Schönborn gegründet worden, der 1991 schon einmal zur Gründung rechtsextremer Terrorkommandos aufgerufen hatte. Auf den Tod Langes folgen Wohnungsdurchsuchungen in drei Bundesländern, unter anderem bei Schönborn. Im Juli 2013 wird bekannt, dass der Generalbundesanwalt gegen den 57-Jährigen sowie mehrere Komplizen erneut wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt.

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17. Juli 2013

Werwolf-Kommando



In Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sowie in den Niederlanden und der Schweiz durchsucht die Polizei Räume von sechs Männern, die ein Werwolf-Kommando gegründet haben sollen.
17. Juli 2013: Werwolf-Kommando

Vorausgegangen waren monatelange Ermittlungen der Bundesanwaltschaft wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Die Gruppe habe das Ziel gehabt, so die Behörde, "das politische System Deutschlands zu beseitigen".

Mutmaßlicher Rädelsführer ist der Schweizer Sebastien N., der im Mai 2012 in Zürich einen Mann niedergeschossen und danach auf der Flucht am Hamburger Hauptbahnhof gefasst wurde. Er hatte schon länger Kontakte zur dortigen Gruppierung "Weiße Wölfe Terrorcrew", mit denen er nun wohl ein Werwolf-Kommando aufbauen wollte.


Quellen:



Bundesamt für Verfassungsschutz: BfV Spezial. Rechtsextremismus Nr. 21. Gefahr eines bewaffneten Kampfes deutscher Rechtsextremisten – Entwicklungen von 1997 bis Mitte 2004. Köln 2004 (VS – Nur für den Dienstgebrauch)

Pfahl-Traughber, Armin: Geschichte des Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland. http://www.blz.bayern.de/blz/eup/01_12/5.asp

Rabert, Bernhard: Links- und Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland von 1970 bis heute. Bonn 1995

Röpke, Andrea/Speit, Andreas (Hrsg.): Blut und Ehre. Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland. Berlin 2013

Rosen, Klaus-Henning: Rechtsterrorismus. Gruppen-Taten-Hintergründe. In: Paul, Gerhard (Hrsg.): Hitlers Schatten verblasst. Die Normalisierung des Rechtsextremismus. Bonn 1989, S. 49-78

Staud, Toralf/Radke, Johannes: Neue Nazis – Jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts. Köln 2012

www.zeit.de/themen/gesellschaft/todesopfer-rechter-gewalt/index

Der Spiegel/Spiegel Online


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