Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

Bildstrecke: Rechtsextreme Jugendkulturen

Rechtsextreme Jugendkulturen modernisieren und vermischen sich zunehmend. Von linksextremer Ästhetik (Transparent vorne) über Graffiti-Stil (hinten mittig) bis hin zu NS-Verherrlichung (SS-Fahne und Hakenkreuzfahne) gibt es alle Spielarten der Selbstinszenierung. Bei dieser Razzia in Hamburg 2012 wurden auch Schlag- und Schusswaffen sowie selbst gebaute Böller und Tränengasgranaten gefunden. Ziele der Hausdurchsuchungen waren Mitglieder der militanten "Weissen Wölfe Terrorcrew". 2016 wurde die Gruppe schließlich vom Innenministerium verboten.Die rechtsextreme Szene bietet konspirativ organisierte Kinderzeltlager mit Wanderungen, Lagerfeuer und militärischem Drill nach dem Vorbild der Hitler-Jugend an. Das Kinderzeltlager der "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) 2006 in Fromhausen bei Detmold (Nordrhein-Westfalen) hatte sogar ein Zelt mit der Aufschrift "Führerbunker" am Eingang. Die HDJ wurde 2009 verboten. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie rund 400 Mitglieder. Viele wichtige Funktionäre des rechtsextremen Spektrums waren in ihrer Jugend Mitglied in Gruppen wie der HDJ oder der 1994 verbotenen Wiking-Jugend.Rechtsrock-Konzerte und rechte Musik sind ein wichtiger Teil der rechtsextremen Erlebniswelt. Rund 200 aktive Bands und knapp 100 rechtsextreme Versandhändler, die die entsprechenden CDs versenden, gibt es in Deutschland. Statistisch gesehen findet fast jeden zweiten Tag irgendwo in der Republik ein Neonazikonzert statt, die Tendenz ist steigend. Mal werden die Veranstaltungen konspirativ organisiert mit wenigen hundert Zuschauern, mal als NPD-Veranstaltung offiziell angemeldet mit tausenden Neonazis vor der Bühne. Beim NPD-Openair "Eichsfeldtag" 2015 in Leinefeld stand auch Michael Regener, der ehemalige Sänger der 2003 verbotenen Band "Landser", mit seiner Band "Die Lunikoff Verschwörung" auf der Bühne.Die Außendarstellung hat sich in den vergangenen Jahren stark modernisiert. Frakturschrift und NS-Ästhetik sind moderner Streetart-Symbolik gewichen. Ob CD-Cover, Transparente bei Demonstrationen, Flugblätter oder T-Shirt-Motive: Überall versuchen junge Neonazis, popkulturelle Elemente aus dem Mainstream aufzunehmen. Die Ideologie dahinter hat sich jedoch nicht geändert. Auf einer eigenen Webseite namens "Straßenkunst" sammeln Berliner Autonome Nationalisten neonazistische Graffiti. Der Screenshot zeigt ein dort präsentiertes Wandbild für NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke im modernen Stencil-Stil.Jüngere Rechtsextreme bedienen sich gerne popkultureller Symbole – so auch auf diesem Beutel, den eine Teilnehmerin im Jahr 2015 auf dem jährlich veranstalteten "Trauermarsch" in Bad Nenndorf über der Schulter trägt. Das weltberühmte "I love New York"-Motiv wurde in "Ich liebe den Nationalsozialismus" abgeändert. Populär gemacht hat das Motiv die rechtsextreme Metalcore-Band "Moshpit" aus Altenburg in Thüringen.Die zahlreichen Aufmärsche, wie hier am 1. Mai 2016 im sächsischen Plauen, werden für rechtsextreme Jugendliche zum identitätsstiftenden Gemeinschaftserlebnis.Der traditionsbewusste Teil der Szene konzentriert sich in der Außendarstellung auf Ordnung, Disziplin und militärisches Auftreten. In einheitlicher Kleidung und mit Militärkappellentrommeln schreitet hier der langjährige Landesvorsitzende der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" aus Niedersachsen, Christian Fischer (vorne rechts), mit seinen Kameraden 2010 durch Bad Nenndorf. Fischer war auch bei der völkischen "Heimattreuen Deutschen Jugend" aktiv.Militante Neonazis, die auf der Suche nach Auseinandersetzungen mit der Polizei und Gegendemonstranten sind, versuchen seit Jahren, das Bild eines schlagkräftigen Schwarzen Blocks von rechts zu zeichnen. Diese Gruppe, die sich am 1. Mai 2017 in Halle (Saale) versammelt, gehört zu den "Autonomen Nationalisten". Sie entstanden Anfang der 2000er Jahre aus Neonazi-Kameradschaften, orientieren sich in ihrem Äußeren an linken sowie an unpolitischen Jugendkulturen und gelten als besonders gewaltbereit.In der Hooliganszene haben sich mit HoGeSa (Hooligans gegen Salafisten) nicht nur zahlreiche gewaltbereite Hooligan-Gruppen lose zusammengeschlossen. Auch rechtsextreme Parteien wie die NPD, Pro NRW und Die Rechte suchen den Kontakt zu diesem Netzwerk. Erlebnisorientierte Fußballfans geraten so leichter in Kontakt mit der organisierten Neonazi-Szene. Hier ist ein Teilnehmer einer HoGeSa-Demonstration 2014 in Hannover zu sehen.In sozialen Netzwerken wie Instagram oder Tumblr zeigt sich besonders deutlich die Diversifizierung rechtsextremer Jugendkulturen. Wie hier in der Collage zu sehen, postet ein User scheinbar wahllos auf den ersten Blick unpolitische Lifestyle-Fotos, aber eben auch Wehrmachtsbilder, Kampfsportfotos, Graffiti-Parolen, Waffen, antisemitische Gewaltvideos der Hamas, rechtsextreme Schulungsveranstaltungen und eine Persiflage auf das linksalternative „Kein Mensch ist illegal“-T-Shirt mit dem Konterfei Adolf Hitlers.Mit professionellen Musikvideos schaffen es Neonazi-Rapper wie Julian Fritsch (Pseudonym „Makss Damage“), tausende User über das Internet zu erreichen. In den Youtube-Clips posieren die Rechtsextremen – wie hier im Screenshot zu sehen – im Gangster-Stil mit Sturmhauben und Waffen. Sie tragen in der rechtsextremen Szene beliebte Marken wie Thor Steinar oder Ansgar Aryan und schwenken eine Reichskriegsfahne. Während langjährige Neonazis dem NS-Rap häufig eher kritisch gegenüberstehen, sehen jüngere Rechtsextreme darin die Chance, über die Musik Zugänge für Jugendliche zu schaffen.