Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

10.3.2009 | Von:
Nadja Ritter

Rechtsextremes Liedgut

Das Repertoire von rechtsextremem Liedgut besteht fast ausnahmslos aus Songs mit rassistisch-gewaltverherrlichenden Inhalten. Nadja Ritter stellt die Nazilyrik beispielhaft vor.

Beschlagnahmte Musik-CDs der Skinhead-Musikgruppe Race War werden im Stuttgarter Landesamt für Verfassungsschutz gezeigt. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage gegen die 4 Mitglieder der Gruppe wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung erhoben, der Prozess beginnt vor dem Landgericht Stuttgart.Beschlagnahmte Musik-CDs der Skinhead-Musikgruppe Race War werden im Stuttgarter Landesamt für Verfassungsschutz gezeigt. (© AP)

Das Repertoire von rechtsextremem Liedgut besteht fast ausnahmslos aus Songs mit rassistisch-gewaltverherrlichenden Inhalten. Im Gegensatz zum oftmals als Pendant herangezogenen "Heavy Metal", der in seinen Songs das Schauerliche meist irgendwo auf dem "Highway to hell" in Fantasien stattfinden lässt, sind die Texte der rechtsextremen Bands geprägt von einem fatalen Realismus. Vermeintlich objektiven Schilderungen von negativen Alltagserfahrungen werden schlagwortartig Versatzstücke aus dem bekannten Vokabular faschistischer und rassistischer Ideologien handlungsleitend und -legitimierend entgegengesetzt. Das gerade bei Rockmusik häufig gehörte Argument, dass die Textinhalte hinter der Musik verschwinden und eigentlich überhaupt nicht bewusst wahrgenommen werden, trifft auf den rechtsextremen Rock sicher nicht zu. Seine Liedtexte repetieren Parolen, die jeder seiner Zuhörer meist bereits kennt und die jedem unmittelbar eingehen. Ein Text, der dies sehr deutlich werden lässt, ist das Lied "Fidschi" von der Band "Landser", in dessen Refrain es lautet:
"Fidschi, Fidschi, gute Reise
Fidschi, Fidschi, nonstop nach Saigon
Fidschi, Fidschi, ab durch die Mitte
Fidschi, Fidschi, auf und davon"
In den Texten werden Sekundärtugenden wie Sauberkeit, Solidarität, Ordnungssinn und vor allem Treue (wie in den faschistischen Traditionen immer geschehen) zu Primärtugenden aufgewertet. Als Beispiel sei hier die Band "Kraftschlag" mit dem Lied "Es kommt die Zeit" genannt:
"Wer redet noch Vaterland, von Ehre und Nation,
Was sagt der Vater zu seinem Sohn?
Der Schatten eines Lächelns legt sich auf mein Gesicht
Weil wahrer Glaube nicht zerbricht"
Der Aufruf zum Widerstand spielt ebenfalls eine zentrale Rolle bei den Inhalten des rechtsextremen Liedguts. Und wenn dieser Widerstand "im Guten" nichts bewirkt, so müsse dieser im Kampf geschehen und dabei eventuell auch Blut vergossen werden. So formuliert die Band "Kraftschlag" mit "Widerstand" folgenden Refrain:
"Wir werden uns wehren
Und stolz für unsere Zukunft streiten
Wir werden kämpfen
Bis das Blut und keine ...
Wir fallen niemals
Auf die Knie vor diesem Lumpenpack
Zur Not mit Knüppeln oder Steinen
Dann gibt´s richtig auf den Sack"
Bei der Widerstandsregung ist es vor allem wichtig, dass die Bewegung von der Masse ausgeht. Außerdem wird oftmals die Bereitschaft erwartet, für diese so genannte "gute Sache" sein Leben zu lassen. So lautet der Schluss dieses Liedes:
"Und auf Brechen und auf Biegen
soll immer wieder unser Motto sein
Sterben oder Siegen"
In Texten vieler rechtsextremer Bands wird betont, dass die Geschichtsschreibung in Deutschland als verdreht empfunden werde und Hoffnung ausgedrückt, dass mit anhaltendem Widerstand auch die Zeit wiederkommen werde, in der die "Wahrheit" aus Sicht von Neonazis ans Licht treten werde. Lyrische Zeitreisen werden unternommen, in denen aus der Propaganda-Sicht der Rechtsextremen deutlich werden soll, was Wahrheit und was Lüge sei, wie zum Beispiel in den Texten der Band "Division Wiking". Die Glorifizierung einzelner Szene-Idole ist ebenfalls ein zentrales Thema im Liedgut rechtsextremer Bands. Blood& Honour Gründer Ian Stuart sei erwähnt, oder Personen aus der Zeit des Nationalsozialismus, wie der Hitlerstellvertreter Rudolf Heß.

Glorifiziert werden außerdem so genannte "Kameraden", die sich in Haft befinden. Auch besungen wird der Massenmörder Fritz Haarmann, der in den 30-ger Jahren seine Abneigung gegen die Homosexualität dadurch zum Ausdruck brachte, dass er Homosexuelle zu "Wurst" verarbeitete. Einige Songs lobpreisen auch die Saufgelage von Rechtsextremen, und so gibt es Titel wie "Dosenbier" von "Division Wiking" oder "Koma Kolonne" von "Landser", die ausschließlich von Besäufnissen handeln.

Immer wiederkehrend in den Texten etlicher Bands ist der Traum von der "Festung Europa". Es gehe also nicht nur um "deutsches Blut", das geschützt werden solle, sondern um ganz Europa, das vor der fortschreitenden Besiedlung fremder Rassen behütet werden soll. Am deutlichsten geäußert ist dies in dem Lied "Europa" von "Kraftschlag":
"Weiter durch das Land einst so mächtig und groß
legt das Herz Europas die Hände in den Schoß
Auch in Holland, Belgien, Frankreich, in jeder Nation
Sitzen heut die Herren der Zerstörung auf dem Thron
Im Süden Europas hat die Invasion begonnen
Eine Menschenlawine kommt in Booten angeschwommen
Das Römische Reich, das antike Griechenland
Europas Bollwerk im Süden wird überrannt."
Zu finden sind aber auch Texte, die ausschließlich von der Erhaltung der "weißen arischen Rasse" sprechen und von der "Verhinderung eines Endes der weißen Art". Die "Reinheit des Blutes" müsse erhalten bleiben, dazu seien der "größte Schatz deutsche Kinder" und multikulturelle Erzeihung sei tabu.

In Texten rechtsextremen Bands lassen sich auch immer wiederkehrende Feindbilder herausstellen: Bei ausnahmslos allen Gruppen ist eines der größten Feindbilder "der/das Fremde". Am vulgärsten und härtesten trifft dies bei der Band "Landser" zu, die von "Türkenschwein" über "Fidschi" & "gelbe Affen" bis hin zu "Nigger" wohl nichts im Repertoire rassistischer Schimpfwörter auslässt. Phrasen wie "das Boot ist voll" oder "eine Menschenlawine kommt in Booten angeschwommen" sind in vielen Texten vorhanden.

Das zweite große Feindbild bilden die "Antifa", die Linken, die titulierten Punker und "Zecken". "Die Linken" ist hier zum einen politisch gemeint, d. h. die Anhängerschaft kommunistischer und sozialistischer Ideen, zum anderen ist links aber auch ein Etikett für gegnerische Jugendcliquen (vor allem Punks), ohne dass hierbei auf ein politisches Credo referiert wird. So singt die Band "Selbstdarsteller" das Lied vom "Klaus von der Antifa":
"Ich mache vor nichts halt und krieg die ... im Wald
bei den Chaostagen bin ich auch dabei
denn ich bin ein Kommischwein
ich werfe gerne Steine auch auf unschuldige Passanten
und brauch ich Geld für Drogen, beklau ich meine Verwandten
Denn ich bin Klaus von der Antifa und benehme mich wie ein Schwein
Und solange es Kommunisten gibt, werd ich´s, werd ich´s auch immer sein."
Das Feindbild des "Abschaums" oder des sozial Schwächeren betrifft – in der Wortwahl der Texte – Penner, Junkies, Schwule, Krüppel, Zigeuner und Vergewaltiger. Ein Beispiel hierfür gibt der Text des Liedes "Abschaum der Nation" wieder von der Band "Division Wiking":
"Bunte Haare, vollgepisst
den Verstand schon weggekifft
Erstmal ein Glas Methadon
Für den Abschaum der Nation
Raus, raus aus unserer Stadt
Eure Parolen haben wir satt
Raus, raus, raus ihr seid verbannt
Denn dies hier, das ist unser Land"
Auch das Judentum gehört nach wie vor zu den Feindbildern der Rechtsextremen; dies schlägt sich in einer ganzen Reihe Texte nieder, personifiziertes Opfer, etwa in Textzeilen der Band "Blitzkrieg" ist der jüdische Rechtsanwalt und Journalist Michel Friedman. Häufig stößt man auf die Abkürzung "ZOG" als Szene-Kürzel für eine angebliche jüdische Weltverschwörung.Hass in solchen Texten richtet sich nicht nur gegen das Judentum, sondern auch gegen das Christentum. Hierbei wird gleichzeitig auf die Bedeutung der germanischen Mythologie Bezug genommen. Die Band "Asatru" denunziert im folgenden Textauszug den Gott der Christen und erhebt gleichzeitig die Götter der Germanen (speziell Odin/Wodan und Thor/Donar) auf diesen Thron.
"Ich will den Gott nicht, der den Frieden gibt
ich will den Gott nicht, der in Mauern wohnt
ich will den Gott nicht, der unsichtbar thront
ich will den Gott nicht, der das Recht verschiebt
ich will den Gott nicht, der......
ich will den Gott nicht, der den Sklaven liebt
ich will den Gott im grünen Eichenkleid
[...] ich will den Gott, der Blitzes Peitsche schwingt
der mein allgemeines Sturmlied singt."
Dem Christentum stehen im Glauben der Rechtsextremisten die germanischen Götter gegenüber, deren Lobpreisung sich wie ein roter Faden durch die Texte zahlreicher Bands zieht. Außerdem richtet sich die Antipathie rechtsextremer Musiker gegen "Feindmedien", durch die sie angeblich zum Sündenbock der Nation gemacht würden. Das Feindbild "Regierung" findet sich vor allem in der Darstellung als eine "Die-da-oben"-Politik, die mit ihrer Ausländerpolitik – laut Texten – Jugendlichen in den Rechtsradikalismus treibe und mit ihrer "Scheindemokratie" unschuldige "Kameraden" ins Gefängnis wegsperre. Des Weiteren wird Kritik am Kapitalismus laut, denn "Das Geld zerstört die Einigkeit". Auch die Polizei wird verachtet. Polizisten werden in Liedern als "Knechte des Systems" bezeichnet, welche Konzerte auflösen, CDs beschlagnahmen und Hausdurchsuchungen durchführen. Sie gelten somit nur als "Handlanger" der Regierung und somit ebenfalls als verabscheuungswürdig.

In der vorangegangen Ausführungen über die Inhalte von rechtsextremen Liedgut zeigte sich deutlich, dass sich die Feindbilder der rechtsextremen Bands über ein breites Spektrum erstrecken und dass sich ihre tiefe Abneigung gegen jegliche Art des Verschiedenseins und Andersdenkens richtet. In ihrer Ausdrucksweise greifen sie dabei auf ein vulgäres Sprachrepertoire zurück, bedienen sich aus dem bekannten Vokabular faschistischer und rassistischer Ideologien und verwenden eingängige Parolen. So werden in den Liedern rechtsextremer Bands genau diese Gesinnungen und Weltansichten der rechten Szene deutlich, die auch sonst von ihnen nach außen getragen werden.

Quellen:

Blitzkrieg: Rede, Lüge, Hetze. Quelle: Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen.

Blitzkrieg: Achtung! Quelle: Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen.

Division Wiking: Dosenbier. Quelle: Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen.

Division Wiking: Abschaum der Nation. Quelle: Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen.

Kraftschlag: Europa. Quelle: Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen.

Kraftschlag: Es kommt die Zeit. Quelle: Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen.

Kraftschlag: Widerstand. Quelle: Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen.

Landser: Fidschi. Quelle: Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen.

Landser: Komakolonne. Quelle: Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen.

Selbstdarsteller: Klaus von der Antifa. Quelle: Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen.

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Autor: Nadja Ritter für bpb.de
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