Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

10.3.2009 | Von:
Holger Kulick

Argumentationshilfen gegen Schulhof-CDs

Im Jahr 2004 kam es erstmals zu einer Aktion Schulhof-CD. Kostenlos wurden in kurzen Propagandaaktionen vor Schulen, Jugendclubs, Diskotheken und an Busbahnhöfen CDs verschenkt mit Titeln neonazistischer Bands und Liedermacher. In den Folgejahren griff die NPD das Rezept auf, vor allem in Landtagswahlkämpfen und im Bundestagswahlkampf. Wie damit umgehen?

Die NPD wirbt mit neonazistischen Bands auf den Schulhof-CDs. Screenshot, 30. November 2011, http://www.npd.de/schulhof-cd/.Die NPD wirbt mit neonazistischen Bands auf den Schulhof-CDs. Screenshot, 30. November 2011, http://www.npd.de/schulhof-cd/.

Im Jahr 2004 kam es erstmals zu einer sogenannten "Aktion Schulhof-CD", zunächst aus dem Lager rechtsextremer Kameradschaften heraus. Kostenlos wurden in kurzen Propagandaaktionen vor Schulen, Jugendclubs, Diskotheken und an Busbahnhöfen CDs mit Titeln neonazistischer Bands und Liedermacher verschenkt. In den Folgejahren griff die NPD das Rezept auf, vor allem in Landtagswahlkämpfen und im Bundestagswahlkampf. Auch auf der Homepage der NPD ist die CD downloadbar. Die Scheibe ist provokant betitelt: "Der Schrecken aller linken Spießer und Pauker".

Einige Schulen organisierten Gegenaktionen. Im niedersächsischen Verden wurden auf Initiative der Schülervertretungen braune Mülltonnen aufgestellt - für braunen Propagandamüll. Auch lokale Radiosendern boten sich in einigen Regionen an, Neonazi-CDs kostenlos gegen andere CDs einzutauschen.

Lehrern empfiehlt es sich durchaus, die CD nicht etwa einsammeln zu lassen, sondern auch im Unterricht zu behandeln, weil anhand der darauf gesungenen Texte rechtsextremes Denken, Argumentieren und Lavieren an der Verbotsgrenze entlang lehrreich entschlüsselt und analysiert werden kann. Dazu gibt es mehrere Argumentationshilfen im Internet. Die ausführlichste Fassung inclusive aller Texten stammt von der Arbeitsstelle Neonazismus der Fachhochschule Düsseldorf und dem Verein 'Argumente & Kultur gegen Rechts e.V. in Bielefeld'. Verfasser sind Christian Dornbusch und Jan Raabe. Die jüngste Fassung stammt aus dem September 2006:

DOWNLOAD: netz-gegen-nazis.de (PDF)

Es gibt aber auch musikalische Gegeninitiativen. So haben in Koproduktion mit der Bundeszentrale für politische Bildung 2008 mehrere bundesweite Projekte, darunter www.mut-gegen-rechte-gewalt.de, Gesicht!zeigen, die Website 'Blick nach Rechts', Warner Music, der Bundesverband der Musikindustrie und das Jüdische Museum Berlin, eine CD unter dem Titel "Starke Stimmen gegen Rechts" herausgebracht, mit Bands wie Silbermond, SEEED, Jan Delay, Jennifer Rostock, Sportfreunde Stiller, Keimzeit, den Toten Hosen, Lafee, Beatstakes u.a.m.

Doch CDs mit Rock gegen Rechts gibt es nicht nur von den "ganz großen" Stars. Auch Projekte oder Schulen könnten sie produzieren. Vier Beispiele:

"Songs gegen Rechts" - heisst eine nichtkommerzielle CD von Günther Kohl am Beruflichen Schulzentrum Oskar-von-Miller in Schwandorf, erschienen 20005. Alle, die an der Schule Musik machen, sind drauf vertreten, eine vielseitige Produktion, die es für 5 Euro zu erwerben gibt. Die Schule ist seit 1998 mit solchen Initiativen aktiv. Damals zündete ein Azubi der Schule das Haus einer türkischen Familie an, dabei starben vier Menschen...

"Nazis weg (hören)" - eine Eigenproduktion des Wurzener Netzwerks für Demokratische Kultur mit zahlreichen local Heroes, erschienen im Jahr 2007. Gute Bands der Umgebung wurden angefragt um auf diese Weise einen Beitrag gegen Rechtsextremismus zu leisten. Die CD wird gegen eine Spende abgegeben.

"Rap for Q-Rage" - jährlich veranstaltet die Initiative Schule-gegen-Rassismus einen Rap-Contest mit Musik gegen Rassismus und Rechtsextremismus für Nachwuchskünstler. Die jeweiligen Gewinner haben im Juli 2008 zum zweiten Mal eine CD konzipiert, die auch im Kontrast zu herkömmlichem Rap steht. Gangsta Rap und frauenfeindliche Texte haben hier keine Chance.

"Polyphon statt monoton" - heisst eine CD, die vom Verein "Leipzig. Courage zeigen e. V." sowie zahlreichen Partnern aus der Stadt im März 2009 veröffentlicht wurde, darunter Grüne, Jusos und DGB. Insgesamt 4.000 CD wurden hergestellt. 18 regional bekannte Bands sind vertreten, die regelmäßig am 30. April beim kostenlosen Konzert "Leipzig Courage zeigen" gegen Rechtsextremismus teilnehmen. Finanzier der CD ist das Bündnis für Demokratie und Toleranz.

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Autor: Holger Kulick für bpb.de
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