Links und Literatur
16.6.2008
Fabian Virchow, Christian Dornbusch (Hrsg.), 88 Fragen und Antworten zur NPD. Weltanschauung, Strategie und Auftreten einer Rechtspartei – und was Demokraten dagegen tun können, Wochenschau Verlag, Schwalbach 2008.
In diesem Buch werfen zahlreiche Experten einen Blick hinter die Fassade der NPD, die sich in der Öffentlichkeit oft bieder und bürgernah gibt. Die konkreten Fragen zu den wichtigsten Aspekten der organisatorischen Entwicklung und des politischen Auftretens, zu Programmatik und Personal der Partei machen das Buch sehr übersichtlich. Es bietet daher einen raschen Zugriff für eine erste Orientierung. Zudem wurde Wert darauf gelegt, dass die Texte allgemeinverständlich geschrieben wurden.
Andrea Röpke, Andreas Speit (Hrsg.), Neonazis in Nadelstreifen. Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft, Ch. Links, Berlin 2008.
Auch diese beiden Autoren schauen hinter die biederen Kulissen der rechtsextremen Partei, die sich trotz der Allianz mit militanten Kameradschaften auf die Mitte der Gesellschaft zu bewegt und sich in einzelnen Regionen bereits etabliert hat. In einer Mischung aus Analyse und Reportagen werden Hintergründe und Weiterentwicklung der NPD beleuchtet, die längst nicht mehr auf kurzfristige Wahlerfolge setzt, sondern eine heterogene Wählerschicht längerfristig an die Partei zu binden versucht. Doch auch wenn sich die Rechtsextremisten zunehmend durch soziales oder ehrenamtliches Engagement hervortun, um in die bürgerliche Mitte einzudringen, bedeutet dies nicht, dass die NDP demokratisch geworden wäre.
Mathias Brotkorb, Volker Schlotmann (Hrsg.), Provokation als Prinzip. Die NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Adebor Verlag, 2008.
Dieser Band beschäftigt sich ausführlich mit der Landtagsfraktion der NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und zeigt auf, in wie weit sich politische Inhalte und Stil der Partei seit dem Einzug ins Parlament im Herbst 2006 gewandelt haben. Neben dem parlamentarischen Alltag beleuchtet das Buch intensiv die Zusammenarbeit der Fraktion mit gewaltbereiten Neonazis oder deren Betätigung in Vorfeldorganisationen wie der "Heimtreuen Deutschen Jugend" (HDJ). Neben den Beiträgen von Journalisten und Wissenschaftlern beinhaltet das Buch außerdem fast 80 Fotografien und 30 Seiten Dokumentation von Parlamentsdebatten, um einen konkreten Einblick in die Debattenkultur im Schweriner Schloss zu geben.
Markus Tiedemann, "In Auschwitz wurde niemand vergast." 60 rechtsradikale Lügen und wie man sie widerlegt, Verlag an der Ruhr, 1996.
Dieses Buch, das sich an Schüler ab der siebten Klasse wendet, will ein thematisch geordnetes Geschichtsbuch und eine Argumentationshilfe gegen die Thesen von Geschichtsrevisionisten und Holocaustleugnern sein. Um diesen sachlich mit Faktenwissen entgegentreten zu können, hat der Autor die gebräuchlichsten Lügen der Rechten gesammelt, analysiert und widerlegt. Alle benutzten Quellen und weiterführende Literatur sind sorgfältig zusammengestellt, sodass Weiterfragen und Weiterforschen ausdrücklich erwünscht ist. Das Buch wurde 1998 mit dem Preis 'Das politische Buch´ der Friedrich-Ebert Stiftung ausgezeichnet.
Marion Schweizer, Jonas Lanig, "Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg!" Rechtsradikale Propaganda und wie man sie widerlegt, Verlag an der Ruhr, 2002.
Dieses Buch will einen Beitrag dazu leisten, den Argumentationsnotstand gegen rechtsextreme und fremdenfeindliche Parolen zu beheben, die nicht selten mit falschen Statistiken und Untersuchungen untermauert werden. Die Autoren gehen auf Behauptungen wie "Ausländer sind krimineller veranlagt als Deutsche" oder "Ausländer plündern die Rentenkassen" ein. Sie zeigen auf, woher sie kommen und entkräftet sie anhand nüchterner Daten, Zahlen und Fakten. Dabei nennen sie ihre Quellen, so dass jede Darstellung nachgeprüft werden kann, und zeigen statistische Daten in ihrem Zusammenhang. Dabei werden interkulturelle Probleme, die es zweifellos gibt, nicht beschönigt, sondern auf ihre tatsächlichen Ursachen zurückgeführt. Der Text wird ergänzt durch Fotos und Selbstdarstellungen von Menschen unterschiedlicher Herkunft, die in Deutschland leben, von Tickermeldungen über Gewalt gegen Ausländer, von Statistiken, Diagrammen, Zeittafeln, Karten, Gesetzestexten und erhellenden Karikaturen. Das Buch ist ein Wegweiser durch den Dschungel populärer Vorurteile mit hohem Gebrauchswert für Journalisten, Lehrer, den Schulunterricht oder für alle, die sich mit interkultureller Kommunikation beschäftigen. Dabei bleibt es auch für Jugendliche selbst verständlich.
Brigitte Bailer-Galanda, Wolfgang Benz, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Die Auschwitzleugner. 'Revisionistische Geschichtslüge und historische Wahrheit. Berlin 1996.
Die Leugnung des Holocaust steht im Mittelpunkt der internationalen neonazistischen Propaganda. Die Verharmlosung der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen geht aber weit über den Kreis des organisierten Rechtsextremismus hinaus. Das vorliegende Buch informiert ausführlich über Inhalte und Träger dieser Propaganda und stellt den revisionistischen Geschichtslügen die historische Wahrheit gegenüber.
Deborah Lipstadt: Betrifft: Leugnen des Holocaust, Zürich 1994.
Lipstadts Buch Denying the Holocaust. The Growing Assault on Truth and Memory´ aus dem Jahr 1993 erreichte für eine wissenschaftliche Publikation eine ungewöhnlich große, internationale Aufmerksamkeit und hat bereits 1996 eine deutsche Taschenbuchausgabe mit dem Titel 'Leugnen des Holocaust. Rechtsextremismus mit Methode´ nach sich gezogen. Zum ersten Mal wurde die Holocaustleugnung hier als internationales Phänomen Thema einer umfassenden Monographie. Ihre Darstellung ist eine kommentierte Zusammenstellung der Lügen und Halbwahrheiten der international bekannten Revisionisten, verbunden mit einer sorgfältigen und sachlich fundierten Analyse und Widerlegung der Argumentationen. Wegen der ihn betreffenden eindeutigen Aussagen dieser Veröffentlichung strengte der bekannte Holocaustleugner David Irving 1996 vor einem Londoner Gericht einen Prozess gegen Lipstadt wegen Beleidigung, übler Nachrede und Geschäftschädigung an und verlor auf ganzer Linie.
Till Bastian, Auschwitz und die 'Auschwitz-Lüge´. Massenmord und Geschichtsfälschung, C.H. Beck, München 1997.
Das Buch bietet zunächst eine Darstellung der Tötungsmaschinerie von Auschwitz. Die Auseinandersetzung mit den revisionistischen Thesen der Ausschwitzleugner fällt dagegen knapp aus. Als Einführung in das Thema ist das handliche Taschenbuch aber nützlich. Eine ausführlichere Darstellung enthält das oben genannte Buch 'Die Auschwitzleugner´.
Wolfgang Benz: Die Protokolle der Weisen von Zion. Die Legende von der jüdischen Weltverschwörung, C.H. Beck, München 2007.
Vor mehr als 100 Jahren behauptete der zaristische Geheimdienst, an die Mitschriften des zionistischen Weltkongresses von 1897 gekommen zu sein. In 24 Protokollen hätten die Juden dort Pläne zur Übernahme der Weltherrschaft skizziert. Dass es sich dabei um ein Konstrukt des Antisemitismus handelt, ist schon oft wissenschaftlich bestätigt worden. Die Frage, warum dieses Pamphlet dennoch mehr denn je ein zentrales Referenzdokument des Antisemitismus darstellt, stellt der renommierte Historiker Wolfgang Benz. Wie funktionierte die Legendenbildung, welchen Sinn stiften Mythen und welche Bedürfnisse nach einfachen Welterklärungen erfüllten die Protokolle.
Hanno Loewy, Gerüchte über die Juden: Antisemitismus, Philosemitismus und aktuelle Verschwörungstheorien, Klartext-Verlagsgesellschaft, 2005.
War die Stigmatisierung von Juden in Europa über Jahrhunderte davon geprägt, die jüdische Gemeinschaft auszugrenzen und zugleich zu vereinnahmen, so treffen wir heute in einer postkolonialen Welt auf das umgekehrte Phänomen: Juden werden nun auch aus der umgekehrten Perspektive verschwörungstheoretisch als Bedrohung einer angeblich "eigenen", unteilbaren Kultur stigmatisiert. Der "Westen", die USA und Israel sind dabei ein schillerndes Feindbild geworden, auch für Menschen und Kollektive, die mit Juden gar nicht in Berührung kommen. Die Bilder und Vergegenständlichungen, in denen dies geschieht, sind verblüffend interkulturell. So wurde eine Fernsehspielfassung der "Protokolle der Weisen von Zion" zum großen Erfolg des ägyptischen Staatsfernsehen. Sechzehn Beiträge thematisieren das "Reden über die Juden" im globalisierten Europa, das eher ein Flüstern ist - eine Sprache der Andeutungen und Auslassungen, der frei schwebenden Bilder, die alle irgendwie kennen, auch wenn sie nicht genau wissen woher. Eine hochgradig ambivalente Faszination des "Jüdischen", die sich zugleich in Philosemitismus und Antisemitismus äußert, die nur scheinbar das Gegenteil voneinander sind.
Eric Stephen Bronner, Ein Gerücht über die Juden. Die Protokolle der Weisen von Zion und der alltägliche Antisemitismus. Propyläen Verlag, Berlin 1999.
Der Historiker Stephen E. Bronner demonstriert am Beispiel der Protokolle der Weisen von Zion, wie ein Gerücht über die Juden unserem Jahrhundert seinen blutigen Stempel aufdrücken konnte. Er zeichnet kenntnisreich die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Protokolle nach und zeigt auf, welchen kulturellen und politischen Klimas es bedurfte, damit aus einem antisemitischen Machwerk ein "weltweiter Exportschlager" werden konnte, der noch immer als "wichtiger Bezugspunkt" für fundamentalistische, neofaschistische und antisemitische Gruppierungen dient.
Will Eisner, Das Komplott. Die wahre Geschichte der Protokolle der Weisen von Zion. Mit einer Einführung von Umberto Eco, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005.
Genau 100 Jahre nach dem Erstdruck der "Protokolle der Weisen von Zion" gibt es eine Neuausgabe des Handbuchs für Antisemiten - als aufklärerischen Comic. Sie gibt die Möglichkeit, "die wahre Geschichte" der Protokolle kennen zu lernen. Es ist die letzte große Arbeit von Will Eisner, dem Altmeister des amerikanischen Comics und Pionier der 'Graphic Novels´. Er zeichnet sehr konkret den Verlauf der Dinge nach, aber weil sich nicht alles in Bilder packen lässt, werden Teile der 'Protokolle´ auch als Texte dokumentiert.
Rolf-Dieter Müller und Hans-Erich Volkmann (Hrsg.), Die Wehrmacht: Mythos und Realität, Oldenbourg, München 1999.
Seit dem Start der Ausstellung "Vernichtungskrieg: Verbrechen der Wehrmacht" des Hamburger Instituts für Sozialforschung im Jahre 1995 hat die Frage nach der Verstrickung der Wehrmacht in die nationalsozialistischen Verbrechen eine öffentliche Debatte entfacht, in der die bisherigen Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft wenig zur Sprache kamen. Hervorgegangen aus einer internationalen Tagung vereint dieser Band rund 60 Beiträge mit schon bekannten, aber auch neuen Forschungsergebnissen. Sein Anliegen ist es, "aus vielen Facetten ein möglichst ganzheitliches Bild von der Wehrmacht zu gewinnen".
Jürgen Förster: Die Wehrmacht im NS-Staat. Eine strukturgeschichtliche Analyse, Oldenbourg, München 2007.
Die Wehrmacht ist weitgehend erforscht, und doch ist ihr Bild bis heute umstritten. Jürgen Förster bietet eine kurz gefasste, auf profunder Akten- und Literaturkenntnis beruhende Darstellung dieser militärischen Organisation. Beginnend bei der Reichswehr untersucht er ihre strukturelle Entwicklung bis hin zur Wehrmacht als tragender Säule des Dritten Reiches. Dabei zeigt er auf, dass die Wehrmacht keinesfalls nur eine wie auch immer stützende Funktion für das NS-Regime hatte, sondern es geradezu konstituierte. Wehrmacht und NSDAP bildeten demnach "ein einziges Fundament". Hitler habe die Bedeutung der Wehrmacht für seine eigene Macht von Anfang an gesehen und dementsprechend gehandelt.
»www.verbrechen-der-wehrmacht.de«
Die Homepage der Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht – Dimensionen des Vernichtungskrieges" des Hamburger Instituts für Sozialforschung bietet neben zahlreichen Informationen auch einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung, die – in einer überarbeiteten Fassung – zwischen 2001 und 2004 in zahlreichen Städten gezeigt worden ist und heute vorläufig im Magazin des Deutschen Historischen Museums in Berlin archiviert ist.
»www.h-ref.de«
Das Portal 'Holocaust-Referenz - Argumente gegen Auschwitzleugner´ dient dem vorrangigen Zweck, Revisionisten und Anhängern der Auschwitz-Lüge auf wissenschaftlicher Basis entgegenzutreten. Auf der Seite können zahlreiche Dokumente zum Nationalsozialismus und dem Völkermord an den europäischen Juden eingesehen werden. Zudem beschäftigt sich der Herausgeber Jürgen Langowski auch direkt mit den Veröffentlichungen von Holocaust-Leugnern.
»www.netzwerk-sachsen.de«
Das 'Netzwerk Sachsen gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit e.V.´ bietet auf seiner Seite Argumentationshilfen gegen rechte Parolen, damit man bei verbalen Auseinandersetzungen mit Fakten antworten kann. Dies würde zwar nicht die nazistischen Wortführer bekehren können, aber einige von denen zum nachdenken bringen, die schweigend dabeisitzen.
»www.fes-online-akademie.de«
Die Online-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung hat 19 Antworten aus Markus Tiedemanns Buch "In Auschwitz wurde niemand vergast" als pdf-Dateien zur Verfügung gestellt.
»www.hlz.hessen.de«
Die Broschüre der Schriftenreihe der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung aus dem Jahr 2004 von Wolfgang Ayaß und Dietfried Krause-Vilmar, die hier als pdf-Datei einzusehen ist, hat den Titel "Mit Argumenten gegen die Holocaustleugnung - Die Leugnung der nationalsozialistischen Massenmorde als Herausforderung für Wissenschaft und politischen Bildung".
weitere Inhalte:
- Arier im Mikrowellen-Krieg
- Ausgewählte Weblinks zu deutsch- und englischsprachigen Informationsquellen
- Braune Parallelwelt
- Die Protokolle der Weisen von Zion
- Holocaustleugnung
- Kalkulierte Tabubrüche und wehrhafter Opfermythos
- Kommentierte Linkliste
- Linkliste
- Links ins Internet
- Links zum Thema
- Literaturliste interkulturelle kulturelle Bildung
- Materialien
- Mit Schwung in den Westen?
- Sächsische Verhältnisse?
- Surftipps zur Finanzierung kultureller Bildung
Dossier
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Als er 1945 endete, lag Europa in Trümmern. Über 55 Millionen Menschen waren tot. Wie konnte es soweit kommen? Und wie sollte es weitergehen mit einem Land, das den größten Zivilisationsbruch der Geschichte begangen hatte? Weiter...
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Rechter Terror und der Inlandsgeheimdienst oder: Wer überwacht die Überwacher?
Rechter Terror - wieso konnte jahrelang, ohne dass der Inlandsgeheimdienst von den rassistischen Morden Kenntnis erlangte, die rechtsextreme Organisation "Zwickauer Zelle" in Deutschland Menschenleben zerstören? Wie konnten die Taten mit rassistischen Hintergrund unentdeckt bleiben? Weiter...

Bündnis für Demokratie und Toleranz
Das von den Bundesministerien des Innern und der Justiz gegründete bundesweite Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) in der Bundeszentrale für politische Bildung will das zivilgesellschaftliche Engagement für Demokratie und Toleranz in unserem Land sichtbar machen und möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zum Einsatz für unsere Demokratie ermutigen. Seit seiner Gründung im Jahr 2000 haben sich eine Vielzahl von Organisationen dem Bündnis angeschlossen - von großen Verbänden bis hin zu kleinen Aktionsgruppen. Weiter...
BundesprogrammZusammenhalt durch Teilhabe
Mit dem Programm "Zusammenhalt durch Teilhabe" fördert das Bundesministerium des Innern (BMI) Projekte für demokratische Teilhabe und gegen Extremismus in Ostdeutschland. Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt sollen dort gefördert werden, wo sie entstehen: an der Basis. Das BMI hat die bpb mit der Umsetzung des Bundesprogramms betraut. Weiter...


