Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.
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Wachablösung?

Metamorphose und Fragmentierung der extremen Rechten in den USA


7.9.2007
Die US-amerikanische rechtsextreme Szene ist heute weitgehend zersplittert. An Bedeutung verloren haben die großen Mitgliedsorganisationen. Umso gefährlicher sind kleine lose strukturierte Gruppierungen geworden. Die US-Behörden sprechen von einer Gefahr des "Einheimischen Terrorismus".

William Pierce ist ein bekennender Nationalsozialist und Befürworter von Sklaverei und Segregation. Er gründete die Organisation National Alliance.William Pierce ist ein bekennender Nationalsozialist und Befürworter von Sklaverei und Segregation. Er gründete die Organisation National Alliance. (© AP)
Dresden-Pappritz am 4. August 2007: Unter dem Motto "Arbeit, Familie, Vaterland" hatten die NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) und Organisatoren aus den Reihen der so genannten Freien Kräfte zum 1. Sachsentag geladen. Neben Vorträgen, Diskussionsrunden, Verkaufs- und Informationsständen boten die Veranstalter zur Unterhaltung des rechten Fußvolkes ein international besetztes Line-Up von Rechtsrock-Bands auf, angeführt von dem US-amerikanischen Nazi-Gesangsduo Prussian Blue (Preußisch Blau), Special Guest und Hauptattraktion des Abends. Seit rund zwei Jahren sorgen die heute 15-jährigen Zwillingsschwestern Lamb und Lynx Gaede für Presseschlagzeilen auf beiden Seiten des Atlantiks.

Gesteuert von ihrer als Managerin fungierenden Mutter posierten die strohblonden "Nazi Pop-Lolitas", deren überwiegend akustische Folk-Songs vor Reminiszenzen auf Nationalsozialismus, Rassenkrieg oder nordische Mythologie nur so strotzen, öffentlichkeitswirksam mit Hitler-Smilie-Shirts oder verfassten musikalische Lobeshymnen auf dessen Stellvertreter Rudolf Hess, in denen dieser zu einem "Mann des Friedens" umgedeutet wird. Die bislang einzige offizielle CD-Veröffentlichung von Prussian Blue für den europäischen Markt wird vom NPD-Verlag Deutsche Stimme vertrieben (für Deutschland beanstandete der Verfassungsschutz lediglich drei Lieder, die daraufhin durch ältere Stücke ersetzt wurden). Die transatlantische Kooperation ist Beleg für die freundschaftlichen Verbindungen zwischen der NPD und der braunen Szene in den Vereinigten Staaten, wo Prussian Blue mit ihrer ideologietragenden Musik zu den derzeit prominentesten Botschaftern der Lehre von der Überlegenheit der weißen Rasse ("White Supremacy") zählen. Gleichzeitig hat sich das Gesicht der extremen Rechten der USA in den letzten zehn Jahren deutlich verändert, vor allem alteingesessene Gruppen und Organisationen haben ihre dominierende Stellung weitgehend eingebüßt. Geschüttelt von Skandalen und Machtkämpfen ringt die Bewegung heute mehr denn je um ein neues Image, sinnstiftende Konzepte und integere, visionäre Führungsfiguren.

Von Preußisch Braun zur weißen Zukunft



Mit der National Alliance (NA) aus West Virginia (gegr. 1974) befindet sich die lange Zeit bedeutendste und umtriebigste rechtsextreme US-Organisation seit dem Tod ihres kultähnlich verehrten Anführers William Pierce im Juli 2002 nahezu ungebremst im freien Fall. Interne Machtkämpfe, Missmanagement und Korruption haben die NA von ehemals mehr als 1.400 Mitgliedern, 17 Festangestellten und einem geschätzten Jahresumsatz von rund 1 Million US-Dollar auf knapp 200 Mitglieder, geführt von einer Handvoll ehrenamtlicher Aktivisten zusammenschrumpfen lassen. Erst kürzlich wurde der letzte Vorsitzende der Neonazi-Organisation im Bundesstaat Utah zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Pierce, ein bekennender Nationalsozialist und Befürworter von Sklaverei und Segregation, hatte die NA in den 1980er und frühen 1990er Jahren zu einer effektiven und profitablen Propagandamaschine im Kampf gegen Rassenvermischung, zionistische Weltverschwörung und Neue Weltordnung geformt. Der Ausbau des aufgekauften Unternehmens "Resistance Records" zum Marktführer im Vertrieb rechtsextremer Musik- und Bekleidungsartikel, bei dem heute auch die Nazi-Girlies von Prussian Blue unter Vertrag stehen, sicherte den Zugang zu jungen potentiellen Rekruten und füllte durch die Erlöse ganz nebenbei auch noch die "Kriegskasse" der Organisation. Zum intellektuellen Vermächtnis des elitären Theoretikers Pierce gehört darüber hinaus auch der in rechten Kreisen populäre Terroristen-Roman "The Turner Diaries", eine fiktive Blaupause für den oft beschworenen Rassenkrieg, dessen Szenario Timothy McVeigh 1995 als Inspirationsquelle für das blutige Bombenattentat von Oklahoma City dienen sollte.

Die "14 Words", eine Art rassistisches Glaubensbekenntnis, geprägt durch den US-amerikanischen Rechtsextremisten David Edden Lane: "We must secure the existence of our people and a future for white children".Die "14 Words", eine Art rassistisches Glaubensbekenntnis, geprägt durch den US-amerikanischen Rechtsextremisten David Edden Lane: "We must secure the existence of our people and a future for white children". (© Southern Poverty Law Center)
Anstatt der klassisch isolationistischen Prägung des US-amerikanischen Rechtsextremismus zu folgen, befürwortete Pierce auch immer die grenzübergreifende Zusammenarbeit mit rechten Gruppierungen und Parteien. Regelmäßig besuchte er während seiner Europa-Reisen in den 1990er Jahren auch Deutschland, wo der ehemalige Physikprofessor und "besondere Freund des deutschen Widerstandes" als Redner auf Jugendkongressen oder anderen Veranstaltungen der NPD auftrat und im Gegenzug deren Parteifunktionäre nach West Virginia in das NA-Hauptquartier einlud. Im April 2001 protestierten NA-Anhänger mit einer Solidaritäts-Demonstration vor der deutschen Botschaft in Washington, D.C. gegen ein mögliches NPD-Verbot. Neben der Stärkung der rechten Infrastruktur betrachtete Pierce die internationale Vernetzung vor allem als Motivationshilfe für die einzelnen Akteure, die sich als Teil einer sie und ihr Land weit übersteigenden "großen" Sache sehen könnten. Für diese gäbe es demnach heute nur eine einzige Nationalität: "weiß".

Eine Blaupause für den Rassenkrieg



Die Lagerkämpfe der Post-Pierce-Ära gipfelten im Frühjahr 2005 in der Spaltung der NA. Nach einem misslungenen "Putschversuch" brach eine Reihe alt gedienter Aktivisten unter der Führung des langjährigen NA-Mediendirektors Kevin A. Strom mit der Mutterorganisation und gründete National Vanguard (NV). Angetreten mit dem erklärten Ziel, die NA zu ersetzen, sammelten die um ein gutbürgerliches Profil bemühten "Modernisierer" ihre Anhänger unter dem neuen Banner und konnten sich zumindest eine Zeit lang berechtigte Hoffnungen auf das Piercesche Erbe machen. Während des ersten Jahres nach der Gründung liefen zahlreiche lokale NA-Ortsverbände teilweise geschlossen zur NV über. Die Seifenblase zerplatzte, als der wegen mangelnden Führungsqualitäten ohnehin im Fokus interner Kritik stehende Strom im Januar 2007, nur einige Monate nach seinem Rücktritt vom seinen Ämtern, wegen des Besitzes von Kinderpornographie sowie der versuchten sexuellen Verführung einer Zehnjährigen verhaftet und angeklagt wurde – unverzeihliche Kapitaldelikte im rechten Verhaltenskodex. Die Organisation löste sich kurz darauf wieder auf.

Einen dem Tod von William Pierce vergleichbaren Einschnitt markierte für die Aryan Nations (AN) im September 2004 das Ableben ihres Gründers Richard Girnt Butler. Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte der selbst ernannte Pastor, in den Medien häufig als "the elder statesman of hate" tituliert, an der Spitze der extrem antisemitischen Organisation gestanden, die Mitte der 1980er Jahre auf eine Gefolgschaft von mehreren tausend Mitgliedern und Sympathisanten bauen konnte. Die meisten von ihnen hängen der rassistischen "Christian Identity"-Ideologie an, einer verbreiteten pseudo-religiösen Lehre, nach der Juden als "Kinder des Satans" gelten und alle nicht-weißen Völker als seelenlose "Schlammmenschen" angesehen werden.

Im Jahr 2000 sorgte ein von der Bürgerrechtsgruppe The Southern Poverty Law Center angestrengter Zivilprozess für die nahezu vollständige strukturelle Zerschlagung der bankrotten Neonazi-Organisation, die nach Butlers Tod endgültig in mehrere rivalisierende Splittergruppen mit insgesamt wahrscheinlich weniger als 100 Mitgliedern zerfiel und langsam aber sicher der Bedeutungslosigkeit entgegen treibt. Den Unmut der rechten Szene erregte eine dieser Fraktionen in den vergangenen Monaten mit ihren allzu offenherzigen Allianzangeboten an radikal-islamistische Jihad-Krieger. Trotz des gemeinsamen Feindes Israel ging eine Verbrüderung mit Al-Qaida oder Hamas selbst hart gesottenen US-Rechtsextremisten zu weit. In der Vergangenheit verübten gewaltbereite Anhänger der AN immer wieder blutige Gewaltverbrechen, deren Hauptziele Juden oder ethnische Minderheiten waren. Gleiches gilt für die heute Creativity Movement genannten Überreste der ehemalige World Church Of The Creator (WCOTC), deren ehrgeiziger Anführer Matthew Hale Mitte 2005 wegen der Anstiftung zum Mord an einer Bundesrichterin zu 40 Jahren Haft verurteilt wurde.

Rückkehr der Braunhemden



Größter Nutznießer des entstandenen Führungsvakuums ist bislang die bereitwillig als Auffangbecken fungierende paramilitärische Gruppierung The Nationalist Socialist Movement (NSM), auch bekannt als "American Nazi Party", die mittlerweile zur größten rechtsextremen Organisation in den USA avanciert sind. Mit Erfolg setzte die in Minneapolis ansässige Organisation in der Öffentlichkeit dabei immer wieder auf einen Mix aus Aktivismus, Provokation und Profitinteresse. Die NSM unterhält einen Musikvertrieb, diverse Radioprogramme und ist 2006 mit dem Erwerb einer "Whites Only"-Partnerbörse auch ins Online-Geschäft eingestiegen. Der ungefähr 200 Personen umfassende harte Kern der Mitglieder zeigt sich auf Kundgebungen, Demonstrationen oder anderen Veranstaltungen demonstrativ in nachgebildeten NS-Uniformen inklusive Hakenkreuz-Armbinden und schwarzen Lederstiefeln. Führerkult und die Gründung eines "Großamerika" sind ebenso im Programm festgeschrieben wie der Entzug der Staatsbürgerschaft aller Nicht-Weißen, Juden und Homosexuellen.

Wegen ihres offensichtlichen Uniform-Fetischismus werden die NSM-Anhänger, die von der eigenen Führungsspitze strikt angewiesen sind, keine Straftaten zu begehen, oft spöttisch als "Hollywood Nazis" bezeichnet und speziell von Teilen der Skinhead-Szene angefeindet. Empörung löste im vergangenen Jahr das Bekanntwerden von Verbindungen eines hochrangigen NSM-Funktionärs zu einer okkultistischen Sekte namens "Joy of Satan" (Freude des Satans) aus, in dessen Folge einige Mitglieder die Splittergruppe American National Socialist Workers Party (ANSWP) gründeten.

Immer gut für Medieninszenierungen: Gordon Young vom KKK.Immer gut für Medieninszenierungen: Gordon Young vom KKK. (© Southern Poverty Law Center)
Umwälzungen ereigneten sich auch in anderen Teilen der extremen US-Rechten wie etwa der rassistischen Skinhead-Szene oder dem Ku Klux Klan (KKK). Ende 2005 installierten Anführer von mehr als einem Dutzend Skinhead-Gruppen aus dem Umfeld des gleichnamigen internationalen Skinhead-Netzwerkes mit dem "Blood & Honour Council" ein gemeinsames Gremium zur Koordination zukünftiger Aktivitäten und Strategien. Die Geburtsstunde der ambitionierten Koalition war gleichzeitig aber auch eine Kampfansage an die Vormachtsposition der "Hammerskins" (HS), dem seit den späten 1980ern dominierenden Syndikat innerhalb der US-amerikanischen Kahlkopf-Subkultur. Viele jüngere Skinhead-Gangs erkennen die Autorität und den damit verbundenen Loyalitätszwang gegenüber der sich als "Elite der Bewegung" verstehenden HS nicht an. Die Spannungen zwischen den rivalisierenden Lagern entluden sich bislang vor allem auf Konzerten oder im hart umkämpften Rechtsrock-Markt, der in den USA maßgeblich von Skinheads kontrolliert wird. Zu den aktivsten Gruppen zählt z.B. die 1994 entstandene Neonazi-Organisation Volksfront aus Portland, die Ableger in Kanada, Australien, Spanien, Portugal und Deutschland unterhält.

Deutlich zugenommen haben 2006 nach längerer Schwächeperiode auch die Aktivitäten des KKK, verbunden mit dem Ausbau von organisatorischer Infrastruktur und Rekrutierungsinitiativen. Die nach Ende des US-amerikanischen Bürgerkrieges von Konföderations-Veteranen gegründete und in ihrer Blütezeit in den 1920er Jahren mit 4,5 Millionen Mitgliedern größte rassistische Terrororganisation hat in den letzten Jahren eine Phase der Modernisierung durchlaufen. Expertenschätzungen zufolge besteht der Klan heute aus insgesamt 5.000 – 8.000 Personen, die in mehr als 150 voneinander unabhängigen Ortsgruppen, so genannten "Chapters" oder "Klaverns" organisiert sind. Während die Hochburgen der zersplitterten Bewegung traditionell in den Staaten des Südens und Mittleren Westens liegen, haben sich deren Aktivitäten in den letzten Jahren auch auf bislang verschonte US-Bundesstaaten ausgebreitet. Zu den wichtigsten Fraktionen zählen die "Imperial Klans of America" (IKA) aus Kenntucky, die "Knights of the Ku Klux Klan" aus Arkansas oder die mittlerweile in Tennessee ansässige "Brotherhood of Klans" (BOK). Die Revitalisierung des KKK ist spätestens seit Ende der 1990er Jahre mit einer zunehmenden "Nazifizierung" der Mitgliedschaft verbunden. Vor allem die Anhänger jüngerer Klan-Gruppen haben die Subkultur rassistischer Skinheads und Neonazis, inklusive Ideologie, Kleidungsstil, Musik, Tätowierungen oder anderer Symbolik, adaptiert und sind auf Kundgebungen kaum mehr von diesen zu unterscheiden. Die verbreitet als Kompensationsritual ewiggestriger Fanatiker betrachteten Kreuzverbrennungen mit Roben und Masken werden längst nicht mehr überall praktiziert. Mit den IKA erklärte im Frühjahr 2006 erstmals eine Splitterfraktion des traditionell christlich verwurzelten KKK, künftig in bestimmten Fällen auch "Odinisten, Nationalsozialisten, Skinheads, Konföderierte...oder andere Kämpfer für die gemeinsame Sache" aufzunehmen.

Rechtes "Crossmarketing"



Die Suche der extremen US-Rechten nach neuen Strategien äußert sich besonders in den Versuchen, szenenübergreifende Allianzen zu schmieden. So trafen sich im März 2006 in South Carolina Vertreter von NSM, AN und verschiedener Klan-Fraktionen, um weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten, während beim Gipfeltreffen des "Blood & Honour Council" die von den Skinheads als politischer Partner auserkorene National Alliance mit am Tisch saß. Bereits seit mehreren Jahren kooperieren verschiedene Einzelpersonen oder Gruppen des Spektrums erfolgreich bei der Organisation von Konferenzen, Waffenbörsen oder Festivals, wie dem "Nordicfest" (Imperial Klans of America und Blood & Honour USA). Auch die NSM übte bei ihren regelmäßig stattfindenden Demonstrationszügen zuletzt immer wieder den Schulterschluss mit anderen Rechtsextremisten, um eine größere öffentliche Präsenz zu erzielen. Allerdings waren solche Koalitionen in der Vergangenheit selten von langer Dauer.

US-Rechtsextremist David Duke vor der Konföderierten Fahne.US-Rechtsextremist David Duke vor der Konföderierten Fahne. (© AP)
Ähnliche Ziele verfolgt seit längerem David Duke, die wahrscheinlich prominenteste Einzelperson der USA und selbst ernannter Sprecher der "weißen Bürgerrechtsbewegung". Der in den 1970er Jahren als KKK-Führer profilierte Rassist und Antisemit gilt für viele in der Szene als potentieller Kopf einer politisch zumindest halbwegs salonfähigen rechtsextremen Sammelbewegung. Seine Tiraden über die Gefahr des zionistischen Imperialismus, die angebliche Zersetzung traditioneller amerikanischer Werte durch eine "krankhaft-degenerierte Ausländerkultur" oder den als Multikulturalismus kaschierten "Genozid" an der weißen Rasse verbreitet der Gründer der European-American Unity and Rights Organization (EURO) über eine wöchentliche Diskussionsrunde in dem populären neonazistischen Internetportal "Stormfront", den "Duke Town Hall". 2004 initiierte Duke das "New Orleans Protokoll", ein rechtes Manifest, nach dem Nationalisten respektvoll zusammenarbeiten und sich dabei von Gewalt als Mittel zur Durchsetzung der eigenen Ziele distanzieren sollten.

Bekannt ist der wegen Veruntreuung von Spendengeldern vorbestrafte Duke nicht zuletzt durch seine umfangreichen Kontakte zu internationalen Holocaustleugnern und anderen rechtsextremen Parteien oder Gruppierungen. In den letzten zwei Jahren besuchte er unter anderem Syrien, die Ukraine, Russland sowie ein halbes Dutzend europäischer Staaten, um Vorträge zu halten, Interviews zu geben oder Neuausgaben seiner antisemitischen Publikationen vorzustellen. Seine ausgiebigen Reisen führten ihn auch mehrfach nach Deutschland zu Veranstaltungen der NPD, deren Abgesandte auf Dukes alljährlichen Konferenzen gleichermaßen zu den "üblichen Verdächtigen" gehören. Im Dezember 2006 trat Duke als geladener Redner bei der vom iranischen Staatspräsidenten Mahmoud Ahmadinejad initiierten Konferenz zur "Neuuntersuchung" des Holocaust auf.

Vom Führungsvakuum zum führerlosen Widerstand



Die extreme Rechte in den USA präsentiert sich heute fragmentierter denn je. Weder strukturell noch ideologisch stellt das organisierte "White Supremacy"-Spektrum einen homogenen Block dar: Es reicht von sich nach außen moderat gebenden Neonazis à la Duke über gewaltbereite Glatzköpfe und Verschwörungstheoretiker bis hin zu sezessionistischen Neokonföderierten und paranoiden Milizionären.. Der durch den Tod der letzten charismatischen und allgemein respektierten Figuren Richard Butler und William Pierce angestoßene Generationswechsel hat zwar ein Machtvakuum auf der Führungsebene hinterlassen, vielerorts aber auch eine Phase der Modernisierung und Revitalisierung in Gang gesetzt, deren Verlierer in erster Linie die großen Mitgliedsorganisationen sind. Nicht zuletzt aufgrund der zahlreiche Skandale um rechte Führungspersonen steht der jugendliche Nachwuchs Parteidisziplin und ideologischem Dogmatismus skeptisch gegenüber. Daneben hat das Internet mit seinen Möglichkeiten die Mitgliedsorganisation als primärer Ort von Informationsaustausch und Kommunikation unter den Gleichgesinnten abgelöst. Profitieren tun die Extremisten, inklusive nachhaltig stigmatisierten Gruppen, wie im Fall des Ku Klux Klans derzeit zu beobachten, von der inhaltlichen Besetzung sensibler und in der Bevölkerung mit Ängsten besetzten Themen wie Immigration, Homosexuellen-Ehe, Kriminalität oder christlichen Wertvorstellungen.

Die Krise der "Dinosaurier" (NA, AN) ist nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit einer Schwächung oder gar Zerschlagung der Bewegung, sondern verdeutlich lediglich die Annahme eines neuen Organisationsmodells. Gestützt durch die technische Entwicklung sind in der radikalen Skinhead- und Neonazi-Szene der USA in den letzten Jahren viele locker strukturierte, miteinander lose vernetzte Gangs entstanden, oftmals beschränkt auf eine einzige Stadt oder einen Vorort, deren Handeln sich am Konzept vom "führerlosen Widerstand" des Neonazis und früheren Klan-Führers Louis Beam orientiert. Unabhängige Zellen aus einer oder wenigen Einzelpersonen sind im Gegensatz zu organisierten rechten Gruppen flexibler, schwerer zu fassen und kaum zu infiltrieren. Welche Gefahren dennoch von solchen so genannten "lone wolfs" (Einsame Wölfe) ausgeht, zeigen die Ergebnisse der von den US-Behörden nach dem 11. September zumindest teilweise auch auf "domestic terrorism" (Einheimischen Terrorismus) ausgedehnten Strafverfolgung.

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