Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

15.2.2007 | Von:
Joachim Wolf

Fußball und Rechtsextremismus in Europa

Eine Übersicht

"Football Against Racism in Europe" (FARE)

Gegründet wurde FARE im Jahr 1999 auf Initiative der österreichischen Kampagne FairPlay. Damals luden Fanclubs und Anti-Rassismus-Kampagnen Fußballverbände, Spielergewerkschaften und MigrantInnenorganisationen nach Wien ein, um eine gemeinsame Strategie gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im europäischen Fußball zu entwickeln. Seitdem hat es sich FARE zur Aufgabe gemacht, lokale und nationale Initiativen zu vernetzen, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam europaweit aktiv gegen Rassismus im Fußball vorzugehen. FARE arbeitet überwiegend im Basisbereich, also auf der Ebene der Vereine und Fußballclubs. Aber auch auf höheren Ebenen findet das antirassistische Netzwerk Partner: So veröffentlichte die FIFA im Juli 2001 eine Resolution gegen Rassismus, die in Kooperation mit FARE entworfen wurde. Im August 2001 zeichnete die UEFA FARE mit dem "Charity Prize" aus und legte eine Zusammenarbeit zwischen dem antirassistischen Netzwerk und dem europäischen Fußballverband fest. Finanzielle Unterstützung bekommt FARE außerdem von der Europäischen Kommission.

Jährlich veranstaltet das antirassistische Netzwerk eine Aktionswoche gegen Rassismus, deren Ziel es unter anderem ist, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Themen Rassismus und Diskriminierung im Fußball zu stärken und so den gemeinsamen Kampf gegen dieses Problem zu fördern. Bei der siebten FARE- Aktionswoche im Jahr 2006 gab es beispielsweise über 1000 Veranstaltungen in 37 europäischen Ländern. In 14 Ländern haben die Top-Ligen dabei einen Spieltag für den Kampf gegen Rassismus genutzt, so zum Beispiel in Österreich, Deutschland, England, Belgien, Slowenien, Rumänien und Norwegen. Am dritten Spieltag der UEFA Champions League trugen die Kapitäne aller Teams außerdem Armbinden mit der Aufschrift "Vereint gegen Rassismus". Laut Piara Powar, dem Direktor des englischen FARE- Partners "Kick it out", liefert die Aktionswoche dabei "ein deutliches Statement für die Art von Fußball, für die wir eintreten: ein Fußball, der frei von Diskriminierung ist und der alle Menschen aktiv integriert" .

Ausblick: Die EURO 2008

Eine wichtige Plattform für den Kampf gegen Rassismus im Fußball soll laut UEFA-Generaldirektor Lars-Christer Olsson auch die Endrunde der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz werden: "Die UEFA steht voll hinter den Aktivitäten zur Unterstützung der Fans und zum Schutz vor Gewalt und Diskriminierung. Die EURO 2008 kann dabei helfen, das Bewusstsein für den Kampf gegen den Rassismus zu schärfen. Ich bin mir sicher, dass uns das auch gelingen wird" .

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