Das Ende einer Splitterpartei?
Ein Portrait von Ex-DVU-Chef Gerhard Frey
Der Münchner Verleger und DVU-Vorsitzende Gerhard Frey vollzog erfolgreich die Symbiose von Politik und Geschäft. Von der Parteizentrale der DVU aus leitete er auch das Verlagsgeschäft seines Familienunternehmens. Bis zu seiner Ablösung im Januar 2009. Nun will die DVU möglicherweise mit der NPD fusionieren.
Lange Zeit der Kopf der DVU: Der bayerische Verleger Gerhard Frey. Lizenz: cc by-sa/2.0/ (© Wikimedia)Die Zukunft der bundesweit etwa 4500-Mitglieder starken DVU ist nach dem Führungswechsel ungewiss. Lange Zeit war davon ausgegangen worden, dass ein Sohn Freys die Partei übernehmen werde. Bis zu seinem Abgang wurde sie alleine durch das Geld des Unternehmers Frey getragen. Ob von ihm Mittel weiter fließen, ist unklar.
Der 1971 geborene Frey-Nachfolger Matthias Faust ist erst seit 2007 in der DVU. Bis zu seinem 30. Lebensjahr war er bei der CDU. Über Republikaner und die NPD wanderte er zur DVU. Laut Verfassungsschutz gilt er als Gefährte des Neonaziführers Christian Worch. "Matthias Faust gilt als sehr flexibel nach rechts. Daher ist davon auszugehen, dass die DVU kooperativer gegenüber der NPD wird" urteilte nach seiner Ernennung der Berliner Politikwissenschaftler Hajo Funke. Schon auf dem Parteitag der NPD im Mai 2008 vertrat Faust offiziell die DVU, nach seiner Kür zum DVU-Chef saß er beim NPD-Parteitag 2009 mit auf dem Podium. Mit ihm, so die Erwartungshaltung, sollte auch die Überalterung der DVU ein Ende haben.
Aber unter Faust fuhr die DVU zunächst herbe Wahlverluste ein. Bei der erfolglosen Landtagwahl in Brandenburg im September 2009 ging die langjährige Präsenz der Partei im Potsdamer Landtag zu Ende. Und bei der Europawahl 2009 erreichte die DVU bundesweit nur 0,4 Prozent der Stimmen, während Rechtsaußenparteien europaweit zum Teil zweistellige Ergebnisse einfuhren. Die NPD kündigte daraufhin ihren Deutschlandpakt mit der DVU, in der Begründung hieß es: ''Die im Deutschland-Pakt angestrebte Bündelung der Kräfte durch Kooperation, um eine möglichst große Wählerzustimmung zu erhalten, wird durch das Wahlergebnis zur Europawahl mit einem DVU-Ergebnis von 0,4 Prozent vom Parteivorstand der NPD als politisch überholt betrachtet.''
Damit war auch Gerhard Freys Ära endgültig vorbei.
Gerhard Frey kam 1933 als Sohn einer vermögenden Kaufmannsfamilie in Cham in der Oberpfalz zur Welt. Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in München und Graz promovierte er 1960 in Graz. Früh begann Gerhard Frey mit seiner rechtsgestrickten journalistischen Laufbahn im Alter von 18 Jahren bei der "Deutschen Soldaten-Zeitung", die 1951 vor allem von Altnazis gegründet worden war. 1960 wurde er deren alleiniger Herausgeber und drei Jahre später entstand aus der "Deutschen Soldaten-Zeitung" die "Deutsche National-Zeitung". Frey hatte auch den zugehörigen Verlag übernommen, den er 1968 in "DSZ-Druckschriften- und Zeitungsverlags GmbH" (DSZ-Verlag) umbenannte. Die von Frey im Laufe der Jahre erworbenen und in seinem Verlag integrierten Blätter "Deutscher Anzeiger" (1971) und "Deutsche Wochenzeitung" (1986) legte er nach und nach zusammen. 1999 verschmolzen sie endgültig zur heutigen "National-Zeitung", die aktuell mit einer Auflage von amtlich geschätzten rund 40.000 Exemplaren erscheint.
1971 gründete Frey zusätzlich den "FZ Freiheitlichen Zeitungsverlag", der 1986 in "FZ Freiheitlicher Buch- und Zeitschriften-Verlag GmbH" (FZ-Verlag) umbenannt wurde. Angeschlossen sind dem FZ-Verlag der "Deutsche Buchdienst" sowie das Unternehmen "Deutsche Reisen". Der FZ-Verlag offeriert einschlägige Devotionalien (Bücher, Fahnen, Karten, Wimpel, Tonträger et cetera), die regelmäßig in der "National-Zeitung" beworben werden. Frey "verbindet mit seinen parteipolitischen Aktivitäten auch persönliche finanzielle Interessen. Die von ihm permanent umworbenen, politisch weitgehend inaktiven Parteimitglieder bilden einen festen Kundenstamm für die Produkte seiner Medienunternehmen DSZ-Druckschriften- und Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag) sowie FZ Freiheitlicher Buch- und Zeitschriftenverlag GmbH (FZ-Verlag).", urteilt der niedersächsische Verfassungsschutz.
Zeitgleich mit der Erweiterung seines Verlagsgeschäftes startete Gerhard Frey auch seine politische Karriere. Nach zunächst erfolglos versuchter Annäherung an die NPD rief Frey 1971 den Verein "Deutsche Volksunion e.V." samt Aktionsgemeinschaften ins Leben. Vier Jahre später drängte es Frey wieder zur NPD. Er verließ die Partei aber 1979 wieder, nachdem sein Versuch gescheitert war, in den NPD-Bundesvorstand aufzurücken. 1986 folgte die dritte Phase der Annäherung an die NPD. Die "Deutsche Volksunion – Liste D" wurde gegründet, die 1987 als gemeinsame Wahlliste mit der NPD zu den Bürgerschaftswahlen in Bremen antrat und einen Parlamentssitz holte. 1991 avancierte die "Deutsche Volksunion – Liste D" endgültig zur "Deutschen Volksunion" (DVU). 1987 wurde Gerhard Frey Parteivorsitzender der DVU, auf dem letzten DVU-Bundesparteitag im Januar 2007 wurde er mit 99,6 Prozent der Stimmen ein letztes Mal im Amt bestätigt - das er im Januar 2009 niederlegte.
Zentralistisch geführt
Die DVU wurde von Gerhard Frey "zentralistisch und autokratisch geführt sowie weitestgehend finanziert", hob das Bundesamt für Verfassungsschutz hervor. Frey unterstützte seine Partei mit Darlehen – und nahm dafür Zinsen. In ihrem Rechenschaftsbericht für 2004 (Bundestagsdrucksache 16/1271) wurden von der DVU Verbindlichkeiten gegenüber Darlehensgebern in Höhe von rund 1.750.000,-- Euro ausgewiesen und keinerlei Bankschulden. Die letzte Großspende Freys, die in den Rechenschaftsberichten der politischen Parteien veröffentlicht wurde, datiert aus dem Jahr 2001. Seinerzeit hatte der Parteipatriarch gut 250.000,-- Euro an die DVU gespendet.
Die DVU-Parteizentrale residierte unter Frey unter der gleichen Postanschrift wie das Freysche Medienimperium. Von dort aus wird das Verlagsgeschäft als Familienunternehmen betrieben. Gerhard Frey führt den DSZ-Verlag, Geschäftsführerin des FZ-Verlags ist seine Ehefrau Regine Frey. Sohn Gerhard Frey jun., der auch publizistisch tätig ist, so in der hauseigenen "National-Zeitung" oder als Buchautor über "Polens verschwiegene Schuld" (FZ-Verlag), vertrat als Rechtsanwalt die Partei schon mal vor Gericht.
Zur geplanten Fusion 'seiner' DVU mit der NPD wurde bislang kein öffentlicher Kommentar Freys bekannt. Aber vermutlich weiß der heute 87jährige auch, dass schon allein aus finanziellen Gründen die rechte Splitterpartei keine Wahl mehr hat.
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