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Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.
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Das Potenzial der NPD

Zur neuen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung


9.11.2006
Eine neue Studie Leipziger Wissenschaftler belegt: Rechtsextremismus ist keine Randerscheinung. Er ist ein Einstellungsmuster im Kern der Gesellschaft.

NPD-Spitze, hier bei einer Demonstration in Rostock.NPD-Spitze, hier bei einer Demonstration in Rostock. (© H.Kulick)

Die Studie unter dem Titel "Vom Rand zur Mitte. Rechstextreme Einstellungen und ihre Einflussfaktoren in Deutschland" wurde im Frühsommer 2006 im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellt und am 8. November 2006 in Berlin veröffentlicht. Das Buch im Umfang von 184 Seiten gibt es mit zahlreichen Schaubildern als Download (s.u.). Die wissenschaftliche Leitung der Untersuchung lag bei Prof. Dr. Elmar Brähler, Leiter der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig und dessen Mitarbeiter Dr. Oliver Decker, die bereits mehrere Untersuchungen zu diesem Thema durchgeführt haben. Mit der praktischen Durchführung der Repräsentativerhebung unter 3.876 West- und 996 Ostdeutschen wurde ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut (USUMA) beauftragt. Das Resultat sei, warnte Dietmar Molthagen von der Friedrich-Ebert-Stiftung, "ein Alarmzeichen für die Politik".

"Rechtsextrem ist eigentlich ein irreführender Begriff", resümiert Oliver Decker. "Er suggeriert, dass es sich um klar abzugrenzendes Rand-Phänomen handelt. Das ist aber keinesfalls so. Noch weiträumiger wird die Problematik, wenn wir nicht die sichtbaren rechtsextremen Handlungen betrachten, sondern Denkweisen, also die mehr oder weniger unausgesprochene Zustimmung zu Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus und Antisemitismus. Selbst Menschen, die sich selbst als 'links' bezeichnen, lehnen nicht alle rechtsradikalen Aussagen ab."

Das von Brähler und Decker vorgegebene Herangehen konfrontierte die Befragten mit rechtsextremen Aussagen und gab die Möglichkeit, die stufenweise zwischen "lehne völlig ab" über "teils/ teils" bis zu "stimme voll und ganz zu" zu kommentieren. Die Diktatur als die unter Umständen bessere Staatsform betrachten beispielsweise 9,0 Prozent aller Deutschen; 15,2 Prozent sehnen sich nach einem Führer mit starker Hand; 26,0 Prozent nach einer einzigen Partei, die die Volksgemeinschaft verkörpert. Dass die Deutschen anderen Völkern von Natur aus überlegen seinen, meinen 14,8 Prozent der Gefragten; 10,1 Prozent stimmen der These zu, es gäbe unwertes Leben.


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Autor: Von Holger Kulick für bpb.de
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