Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

26.5.2002 | Von:
Wilfried Schubarth

Pädagogische Konzepte als Teil der Strategien gegen Rechtsextremismus

In der aktuellen Debatte um die Bekämpfung des Rechtsextremismus spielen pädagogische Strategien bisher kaum eine Rolle. Als Bestandteil gesamtgesellschaflicher Strategien gegen Rechtsextremismus sind pädagogische Konzepte jedoch unverzichtbar.

Einleitung

Was tun gegen Rechtsextremismus? Diese Frage bestimmt seit Wochen und Monaten die öffentliche Diskussion. Ausgelöst wurde die neuerliche Debatte durch den Düsseldorfer Bombenanschlag Ende Juli, bei dem sechs der neun Opfer jüdische Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion waren. Der Anschlag weckte offenbar Erinnerungen an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte und führte zu einem (medial inszenierten) gesellschaftlichen Aufschrei, einer damit verbundenen geschärften bzw. wiedergewonnenen Wahrnehmung von Rechtsextremismusphänomenen und einer verstärkten Suche nach Gegenstrategien. Welche Bedeutung kommt in der aktuellen Rechtsextremismus-Debatte den pädagogischen Gegenstrategien zu? Welche schulischen und außerschulischen Konzepte im Umgang mit Rechtsextremismus gibt es und wie sind diese zu bewerten?


I. Statt konjunkturelle Debatten mehr Versachlichung und Kontinuität

Die gegenwärtige Debatte um Rechtsextremismus ist bereits die dritte ihrer Art in den vergangenen zehn Jahren. Die erste große Debatte fand Anfang der neunziger Jahre statt als Folge der einsetzenden seriellen fremdenfeindlichen Gewalttaten (1991-1993), die zweifellos eine neue Qualität des Rechtsextremismus in Deutschland darstellten. Schwerpunkte der damaligen Diskussion waren die neuen Formen der rechtsextremen Gewalt, der Konflikt um die Asylfrage, die Suche nach den Ursachen und [1]nach (pädagogischen) Bearbeitungsmöglichkeiten. Die öffentliche Diskussion bewirkte nicht nur eine intensive Beschäftigung mit dem Thema seitens der Wissenschaft, sondern auch eine stärkere pädagogische Hinwendung zu den gefährdeten Jugendlichen - unterstützt durch Sonderprogramme des Bundes und der Länder (z. B. Aktionsprogramm der Bundesregierung gegen Aggression und Gewalt von 1992 bis 1996). Der wissenschaftliche Ertrag dieser Debatte ist in vielen Publikationen dokumentiert worden.

Die zweite Welle der Rechtsextremismus-Debatte setzte mit dem spektakulären Erfolg der rechtsextremen DVU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Frühjahr 1998 ein und war geprägt durch solche Themenschwerpunkte wie der wachsende Zulauf Jugendlicher zu rechtsextremen Parteien, die Schaffung 'national befreiter Zonen', die Verbreitung 'rechter Kameradschaften' und 'rechter Musik', kurz: die Etablierung einer 'rechtsextremen jugendlichen Alltagskultur' besonders in Ostdeutschland. Neben der 'Ostlastigkeit' war für diese Debatte kennzeichnend, dass - im Unterschied zur Diskussion Anfang der neunziger Jahre - die Politik kaum Notiz von ihr nahm. Obwohl die damaligen Medienberichte denen von heute gleichen, war die 'kritische Masse' der öffentlichen Diskussion offenbar zu gering, so dass die Impulse schnell verpufften und folgenlos blieben. Über mögliche Gegenstrategien wurde nicht (mehr) debattiert, pädagogische Projekte mussten um ihre Existenz kämpfen.

Diese (zumindest zeitweise) Ausblendung bzw. Unterschätzung des Rechtsextremismusproblems seitens der Politik in den vergangenen Jahren erklärt auch, warum die gegenwärtige Diskussion, also die dritte Debatte innerhalb weniger Jahre, so emotional und wenig sachlich, z. T. auch so hilflos geführt wird, als hätte es die Diskussionen in den Jahren zuvor nicht gegeben. Geblieben ist in der momentanen Diskussion der Themenschwerpunkt 'ostdeutsche Jugend', geblieben ist auch der geringe Stellenwert, dem der pädagogischen Arbeit beigemessen wird. Geprägt wird die augenblickliche Diskussion vor allem durch folgende Themenschwerpunkte: der Ansehensverlust für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland, die Gefahren der Verbreitung von Rechtsextremismus und Rassismus durch das Internet, die Bekämpfung des Rechtsextremismus durch verstärkte Repression, vor allem durch Polizei und Justiz, ein mögliches Verbot der NPD sowie moralische Appelle an die Bürger.

Angesichts der Komplexität des Phänomens 'Rechtsextremismus' erscheint die gegenwärtige Thematisierung reichlich verkürzt und einseitig. Zu einer sachliche Debatte könnte es dann kommen, wenn die Diskussionen weniger durch Konjunkturen, Rhetorik und Rituale, sondern mehr durch Kontinuität und Koninuitätsbewusstsein bestimmt wäre. Dies würde auch die Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit der Bemühungen gegen Rechtsextremismus erhöhen.[2]

II. Pädagogische Arbeit als Bestandteil gesamtgesellschaftlicher Strategien

Ähnlich wie die gesamte Rechtsextremismus-Debatte unterliegt auch die pädagogische Arbeit und die ihr zugeschriebene Funktion beim Umgang mit Rechtsextremismus bestimmten Konjunkturen und Modewellen. Ihre gesellschaftlich zuerkannte Rolle schwankt dabei zwischen Über- und Unterschätzung, zwischen 'Allheilmittel' und 'wirkungslosem Mittel'. Während noch zu Anfang der neunziger Jahre in der pädagogischen Arbeit mit rechtsextremen Jugendlichen ein Schwerpunkt des Umgangs mit Rechtsextremismus gesehen wurde und entsprechende (Modell-) Projekte initiiert und gefördert wurden, sind seither Tendenzen der Abwertung und Ignoranz gegenüber der Pädagogik in der gesellschaftlichen Diskussion um Rechtsextremismus zu beobachten.

Das hat mehrere Gründe: Zum einen sind diese im Wesen pädagogischer Prozesse zu suchen, die nicht einem technologischen Raster folgen, sondern auf Unsicherheit und Risiko beruhen. Konkrete Wirkungen und Erfolge sind in der pädagogischen Arbeit zudem nur schwer messbar. Annahmen oder Versprechungen, rechtsextreme Jugendliche könnten durch pädagogische Intervention möglichst rasch wieder auf den Pfad der Tugend zurückzugeführt werden, müssen demzufolge Schiffbruch erleiden. So haben möglicherweise die in der Öffentlichkeit entstandenen überzogenen Erwartungen und die wahrgenommenen (zu) geringen Wirkungen der pädagogischen Arbeit mit rechtsextremen Jugendlichen zu dem Ansehensverlust der Pädagogik beigetragen.

Gegen diese These ist allerdings folgendes einzuwenden: Gelingende pädagogische Arbeit, die auf der grundsätzlichen Annahme von der Bildsamkeit und Erziehbarkeit des Menschen basiert, setzt Langfristigkeit und Kontinuität voraus, damit sich ein stabiles Vertrauensverhältnis, ein 'pädagogischer Bezug' herausbilden kann. Persönliche Entwicklungsprozesse finden dann statt, wenn das Verhältnis zu den jungen Menschen sowohl von Akzeptanz als auch von Anforderungen bzw. Konfrontation geprägt ist. Dies wiederum verlangt eine hohe Professionalität der Pädagogen ('Erziehung der Erzieher'), insbesondere ein hohes Maß an sozialer (Selbst-)Kompetenz. Demgegenüber leidet schulische wie außerschulische erzieherische Arbeit häufig an Zeitknappheit, Diskontinuität und mangelnder Professionalität, was u. a. auch auf die finanzielle Unterversorgung in diesen Bereichen zurückzuführen ist. Mit ABM-Kräften, die nicht über die erforderliche Qualifikation verfügen, oder LehrerInnen, die sich als bloße Wissensvermittler verstehen, ist jedoch keine wirksame pädagogische Arbeit zu machen - schon gar nicht, wenn es sich um rechtsextreme Jugendliche handelt.

Die immer wieder vorgebrachte Kritik, Pädagogen seien bei der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Jugendlichen schlichtweg überfordert und betrieben gar 'Glatzenpflege auf Staatskosten' übersieht nicht nur die vielen positiven Beispiele; sie verkennt vor allem, dass Pädagogik als Teil der Gesellschaft auf gesellschaftliche Unterstützung angewiesen ist, die ihr in vielen Fällen nicht ausreichend gewährt wird. Sie übersieht auch, dass pädagogische Arbeit selbstverständlich auch Grenzen hat. Diese liegen insbesondere dort, wo politische, ökonomische und soziale Faktoren die pädagogischen Einflussmöglichkeiten stark einengen. Damit soll kritikwürdiges Verhalten mancher Lehrer und Sozialarbeiter, die die Auseinandersetzung mit rechtsextremen Jugendlichen scheuen oder gar mit ihnen sympathisieren, nicht entschuldigt oder verharmlost werden. Vielmehr soll der Blick auf Versäumnisse in der Aus- und Fortbildung der PädagogInnen sowie auf Defizite in der politischen Kultur gelenkt werden. Isoliert kann pädagogisches Handeln nur wenig bewirken, als Bestandteil gesamtgesellschaftlicher Bemühungen gegen Rechtsextremismus ist Pädagogik jedoch unersetzbar. Pädagogische Strategien stellen ein Element einer erforderlichen Gesamtstrategie dar, die vor allem folgende Ebenen umfassen sollte[3]

Ökonomisch-soziale Ebene

Um den Nährboden für Rechtsextremismus zurückzudrängen, bedarf es des Abbaus sozialer Ungleichheiten und der Verminderung der Gegensätze zwischen Arm und Reich. Insbesondere unter den Bedingungen einer Medien-, Konsum-, Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft geraten Kinder und Jugendliche, die ihre soziale und personale Identität erst entwickeln müssen, schnell an den Rand der Gesellschaft. Deshalb sind für Jugendliche das Vorhandensein realer Chancen für angemessene Lebensperspektiven, insbesondere eine abgeschlossene Berufsausbildung und ein gelungener Übergang in den Beruf lebenswichtig. Entsprechende Forderungen lassen sich hieraus für die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik sowie die Sozial-, Familien- und Bildungspolitik ableiten.

Politische Ebene

Hier gilt es vor allem, die Gestaltungsfähigkeit der Politik unter Beweis zu stellen und einer Ethnisierung sozialer Problemlagen z. B. durch eine transparente Einwanderungspolitik entgegenzuwirken. Mit Blick auf die gesellschaftliche Rolle der Jugend bedarf es eines grundlegenden Einstellungswandels, der Herausbildung einer 'Kultur des Dialogs' mit der Jugend, z. B. im Rahmen einer 'Neuverhandlung' des Generationenvertrages. Zentral ist weiterhin die Entwicklung der politischen Kultur, insbesondere die Ausprägung und Festigung eines demokratischen Wertekonsens (z. B. Garantie der Menschen- und Grundrechte). Dafür tragen alle gesellschaftlichen Akteure, insbesondere die politischen, ökonomischen und kulturellen Eliten, große Verantwortung. Das gilt ebenso für die Massenmedien, deren Bedeutung für die Herausbildung eines demokratischen Meinungsklimas kaum überschätzt werden kann.

Die Ebene der Polizei und Justiz

Polizei und Justiz können das Problem des Rechtsextremismus allein nicht lösen - sie können aber durch professionelle Arbeit, insbesondere durch rasches und konsequentes Handeln zur deutlichen Grenzziehung beitragen und Schlimmeres verhüten helfen. Darüber hinaus kann auch präventive Arbeit geleistet werden (z. B. durch Kampagnen zur Normverdeutlichung, durch die Arbeit von Sonderkommissionen oder die Entwicklung von 'gemeindeorientierter Polizeiarbeit').

Ebene der Kommune

Die Bedeutung der Kommune für die Herausbildung rechtsextremistischer und fremdenfeindlicher Denk- und Verhaltensweisen ist in den letzten Jahren immer wieder nachgewiesen worden. Lokale Präventionsansätze gewinnen deshalb zunehmend an Gewicht. Im Mittelpunkt steht dabei das politische Klima in den Städten und Gemeinden, das stark von den lokalen Akteuren und deren Zusammenwirken geprägt wird. Die Präventivwirkung einer lokalen politischen Kultur im Sinne der Herausbildung einer zivilgesellschaftlichen, demokratischen Kultur kann durch das Wirken kommunaler Präventionsgremien und lokaler Bündnisse für Toleranz und Demokratie gefördert werden.

Alltagsebene

Auf der Alltagsebene ist eine Verminderung von Desintegrationserfahrungen für Kinder und Jugendliche durch Integrationsangebote und identitätsstabilisierende Milieuangebote anzustreben, z. B. durch schulische und außerschulische Jugendarbeit, durch Ausbau von sozialpädagogischen Beratungs-, Hilfs- und Förderangeboten besonders für gefährdete Jugendliche. Notwendig bleibt eine kommunalpolitische und bildungspolitische De-batte über die Jugend. Demokratie sollte für Kinder und Jugendliche im Alltag mehr erlebbar sein, vor allem in Schule, Ausbildung, Beruf usw. Durch die Entwicklung einer 'Kultur der Anerkennung' können solche für Heranwachsende wichtigen Erfahrungen wie Solidarität, Gemeinschaft und Prosozialität in den verschiedenen Sozialisationsinstanzen ermöglicht werden.

Ebene der Pädagogik und der politische Bildung

Hierbei geht es z. B. um den Erwerb von Lernkompetenzen und von Kompetenzen beim Umgang mit Unsicherheiten, Ängsten usw. - jenseits einfacher Erklärungen und Sündenbock-Mechanismen. Weitere Aufgaben sind u. a. die Förderung eines stabilen Selbstwertgefühls, die Entwicklung von moralischer Urteilskompetenz und politischer Mündigkeit, die Vorbereitung auf die ethnische und kulturelle Pluralisierung der Gesellschaft, die Befähigung zum kritischen Umgang mit veröffentlichter Meinung (z. B. 'Bedrohungsszenarien'), die Entwicklung von alternativen Verarbeitungsformen von Konflikt- und Problemlagen usw. Dabei ist auch eine verstärkte Kooperation von politischer Bildung und Jugendarbeit sinnvoll, können doch die betreffenden Jugendlichen meist nur über die aufsuchende Jugendarbeit erreicht werden.

Als Teil gesellschaftlicher Gesamtstrategien setzen pädagogische Konzepte gegen Rechtsextremismus auf verschiedenen Ebenen an und zielen auf unterschiedliche Adressatengruppen. Mindestens vier Zielgruppen sind zu unterscheiden, die jeweils spezifische Zugänge erfordern, wobei die Übergänge zwischen den Gruppen fließend sind. Auch Prävention und Intervention liegen mitunter dicht beieinander und gehen ineinander über[4]:
  1. Pädagogische Arbeit mit sogenannten 'Normaljugendlichen': Durch die Förderung von Toleranz und Demokratiefähigkeit wird rechtsextremem Denken und Verhalten vorgebeugt. Diese Arbeitsformen, die der primären Prävention entsprechen, bilden eindeutig den Schwerpunkt schulischer und außerschulischer Arbeit gegen Rechtsextremismus und dürfen keinesfalls - wegen der nicht unmittelbar sichtbaren Effekte - geringgeschätzt werden.
  2. Arbeit mit rechtsorientierten Jugendlichen ohne feste Cliquenbindung: Durch aktive Einbeziehung in verschiedene Formen der schulischen wie außerschulischen Jugendarbeit, insbesondere durch die Ermöglichung prosozialer Erfahrungen, aber auch durch gezielte Aufklärungsarbeit kann der Verfestigung rechtsextremer Haltungen entgegengewirkt und die Entwicklung demokratischer Denkweisen gefördert werden. Neben der primären Prävention, also der allgemeinen Kompetenzförderung, ist hier auch sekundäre Prävention angezeigt, d. h. kontext- und individuumsbezogene Maßnahmen (z. B. sport-, abenteuer- oder erlebnispädagogische Ansätze, gezielte Jungenarbeit).
  3. Pädagogische Arbeit mit rechtsextremen Cliquen: Die Arbeit mit diesen Gruppen ist ein heikles und sensibles Feld, da die Gruppen in eine offene Arbeit mit anderen Jugendlichen nur schwer zu integrieren sind. Hier helfen meist nur spezielle sozialpädagogische Konzepte weiter, z. B. das der 'Akzeptierenden Jugendarbeit' oder das des konfrontativen Ansatzes ('Anti-Aggressivitäts-Training'). Gefragt sind neben der sekundären Prävention auch Formen der tertiären Prävention, d. h. korrektiv-personale Interventionen, die durch spezielle Trainingsprogramme oder Verfahren (z. B. Täter-Opfer-Ausgleich) Verhaltensmodifikationen bewirken können.
  4. Arbeit mit Jugendlichen in rechtsextremen Kameradschaften bzw. Organisationen: Hier stößt die pädagogischen Arbeit schnell an Grenzen. Die Möglichkeiten des sozialpädagogischen Handelns bleiben hier auf die Beratung und Begleitung von Aussteigern beschränkt.
Möglichkeiten und Grenzen pädagogischer Arbeit gegen Rechtsextremismus wurden in den letzten Jahren immer wieder kontrovers diskutiert. Die Diskussion entzündete sich besonders an der 'Akzeptierenden Jugendarbeit mit rechten Jugendcliquen', also an der Arbeit mit auffällig gewordenen Jugendlichen, während die präventiven Leistungen der Pädagogik zumeist ausgeblendet wurden. Kritikpunkte waren u. a. die geringe Wirksamkeit dieser Arbeit sowie die möglichen Folgen einer 'Sozialpädagogisierung' des Rechtsextremismusproblems. Pädagogik könne politisches Handeln nicht ersetzen und dürfe sich von der Politik nicht instrumentalisieren lassen. Notwendig sei vielmehr eine Politisierung des Problems. Zugleich wurde vor einer Stigmatisierung der betreffenden Jugendlichen gewarnt. Neben diesen Kritiken gab es auch Positionen, die jede pädagogische Arbeit mit rechtsextremen Jugendlichen ablehnten und vorrangig auf repressive Maßnahmen setzten - Positionen, die auch gegenwärtig wieder stärker Fuß zu fassen scheinen. Die Kontroverse um die 'Sozialpädagogisierung' des Rechtsextremismus-Problems schärfte das Verständnis von den Möglichkeiten und Grenzen pädagogischer Arbeit. Es wurde deutlich, dass pädagogische Arbeit im Umgang mit Rechtsextremismus allein nicht ausreicht, sondern dass diese vielmehr eingebettet sein muss in vielschichtige gesamtgesellschafliche Bemühungen.

Fußnoten

1.
Vgl. Armin Pfahl-Traughber, Rechtsextremismus. Eine kritische Bestandsaufnahme nach der Wiedervereinigung, Bonn 1993; Helmut Willems, Fremdenfeindliche Gewalt. Einstellungen, Täter, Konflikteskalation, Opladen 1993; Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.), Gewalt gegen Fremde. Rechtsradikale, Skinheads und Mitläufer, München 1995; Konrad Schacht/Thomas Leif/Hannelore Jannsen (Hrsg.), Hilflos gegen Rechtsextremismus? Ursachen - Handlungsfelder - Projekterfahrungen, Köln 1995; Jürgen W. Falter/Hans-Gerd Jaschke/Jürgen R. Winkler (Hrsg.), Rechtsextremismus. Ergebnisse und Perspektiven der Forschung, Opladen 1996; Marcus Neureiter, Rechtsextremismus im vereinten Deutschland. Eine Untersuchung sozialwissenschaftlicher Deutungsmuster und Erklärungsansätze, Marburg 1996; Frieder Dünkel/Bernd Geng (Hrsg.), Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Bestandsaufnahme und Interventionsstrategien, Mönchengladbach 1999. Anmerkung der Redaktion: Ende dieses Jahres wird eine aktuelle Forschungsbilanz in der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung erscheinen: Wilfried Schubarth/Richard Stöss (Hrsg), Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland.
2.
Vgl. Wilfried Schubarth, Jugendprobleme in den Medien. Zur öffentlichen Thematisierung von Jugend am Beispiel des Diskurses zur 'Jugendgewalt', in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 31/1998, S. 29-36; ders., Die 'neue' Rechtsextremismus-Debatte, in: Uwe Hirschfeld/Ulfrid Kleinert (Hrsg.), Zwischen Aussschluß und Hilfe. Soziale Arbeit und Rechtsextremismus, Leipzig 2000, S. 29-37.
3.
Vgl. Christoph Butterwegge, Was man gegen Rechtsextremismus, Rassismus und (Jugend-)Gewalt tun kann, in: Manfred Büttner (Hrsg.), Braune Saat in jungen Köpfen, Hohengehren 1999, S. 179-200; Jens Mecklenburg (Hrsg.), Was tun gegen Rechts, Berlin 1999; Albert Scherr; Interventionen gegen Fremdenfeindlicheit und Rechtsextremismus, in: Peter Widmann/Rainer Erb/Wolfgang Benz (Hrsg.), Gewalt ohne Ausweg? Strategien gegen Rechtsextremismus und Jugendgewalt in Berlin und Brandenburg, Berlin 1999, S. 111-130. In der aktuellen Diskussion wird ebenfalls vor verkürzten Reaktionen gewarnt und die Notwendigkeit mehrdimensionaler Strategien hervorgehoben.
4.
Vgl. Franz Josef Krafeld/Kurt Möller/Andrea Müller, Jugendarbeit in rechten Szenen. Ansätze - Erfahrungen - Perspektiven, Bremen 1993; Wilfried Schubarth, Gewaltprävention in Schule und Jugendhilfe, Neuwied - Kriftel 2000.