Menschen drängen sich zur Weihnachtszeit in der Fußgängerzone von Essen.

31.5.2012 | Von:
Stefan Hradil

Wie wird versucht, die Ziele der neuen Sozialkunde zu erreichen?

Die Sozialkunde will ein systematisch aufgebautes Werk sein - keine Zusammenstellung einzelner Aufsätze. Die einzelnen Kapitel wurden von ausgewiesenen Experten verfasst. Sie ergänzen sich und liefern so einen Überblick über das gesamte Themenspektrum der Sozialkunde.

Wie eingangs erwähnt, wird diese Sozialkunde sowohl in Form einer gedruckten Ausgabe als auch in einer Internet-Version (bpb.de/sozialkunde) erscheinen. Die Printversion enthält nur die nötigsten empirischen Belege, denn sie hat die Aufgabe, Übersicht zu vermitteln. Die Website hingegen umfasst außer dem Buchtext viele zusätzliche Materialien. Auf diese wird in der Buchausgabe in den Fußzeilen lediglich pauschal verwiesen, weshalb es sich empfiehlt, sich vor Beginn der Lektüre jeweils einen kapitelbezogenen Überblick über den Inhalt der Website zu verschaffen. Zusätzlich stehen auf der Website aber auch weiterführende Materialien zur Verfügung, die Hintergrundwissen zu den einzelnen Kapiteln vermitteln. Auf sie wird im Buch in jedem Aufsatz pauschal hingewiesen.

Die auf der Website eingestellten Materialien werden regelmäßig aktualisiert. Der Leser muss also nicht mit veralteten Druckauflagen leben bzw. lange auf die Aktualisierung seines Buches warten, sondern kann den Vorteil von Internetinformationen nutzen, die schnell zu verändern sind. Jedes Kapitel der vorliegenden Sozialkunde wurde von einem besonders ausgewiesenen und erfahrenen Spezialisten geschrieben. Dennoch ist die vorliegende Sozialkunde kein Band, der einzelne Aufsätze versammelt, sondern ein systematisch aufgebautes Werk. Das kommt schon äußerlich zum Ausdruck, indem die einzelnen Beiträge "Kapitel" genannt und durchnummeriert sind. Zwar können die Kapitel der einzelnen Autoren insgesamt keine durchgehende Argumentation hervorbringen, wohl aber ergänzen die einzelnen Darstellungen einander und vermitteln insgesamt einen Überblick.

Dank vieler Abstimmungen sind die einzelnen Kapitel vergleichbar in Diktion, Aufbau und Anlage geworden. Die Kapitel sind aber nicht einheitlich geraten. Das ist bis zu einem gewissen Grade auch gewollt: Die je besonderen Stärken und Eigenarten der Autoren sollten durchaus erhalten bleiben. Das gilt in Ansätzen auch für die politischen und weltanschaulichen Grundüberzeugungen der einzelnen Verfasser. Die vorliegende Sozialkunde enthält zwar keine Meinungsartikel, sondern sozialwissenschaftlich fundierte, in ihren Aussagen durchgehend empirisch belegte Darstellungen. Die objektive Darstellung der Gegebenheiten und Probleme steht im Vordergrund. Probleme definieren die Autoren nicht aufgrund ihrer persönlichen Bewertung, sondern weil faktische Gegebenheiten von allgemein akzeptierten Sollvorstellungen abweichen. Gleichwohl wird dem aufmerksamen Leser nicht verborgen bleiben, dass die politischen Grundeinstellungen der Autoren teilweise auseinander gehen. Dies zeigt sich bei der Auswahl der Inhalte im Einzelnen, den Interpretationen von Befunden und insbesondere in den Ausblicken, die naturgemäß nur bedingt empirisch zu belegen sind. Auf diese Weise kommt in der vorliegenden Sozialkunde zugleich ein Spektrum von legitimen Bewertungsmaßstäben gesellschaftlicher Entwicklungen zum Ausdruck.

Man kann sicher darüber streiten, welche Themenbereiche in einer Sozialkunde zur Darstellung kommen sollen. Hier gilt es auf der einen Seite, die unerlässlichen, konventionellen Basisinformationen zu vermitteln, die aus gutem Grund in allen schulischen Lehrplänen und in allen universitären grundständigen Studiengängen der einschlägigen sozialwissenschaftlichen Fächer enthalten sind, also etwa: Grundinformationen zum politischen System, zur Sozialstruktur sowie zur Wirtschaftsordnung Deutschlands. Auf der anderen Seite erfordern es neuere Entwicklungen und Verschiebungen der öffentlichen Diskussion, auch bislang in Sozialkunden wenig berücksichtigte Themen darzustellen: So sind der Medienentwicklung, der Supranationalisierung, der Zivilgesellschaft und der sozialen Kontrolle (einschließlich des Datenschutzes) jeweils eigene Kapitel gewidmet. Der Herausgeber hätte gerne weitere Beiträge in diese Sozialkunde aufgenommen, so etwa zu Fragen der Ökologie, der Jugend und zum Zusammenhalt der Gesellschaft insgesamt. Der Umfang dieser Sozialkunde wäre dann aber kaum noch handhabbar geworden, oder aber die einzelnen Beiträge wären zu reinen Skizzen verkürzt worden.

Ausführungen zum Verhältnis von Frauen und Männern werden die Leser jedoch nicht vermissen. Die Lage und die sozialen Beziehungen der Geschlechter sind heute in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik so bedeutend geworden, dass dieser Aspekt quer zur Gliederung in vielen Kapiteln dargestellt wird, unter anderem in den Kapiteln Bildung, Soziale Ungleichheit, Arbeitsmarkt, private Lebensformen.