Menschen drängen sich zur Weihnachtszeit in der Fußgängerzone von Essen.

31.5.2012 | Von:
Wolfgang Seifert

Übersiedler aus der DDR und Auswanderer aus Deutschland

DDR-Bürger, die von der DDR in die Bundesrepublik zogen, werden Übersiedler genannt. Politische Verhältnisse, aber auch der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland waren die Wanderungsmotive der DDR-Bürger. War Auswanderung in Deutschland lange kein Thema, haben anhaltende Arbeitslosigkeit und bessere Verdienstmöglichkeiten zu einer vermehrten Auswanderung aus Deutschland geführt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Deutschland eines der wichtigsten Auswanderungsländer. Zwischen 1816 und 1914 wanderten 5,5 Millionen Deutsche allein in die USA (Oltmer 2010). Eine schnell wachsende Bevölkerung insbesondere im ländlichen Raum fand zu dieser Zeit keine ausreichenden Erwerbsmöglichkeiten mehr. Die Zeit zwischen den Weltkriegen war von der Weltwirtschaftskrise geprägt, wodurch die Beschäftigungsmöglichkeiten in den Einwanderungsländern zurück gingen. Die unmittelbare Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war von Flucht und Vertreibung bestimmt. Bei der Volkszählung von 1950 wurden allein in Westdeutschland 7,9 Millionen Vertriebene registriert.

Seit der Gründung der DDR 1949 bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 verließen 3,8 Millionen DDR-Bürger ihr Land in Richtung Bundesrepublik. Hier wurden sie Übersiedler genannt. Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen in der DDR waren ein Wanderungsmotiv, aber auch das "Wirtschaftswunder" in Westdeutschland wirkte auf viele anziehend, weil es leicht war, Arbeit zu finden, und ein höheres Lohnniveau eine Teilhabe an dem Massenkonsum der westlichen Warenwelt versprach. Aufgrund des Bevölkerungsverlusts, der von westdeutschen Politikern als "Abstimmung mit den Füßen" bewertet wurde, reagierte die DDR-Regierung mit der Abschottung ihres Staatsgebietes im Jahr 1961, wodurch die Ost-West-Wanderung praktisch zum Erliegen kam. Erst mit dem Fall der Berliner Mauer setzte wieder eine Massenwanderung ein, allein in den ersten 2 Jahren nach Maueröffnung verließen jeweils 400.000 Personen die DDR. Da vor allem Jüngere die neuen Bundesländer verlassen haben, ist die Bevölkerung insbesondere in den strukturschwachen Regionen stark überaltert. Auswanderung war in Deutschland lange Zeit kein Thema. Anhaltende Arbeitslosigkeit und bessere Verdienstmöglichkeiten im Ausland ließen jedoch die Zahl derer wachsen, die Deutschland verlassen. Im Jahr 2008 zogen 175.000 Deutsche ins Ausland, darunter waren 3.000 Ärzte. Die Reise geht dabei nicht mehr unbedingt nach Übersee. Das wichtigste nichteuropäische Ziel ist die USA mit einem Anteil von 8,8 %. Wichtigstes europäisches Zielland ist die Schweiz, auf die 16,7 % aller Fortzüge von Deutschen entfielen.