Menschen drängen sich zur Weihnachtszeit in der Fußgängerzone von Essen.

31.5.2012 | Von:
Wolfgang Seifert

Zusammenfassende Bewertung und Ausblick

Die lange Nichtanerkennung der Zuwanderung hat sich auf die Integration der Migranten ausgewirkt. Trotz des Nationalen Integrationsplans aus dem Jahr 2007 ist der Stand der Integration nicht zufriedenstellend. Es gibt nach wie vor erhebliche Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund.

Die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte, die in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre begann und mit dem Anwerbestopp 1973 endete, sollte nicht zu einer dauerhaften Niederlassung ausländischer Arbeitskräfte führen. Die Zuwanderung wurde strikt an die Erfordernisse des Arbeitsmarktes rückgebunden. Nach dem Ende der konjunkturellen Hochphase sollten die ausländischen Arbeitskräfte wieder in ihre Heimat zurückkehren. Auch als nach dem Anwerbestopp fest stand, dass Deutschland zu einem der bedeutendsten Einwanderungsländer Europas geworden war, wurde diese Tatsache von der Politik lange Zeit nicht anerkannt.

Die Nichtanerkennung der Zuwanderung wirkte sich auf die Integration der Migranten aus. Aufgrund des unklaren Status dieser Arbeitskräfte investierte die Industrie nicht in ihre Aus- und Weiterbildung. Integrationsmaßnahmen blieben meist nur auf Modellprojekte beschränkt. Erst mit dem Nationalen Integrationsplan aus dem Jahr 2007 erfolgte nicht nur ein klares Bekenntnis zur Integration, es wurden auch Maßnahmen auf den Weg gebracht, die die Integration der rund 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, die mittlerweile in Deutschland leben, zu fördern.

Alles in allem kann der Stand der Integration derzeit nicht als zufriedenstellend angesehen werden. Bildungsstruktur, Erwerbsbeteiligung und wirtschaftliche Situation der Personen mit Migrationshintergrund unterscheiden sich erheblich von der der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Dass Personen mit Migrationshintergrund schlechter in den Arbeitsmarkt integriert sind, ist nicht allein auf die ungünstigere Bildungsstruktur zurückzuführen. Auch gut qualifizierte ausländische Arbeitskräfte weisen eine höhere Betroffenheit von Arbeitslosigkeit und eine niedrigere Erwerbsbeteiligung auf als die entsprechenden Gruppen ohne Migrationshintergrund. Trotz dieser noch immer ernüchternden Bilanz hat es auch Integrationserfolge gegeben. Die derzeitigen Regelungen bezüglich der Integration unterscheiden sich nicht mehr wesentlich von denen anderer westeuropäischer Länder. Zu bemängeln ist lediglich, dass dieser Schritt im Vergleich zu anderen Ländern erst sehr spät vollzogen worden ist, entsprechend fallen die Integrationserfolge hier geringer aus als dies in anderen Ländern zum Teil der Fall ist.

Allerdings sollten Pauschalisierungen vermieden werden. Die Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund sind keine homogene Gruppe und sie sind in allen gesellschaftlichen Bereichen zu finden, wenn auch in anderer Verteilung als dies bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund der Fall ist.

Für Teile der Gesellschaft und der Politik war es schwer, zu akzeptieren, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Zwar wird Zuwanderung gegenwärtig kaum mehr pauschal in Frage gestellt, doch insbesondere die Integrationsbereitschaft bestimmter Gruppen, insbesondere muslimischer Zuwanderer, wird in immer wiederkehrenden Debatten hinterfragt. Integrationsangebote müssen sich jedoch an alle zugewanderten Gruppen richten, mit dem Ziel eine chancengleiche Teilhabe von allen in Deutschland lebenden Menschen unabhängig vom Migrationshintergrund oder der Religion zu ermöglichen. Wenn dies langfristig nicht möglich ist, muss davon ausgegangen werden, dass daraus Spannungspotentiale entstehen und Verteilungskonflikte um knappe Ressourcen (Arbeit, Einkommen, sozialer Status) eine ethnische Komponente erhalten (SVR 2010).

Für Deutschland gibt es keine Alternative zur Einwanderungsgesellschaft. Dies ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass die bestehende Zuwanderung nicht rückgängig gemacht werden kann. Allein schon die Alterung der Gesellschaft wird dazu führen, dass der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund wächst, denn in den oberen Altersgruppen sind Personen mit Migrationshintergrund noch unterdurchschnittlich vertreten. Der Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird schon in Kürze in den oberen Segmenten des Arbeitsmarktes zu einem Fachkräftemangel führen. Auch die fortschreitende Globalisierung wird zu einer Öffnung und Internationalisierung weiterer Teile des Arbeitsmarktes führen wie auch die Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union.