Menschen drängen sich zur Weihnachtszeit in der Fußgängerzone von Essen.

Pluralisierung der Lebensformen: Mehr Vielfalt und kleinere Haushalte


31.5.2012
Die Pluralisierung der Lebensformen hat hauptsächlich bei den 20- bis 35-Jährigen zugenommen. Zu den wenigen neu entstanden Lebensformen gehören die gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften, Fernbeziehungen und gewollt kinderlose Ehen. Parallel zu den vielfältigen Lebensformen ist eine beständige Verringerung der durchschnittlichen Haushaltsgröße zu beobachten.

Die den Wandel der Familie und Lebensformen in den letzten Dekaden kennzeichnende moderate Pluralisierung resultiert weniger aus dem Hinzukommen neuer Lebensformen als vielmehr aus einer gleichmäßigeren Verteilung der schon vorhandenen. Festzuhalten ist, dass die Vielfalt hauptsächlich in der Altersgruppe der 20- bis 35-Jährigen erkennbar zugenommen hat und eine Pluralisierung zudem vor allem bei Lebensformen ohne Kinder stattfindet. Zu den wenigen neu entstanden Lebensformen gehören die gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften, Fernbeziehungen und gewollt kinderlose Ehen. Dagegen sind nichteheliche Lebensgemeinschaften, Alleinerziehende und Alleinwohnende alt bekannte Lebensformen, die in den 1960er-Jahren im Unterschied zu heute jedoch nur wenig verbreitet waren.

Parallel zur Pluralisierung der Lebensformen ist eine beständige Verringerung der durchschnittlichen Haushaltsgröße zu beobachten. Sie liegt gegenwärtig (2009) bei 2,04 Personen, vor dreißig Jahren betrug dieser Wert noch 2,7. Diese Abnahme resultiert vor allem aus der Verringerung der Haushalte mit fünf oder mehr Personen und der Zunahme von Einpersonenhaushalten, insbesondere solchen von jüngeren Personen.
Für die Qualifizierung von Haushaltsformen ist aber weniger die Personenzahl relevant als die Frage, ob darin Paare oder Kinder leben oder nicht. Bei einer entsprechenden Differenzierung der Haushalte in Deutschland ergibt sich für die Altersgruppe der 25- bis unter 45-Jährigen, also in der Lebensphase, in der üblicherweise die Familiengründung erfolgt, folgendes Bild: Im Jahr 2007 waren nach den Ergebnissen des Mikrozensus 69 % aller Haushalte partnerschaftlich, d. h. es lebten zwei Partner zusammen, seien sie gleichgeschlechtlich oder nicht, miteinander verheiratet oder nicht. In 31 % der Haushalte lebte nur ein Erwachsener. Nach dem Vorhandensein von Kindern differenziert ist festzustellen, dass in 56 % der Haushalte von Erwachsenen zwischen 25 und 44 Jahren Kinder lebten, in 44 % dagegen nicht.

Verbreitung nichtkonventioneler Lebensformen in der Altersgruppe der 40- bis unter 45-Jährigen in West- bzw. Ostdeutschland (ohne Berlin) im Jahr 2008 (in Prozent)Verbreitung nichtkonventioneler Lebensformen in der Altersgruppe der 40- bis unter 45-Jährigen in West- bzw. Ostdeutschland (ohne Berlin) im Jahr 2008 (in Prozent)
Die Zunahme nichtkonventioneller Lebensformen

Wechselt man die Perspektive und betrachtet nicht die Verbreitung von Haushaltsformen, sondern den Anteil der Personen (hier in der Altersgruppe 40 bis unter 45 Jahre), die in den verschiedenen Lebensformen leben, dann ist die Ehe mit Kindern nach wie vor die Lebensform in Deutschland, in der mit 57 % die meisten Menschen in diesem Alter leben. 43 % befinden sich in einer sogenannten nichtkonventionellen Lebensform. Dazu zählen nichteheliche Lebensgemeinschaften, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, Fernbeziehungen, gewollt kinderlose Ehen, Alleinwohnende und Alleinerziehende.

Unter den nichtkonventionellen Lebensformen haben in den letzten Jahrzehnten besonders die nichtehelichen Lebensgemeinschaften und das Alleinerziehen zugenommen. Diese auch schon früher existierenden Lebensformen waren in der Vergangenheit infolge ökonomischer und sozialer Umstände jedoch meist Notlösungen (z. B. Zusammenleben bei Heiratsverboten) oder Folge von Schicksalsschlägen (Trennung oder Tod des Ehepartners) und gesellschaftlich stigmatisiert. Heute hingegen werden sie häufig bewusst gewählt und sind subjektiv wie sozial mit einem anderen Sinn versehen.

Adoptierte Kinder nach ihrem Alter, Deutschland 1991 bis 2009Adoptierte Kinder nach ihrem Alter, Deutschland 1991 bis 2009
Nur wenig zugenommen haben Stieffamilien. Adoptionen sind in Deutschland nach der Wiedervereinigung deutlich zurückgegangen.