Menschen drängen sich zur Weihnachtszeit in der Fußgängerzone von Essen.

31.5.2012 | Von:
Wolfgang Ludwig-Mayerhofer

Ausblick

Im Fokus der öffentlichen Debatte über den Arbeitsmarkt stehen gegenwärtig die Chancen und Risiken der zunehmenden Lohnungleichheit und der Pluralisierung der Beschäftigungsformen. Um auf Dauer mehr und bessere Beschäftigung zu erreichen, müssen die Bildungsmöglichkeiten verbessert werden.

Die öffentliche Diskussion über den Arbeitsmarkt wird gegenwärtig von den Chancen und Risiken der zunehmenden Lohnungleichheit und der Pluralisierung der Beschäftigungsformen bestimmt. Befürworter von Ungleichheit und größerer Flexibilität verweisen auf den gestiegenen internationalen Wettbewerb, der es erfordere, die Handlungsfreiheit von Unternehmen nicht durch hohe Lohnforderungen und staatliche Regulierung einzuschränken. Dagegen wird eingewandt, dass die wirtschaftliche Lage der Unternehmen auch von der Nachfrage im Inland abhängt, die durch niedrige Löhne und unsichere Beschäftigung geschwächt wird. Dementsprechend sind auch Maßnahmen umstritten. So gibt es in Deutschland im Unterschied zur Mehrheit der westlichen Staaten keinen generell geltenden Mindestlohn; ein angemessener Mindestlohn, so wird argumentiert, könne zumindest gegen Armut bei Erwerbstätigkeit schützen. Seine Gegner befürchten einen dadurch drohenden Abbau von Arbeitsplätzen und verweisen auf die Tarifauseinandersetzungen, in denen branchenspezifische Löhne je nach der Leistungsfähigkeit der verschiedenen Wirtschaftsbereiche ausgehandelt würden.

Ein wirksameres Mittel, um mehr und bessere Beschäftigung zu erreichen, dürfte allerdings eine Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten darstellen. Zwar sind von Niedriglöhnen keineswegs nur Unqualifizierte betroffen; dennoch sind die Arbeitsmarktprobleme von Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung am größten. Gleichzeitig ist zu bedenken, dass infolge des demographischen Wandels schon bald deutlich weniger junge Arbeitskräfte nachrücken, so dass auf längere Frist zumindest Fachkräfte knapp werden. Der sicherste Weg, Prekarität zu vermeiden, besteht daher in einer soliden schulischen und beruflichen Bildung zur Vorbereitung auf das Erwerbsleben (vgl. Kapitel: Bildung).


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